Polizei durchsucht Gebäude Welle von Bombendrohungen trifft auch Emder Oberschule
In ganz Deutschland gab es in den vergangenen Tagen Bombendrohungen. Auch in Emden wurde deshalb ein Großeinsatz der Polizei ausgelöst.
Emden - Von der Welle der Bombendrohungen, die in den vergangenen Tagen in ganz Deutschland gegen Schulen und andere Einrichtungen eingingen, war auch eine Schule in Ostfriesland betroffen. Wie die Sprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden, Svenia Temmen, dieser Zeitung auf Nachfrage bestätigte, erhielt die Oberschule Herrentor in Emden trotz der Herbstferien am Montag eine Droh-Mail.
Die Polizei durchsuchte am Dienstagvormittag mit einem Großaufgebot und Sprengstoffhunden das Gebäude im Herrentorviertel, um eine Gefährdung auszuschließen. „Wir wollten nichts dem Zufall überlassen“, sagte Temmen. Im Einsatz waren 18 Beamte der Emder Polizei, einer Verfügungseinheit der Polizeiinspektion sowie der Diensthundeführerstaffel der Polizeidirektion Osnabrück.
Es wurde schnell Entwarnung gegeben
Es sei aber schnell Entwarnung gegeben worden. Anhaltspunkte für eine akute Gefahr seien nicht gefunden worden. Der Einsatz blieb von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Der Unterricht in den Schulen beginnt erst am kommenden Mittwoch wieder.
Nach Angaben der Polizeisprecherin war die stellvertretende Schulleiterin am Montagabend beim Checken der E-Mails an die Schule auf die Drohung gestoßen. In dem Schreiben seien Bezüge zur islamistischen Hamas sowie dem Gaza-Krieg hergestellt worden. Solche zum Teil wortgleiche Drohungen werden seit Freitag in ganz Deutschland bekannt, besonders im Fokus sind Schulen. Möglicherweise wurden die Adressen wahllos ausgesucht. Laut Temmen ist in dem Schreiben an die Emder Oberschule nämlich von einer Grundschule in Emden mit einer Adresse die Rede, die es in der Stadt gar nicht gebe.
Bislang keine weiteren Fälle in Ostfriesland
Die Bombendrohung gegen die Emder Schule ist nach Angaben der Sprecherin der einzige Fall im Bereich der Polizeiinspektion Leer/Emden. In den Landkreisen Aurich und Wittmund seien bislang keine Drohungen bekannt geworden, sagte die Sprecherin der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund, Wiebke Baden, dieser Zeitung.
Die Urheber der Drohungen sind unbekannt, die Hintergründe unklar. Laut den Sicherheitsbehörden wurde überall schnell Entwarnung geben. Vielerorts ermittelt inzwischen der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. Den Tätern drohen hohe Geldbußen und Haftstrafen.
Soll Unmut gegen Israel geschürt werden?
Am Dienstag hatte es aus Sicherheitskreisen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA) geheißen, möglicherweise könne es darum gehen, das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung zu schwächen und Unmut gegen Israel zu schüren. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums teilte am Dienstag mit: „Ob mit den Drohungen ein extremistisches Ziel verfolgt wird oder es sich um ,Trittbrettfahrer‘ handelt, die sich zur Verstärkung der Wirksamkeit ihrer Drohungen als Hamas bezeichnen, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend bewertet werden“.
Die Sprecherin verwies auf ähnlich geartete Fälle von Drohungen gegen Einrichtungen in Frankreich ab dem Wochenende vom 14. und 15. Oktober, darunter gegen den Louvre und das Schloss Versailles. Dort steigerten sich „die Drohungen quantitativ und führten unter anderem zu sehr pressewirksamen ‚Räumungen‘ von Flughäfen in Frankreich“, so die Sprecherin.
Seit Wochenbeginn habe auch in Deutschland die Anzahl der Drohungen stark zugenommen, vor allem an Schulen, die wieder geöffnet haben. Betroffen waren bislang Schulen in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern und nun offenbar auch in Niedersachsen. Die Polizei räumte teils die Einrichtungen vorsorglich oder wies Schüler und Lehrer noch vor dem Betreten der Gebäude zurück. Von Bombendrohungen waren auch Behörden, Medienanstalten und Wirtschaftsunternehmen betroffen.
Die Oberschule Herrentor in Emden hatte Anfang September schon einmal wegen eines größeren Polizeieinsatzes im Blickpunkt der Öffentlichkeit gestanden. Damals hatte ein Schüler laut Polizei bei Rangelei auf dem Schulhof ein Messer gezückt und beim Herumfuchteln damit einen anderen Jungen am Rücken verletzt. Dieser Fall steht aber in keinerlei Zusammenhang mit der jüngsten Droh-Mail.
Mit Material von DPA.
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