Auricher Fußgängerzone  Wenn die Lampen leuchten, gibt es in Burgstraße was zu feiern

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 30.10.2023 08:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zum Stadtfest gehört traditionell der Freibierausschank.
Zum Stadtfest gehört traditionell der Freibierausschank.
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Die Sanierung der Fußgängerzone steht in Aurich vor dem Abschluss. Das Ende soll gebührend gefeiert werden. Daraus könnte mehr werden − wie beim Stadtfest vor 50 Jahren.

Aurich - Endspurt in der Auricher Fußgängerzone: Mitarbeiter der Firma Strabag sind derzeit unter Hochdruck dabei, die letzten Arbeiten auszuführen. Die sogenannte Möblierung steht an, das heißt, dass Bänke und Abfallbehälter aufgestellt werden, Skulpturen finden wieder ihren angestammten Platz und bald, sehr bald werden auch die neuen, zylindrischen Leuchten ans Stromnetz angeschlossen. Alle Zeichen stehen auf Vollendung. Für diesen Fall hatte Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) im vergangenen Jahr angekündigt, sich etwas Besonderes einfallen zu lassen. Vielleicht ein großes Fest, vielleicht eine andere Aktion, auf jeden Fall sollte der Abschluss würdig begangen werden. „Es soll eine Art Entschädigung für die Kaufleute sein, die in erster Linie dauerhaft unter den Arbeiten gelitten haben“, sagte Horst Feddermann. Deshalb wolle er sie auch in die Planungen und die Projektierung einbeziehen. Aktuell habe er noch nichts in der Pipeline: „Ich habe auch noch nicht mit dem Kaufmännischen Verein gesprochen“, räumte der Verwaltungschef ein. Grundsätzlich zweifle er daran, ob die kalte Jahreszeit passend für eine solche Aktion ist.

Der Zugang zum Geschäft von Almuth Maaß an der Osterstraße war während der Bauarbeiten eine Zeitlang versperrt.
Der Zugang zum Geschäft von Almuth Maaß an der Osterstraße war während der Bauarbeiten eine Zeitlang versperrt.

Darauf reagiert Bettina Rademaker mit einem klaren Nein. Die Inhaberin des Accessoire-Geschäfts „Wohnkooje“ in der Burgstraße sagt, im Winter könne man nichts draußen machen. Ansonsten freue sie sich sehr darüber, dass die Kaufleute gefragt und beteiligt würden. Ihr schwebe eine „Langer-Tresen-Aktion“ vor, wie es sie in vielen Städte gebe. Das Motto: Kaufleute stellen Tische zur Verfügung, Auricher steuern etwas bei, indem sie wie gute Gastgeber etwas Gehaltsvolles darauf platzieren. „Jede Aktion ist eine gute Aktion, weil sie Leben in die Stadt bringt“, sagt Almuth Maaß von der gleichnamigen Drogerie an der Osterstraße. Mit dieser Einschätzung trifft sie den Nerv und den Tenor, der auch von anderen Geschäftsleuten zu vernehmen ist. Das hat eine Umfrage der Redaktion ergeben. Für viele war die Sanierung eine Durststrecke, und das in jeder Hinsicht. Sie mussten Umsatzeinbußen hinnehmen, Staub- und Lärm ertragen. Nicht zuletzt mussten sie die immer wieder aufgebrachten Kunden beruhigen. Grundsätzlich zeigten die meisten Verständnis, lobte die Kooperationsbereitschaft der Bauarbeiter. Um so erfreuter sind die meisten über das optisch gelungene Ergebnis. „Spontan können wir aber jetzt keinen Vorschlag zu einer Aktion aus dem Ärmel schütteln“, sagte eine Geschäftsfrau. Das müsse alles gut koordiniert werden. „Es ist wichtig, die Leute mitzunehmen“, sagt Almuth Maaß. Einige Kaufleute vermissen eine Citymanagerin, die den Dialog zur Verwaltung beleben und Ideen aufnehmen und weitertragen könnte.

Dichtes Gedränge herrschte beim Stadtfest in diesem Jahr. Fotos: Archiv/Ortgies
Dichtes Gedränge herrschte beim Stadtfest in diesem Jahr. Fotos: Archiv/Ortgies

Wie es in der Vergangenheit war

Es gibt allerdings auch Kritik an dem Vorstoß, das Ende der Fußgängerzone zu feiern. „Das ist kein Grund für eine besondere Aktion“, findet Tim Berchner. Der Jeveraner betreibt den Gewürz- und Feinkostladen „Violas“ an der Norderstraße. Die ist zwar nicht saniert worden, die Geschäftsleute können aber von den positiven Effekten einer ausgehfeinen Burg- und Osterstraße profitieren. Ein Fest würde das Gefühl, eine Gemeinschaft zu sein, sicher stärken. Dies war vor 50 Jahren der Fall, als die Fußgängerzone gebaut wurde. Das war 1974/75. Im Anschluss kam auch der Wunsch auf, das Ende der Bauarbeiten würdig zu begehen. So ist das Stadtfest entstanden, das unter Beteiligung vieler Vereine und Gruppen aus der Taufe gehoben wurde. Auch in diesem Jahr ist es gefeiert worden. Die Bauarbeiten in der Fußgängerzone waren deswegen und wegen der Urlaubssaison unterbrochen worden.

Mit der bevorstehenden Fertigstellung endet ein, die Planung eingeschlossen, fast vierjähriger Prozess. 2018 hatte der Rat die Erneuerung beschlossen. Die Arbeiten wurden ausgeschrieben. Sie gingen an die Firma Strabag und begannen mit einer Kanalsanierung im Sommer 2019 in der Osterstraße. Ein halbes Jahr später gab es Termine für eine Bürgerbeteiligung. Die Auricher sollten selbst bei der Möblierung und der Gestaltung der Oberfläche mitwirken. Das ist auch passiert. Zunächst wurden die Kanalisation und die Versorgungsleitungen erneuert (Gas, Wasser, Strom, Telekommunikation), dann wurde die Oberfläche mit einem Naturpflaster ausgelegt. Die Kosten für die Neugestaltung der Fußgängerzone sind stark gestiegen. Zuletzt wurden sie im April mit rund 4,4 Millionen Euro beziffert, nach ursprünglich geplanten 3,2 Millionen Euro.

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