Jagd auf Raser in Emden Neuer mobiler Blitzer hat schon etliche Temposünder erwischt
Autofahrer in Emden sollten sich an Tempolimits halten. Denn seit dem Sommer setzt die Stadt ein weiteres Messgerät ein. Es kann auch an versteckten Stellen stehen.
Emden - Bleifüße, aufgepasst! Die Stadt Emden hat seit dem Sommer die Geschwindigkeitsüberwachung im Straßenverkehr verstärkt. Neben dem teilstationären Messgerät namens „Engelke“, das fest auf einem Anhänger installiert ist, und festen Anlagen, macht die Kommune jetzt auch wieder mit einem mobilen Blitzer Jagd auf Raser in ihrem Gebiet.
Was und warum
Darum geht es: Autofahrerinnen und -fahrer in Emden müssen mit mehr Geschwindigkeitskontrollen rechnen.
Vor allem interessant für: Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer in Emden
Deshalb berichten wir: Die Stadt setzt seit dem Sommer einen neuen mobilen Blitzer ein. Unsere Redaktion wollte wissen, ob er sich schon bewährt hat. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Es handelt sich um das laserbasierte System Traffi Star S350 des Herstellers Jenoptik, mit dem auch der „Engelke“-Blitzer ausgerüstet ist. Das mobile Gerät lässt sich nach Angaben der Stadt sowohl auf einem Stativ als auch in einem Fahrzeug installieren. Deshalb lässt es sich schnell und einfach aufbauen sowie flexibel einsetzen.
Das Gerät erfasst mehrere Fahrspuren
Im Gegensatz zum „Engelke“, das meist nicht zu übersehen ist, kann das mobile Messgerät teilweise auch versteckt aufgestellt werden. Der neue Blitzer erfasst - ebenso wie das teilstationäre Gerät - Fahrzeuge auf mehreren Fahrspuren gleichzeitig und in beide Fahrtrichtungen. Das ist aber noch nicht alles: Der Blitzer kann Personen- von Lastwagen unterscheiden. Es lassen sich verschiedene Tempolimits einstellen.
Der mobile und bislang noch namenlose mobile Blitzer ist seit Anfang Juni im Einsatz. Wie der Leiter des Fachdienstes Straßenverkehr, Hinrich Post, dieser Zeitung auf Anfrage mitteilte, ist er mittlerweile 25 Mal zum Einsatz gekommen - und zwar an unterschiedlichsten Orten. Es seien bislang 134 Bußgeldverfahren (Stand 20. Oktober) gegen Temposünder eingeleitet worden, die der mobilen Anlage in die Falle gingen.
Blitzer wird an Unfallschwerpunkten eingesetzt
Bedient wird der mobile Blitzer von Mitarbeitern des Stadtordnungsdienstes. Die Standorte werden aber mit der Straßenverkehrsbehörde abgestimmt. „Überwachungsmaßnahmen werden dort konzentriert, wo sich häufig Unfälle ereignen, oder die Wahrscheinlichkeit besteht, dass sich Unfälle ereignen können“, so die städtische Verkehrsbehörde. Meldungen über Gefahrenpunkte kämen unter anderem auch aus der Bevölkerung, wenn an bestimmten Stellen wiederholt wichtige Verkehrsregeln missachtet werden.
Die Stadt musste längere Zeit auf die mobile Geschwindigkeitsüberwachung verzichten. Denn ihr zuletzt dafür verwendetes Gerät vom Typ XV3 des Herstellers Livetec war im März 2021 bundesweit aus dem Verkehr gezogen worden. Sachverständige hatten zuvor „unzulässige Messwertabweichungen“ bei diesem Gerät festgestellt.
„Engelke“ ist die „große Schwester“
Als eine Reaktion darauf schaffte die Stadt im vergangenen Jahr für etwa 260.000 Euro die teilstationäre Anlage „Engelke“ an, die nach längeren Tests verschiedener Systeme am 2. September 2022 an der Uphuser Straße vor der Grundschule Wolthusen offiziell in Betrieb genommen und von Kindern mit Delftwasser getauft wurde. Es ist quasi „die große Schwester“ der neuen mobilen Anlage. „Engelke“ ist der plattdeutsche Ausdruck für die Engelsfigur im Emder Stadtwappen auf der Emsmauer („Engelke up de Muer“).
Die teilstationäre oder auch semimobil genannte Anlage funktioniert bis zu 14 Tage lang autark, muss also in der Zeit nicht an eine Stromquelle angeschlossen werden. Allerdings: Je häufiger der Blitzer ausgelöst wird und je mehr Fotos gespeichert werden müssen, desto kürzer ist die Standzeit.
Grundschulen sind ein Schwerpunkt
Er steht häufig in der Nähe von Grundschulen, unter anderem an der Uphuser Straße, an der Nordertorstraße und am Steinweg. Dort gilt überwiegend Tempo 30. Der Einsatz dieser Anlage bewährt sich offenbar: Laut des städtischen Fachdienstes Straßenverkehr sind damit bislang mehr als 7400 Geschwindigkeitsverstöße registriert worden.
Außer den beiden teilstationären und mobilen Anlagen gibt es in Emden noch zehn stationäre, also feste Blitzer, die an den wichtigsten Einfallstraßen wie der Auricher Straße, der Petkumer Straße und der Larrelter Straße stehen. Der erste davon war im Jahr 2006 an der Auricher Straße aufgestellt worden.
2022 gab es rund 9200 Verstöße
Laut der Verkehrsbehörde sind im vergangenen Jahr insgesamt 9.184 Geschwindigkeitsüberschreitungen registriert worden. 2021 waren es noch 12.174 und diesem Jahr bislang knapp 11.000. An Verwarn- und Bußgeldern wegen solcher Verstöße nahm die Stadt 2022 insgesamt rund 422.000 Euro ein, in diesem Jahr beläuft sich die Summe der tatsächlichen Einnahmen bislang auf gut 436.000 Euro.
Seit dem November 2021 gilt in Deutschland ein erneuerter Bußgeldkatalog - wer beispielsweise innerorts 16 bis 20 Kilometer pro Stunde zu schnell fährt und geblitzt wird, muss seitdem 70 statt 35 Euro zahlen.
Die Einnahmen der Stadt daraus sind nicht zweckgebunden und werden dafür verwendet, um allgemeine Ausgaben zu decken. Der Fachdienst Straßenverkehr betont aber stets, dass mit der Geschwindigkeitsüberwachung kein Geld verdient werden soll. Vielmehr gehe es um mehr Sicherheit im Straßenverkehr.Neuer mobiler „Blitzer“ für Landkreis Leer bestellt
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