Unterwegs in vielen Häfen  So hilft eine Ostfriesin Seefahrern in Panama

Sinje Rödiger
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Von Sinje Rödiger
| 29.10.2023 19:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Andrea Meenken hilft Seeleuten in Panama. Fotos: Privat
Andrea Meenken hilft Seeleuten in Panama. Fotos: Privat
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Das Leben von Seeleuten ist nicht immer einfach. Andrea Meenken aus Ostfriesland ist beim Panamakanal im Einsatz und steht ihnen im Auftrag der Deutschen Seemannsmission bei.

Panama/Ostfriesland - Am Panamakanal zwischen dem Atlantik und dem Pazifik steht die Sozialarbeiterin Andrea Meenken Seeleuten bei. Die gebürtige Auricherin, die in Emden aufwuchs, besucht im Auftrag der Deutschen Seemannsmission die Männer und Frauen auf ihren Schiffen. Dort sorgen sie und ihr britischer Kollege von „Mission to Seafarers“ (auf Deutsch: „Mission für Seeleute“) für die seelische Gesundheit der Seefahrer und stärken ihre psychische Verfassung. Zudem vermitteln sie weitere Ansprechpartner.

Die Seeleute haben meist keine Zeit, um nach dem Anlegen ihrer Schiffe Besorgungen im Supermarkt zu machen. Darum kümmert sich Andrea Meenken und ihr Team.
Die Seeleute haben meist keine Zeit, um nach dem Anlegen ihrer Schiffe Besorgungen im Supermarkt zu machen. Darum kümmert sich Andrea Meenken und ihr Team.

Drei Ehrenamtliche erledigen die nötigen Einkäufe für die Schiffsbesatzungen, denn „der Landgang ist in Panama immer noch schwierig und es gibt Besatzungen, die aus Zeitgründen nicht an Land können. Somit erhalten wir unseren Einkaufsdienst auch weiterhin aufrecht“, erklärt Meenken im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie selbst kümmert sich neben diesen Aspekten um die Netzwerk- und Lobbyarbeit und steht im Kontakt mit der Deutsch-Panamaischen Industrie-Handelskammer, um das Netzwerk weiter ausbauen und die Seemannsmission auch bei deutschen Firmen noch bekannter zu machen.

Wie ist die Arbeit vor Ort?

„Der Blick auf den Kanal, wenn ich über die Brücke ‚Puente de las Américas‘ fahre, die Nord- und Südamerika mit einander verbindet, oder vom Hafen aus auf das Karibische Meer ist auch sehr schön. Die Wärme ist toll, das Klima hat aber auch Nachteile.“ Damit beschreibt Meenken die Schattenseite des Lebens in Panama: Die Hitze trocknet die Kanäle aus, sodass der mehr als 80 Kilometer lange Panamakanal durch zu wenig Regen zu flach für die Durchfahrt ist. Viele Schiffe müssen dort ankern und warten zum Teil wochenlang auf ihre Weiterfahrt, sodass es für Meenken und ihre Kollegen keinen Zugang gibt. Diese Schiffe sind eine Zielgruppe, die sie zukünftig erreichen möchten.

Das Auto der Deutschen Seemannsmission steht am Atlantik.
Das Auto der Deutschen Seemannsmission steht am Atlantik.

Außerdem stellt die Luftfeuchtigkeit eine Herausforderung dar: „Wir müssen Sicherheitsschuhe und Helme tragen, und wenn ich dann bei 34 Grad in der prallen Sonne eine Gangway hochgehe, ist das schon anstrengend.“, erklärt sie auf Nachfrage. Auch die Verkehrssituation in Panama erschwert ihr die Fahrt zu den Häfen, wenn sie an einigen Tagen drei Stunden für eine sonst 30-minütige Strecke benötigt: „Es gibt Zeiten, in denen ich eher nicht in den Hafen fahre, weil ich ansonsten viel Zeit im Stau verliere.“

Wie kommt man zur Seemannsmission?

Für Andrea Meenken begann diese Reise vor fast 20 Jahren mit einem einjährigen Praktikum im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Emden, wo sie alle sozialen und diakonischen Einrichtungen durchlief. So lernte sie neben der Bahnhofsmission, der Jugendwerkstatt, der Evangelische Familienbildungsstätte, der Gefängnisseelsorge und der Diakoniestation schließlich auch das Seemannsheim Emden kennen. „Quasi meine Kaderschmiede“, wie sie es nennt. Damit wurde ihr Interesse an der Seemannsmission geweckt und sie begann ein Jahr später ihre Arbeit im internationalen Seemannsclub in Hamburg Waltersdorf, dem „Duckdalben“.

Der Panamakanal wird täglich von zahlreichen Schiffen durchfahren.
Der Panamakanal wird täglich von zahlreichen Schiffen durchfahren.

Dort holte sie die Seeleute von ihren Terminals ab, fuhr sie in den Club, betreute sie dort und brachte sie anschließend wieder zu ihren Schiffen zurück. Auch die Briefe und Postkarten lieferte sie für die Seefahrer bei der Post ab. Nebenbei war sie für den Shop im Duckdalben zuständig, in dem es für die Seeleute alltägliche Dinge und Souvenirs zu kaufen gibt. Wenn Schiffe länger im Hafen lagen, machte sie auch Ausflüge und zeigte den Seefahrern Hamburg. „Vor allem aber ging es darum, ein offenes Ohr zu haben“, berichtet Meenken und spielt damit auf die seelische Unterstützung an, die sie somit auch damals schon verrichtete.

Wie ging es nach Panama?

Auf ihre Zeit im Duckdalben schaut sie positiv zurück: „Hier habe ich ein Jahr lang die Welt bereist, ohne den Hamburger Hafen zu verlassen.“ Außerdem traf sie dort auch ihren heutigen Mann, als er eines Tages den Club betrat. Ihn, der aus Panama stammt, traf sie schließlich bei ihrem „Sabbatical“ (einem längeren Sonderurlaub) in Panama 2020 wieder, denn zu der Zeit war sie im öffentlichen Dienst tätig. Als der Lockdown kam, entschied sie sich in Panama zu bleiben.

Es ist teilweise ein richtiger Akt, auf die Schiffe zu kommen.
Es ist teilweise ein richtiger Akt, auf die Schiffe zu kommen.

2022 wurde Meenkens Arbeit vor Ort von der Deutschen Seemannsmission aufgenommen. Da es auf der Pazifikseite zwischen Mexiko und Feuerland ursprünglich nichts gab, was mit der Seemannsmission zu tun hatte, begann sie den Aufbau einer neuen Station der Deutschen Seemannsmission.

Wie einfach lässt sich so eine Station aufbauen?

„Das ist gar nicht so einfach. Man kann hier nicht einfach loslegen und anfangen. Es braucht viele Genehmigungen. Genehmigungen, die die Briten bereits hatten. So entstand die Idee der Zusammenarbeit.“, erklärt die Sozialarbeiterin mit interkulturellem Schwerpunkt. Offiziell wurde die Station und die „Mission to seafarers“ schließlich im März 2023 eröffnet, als der DSM-Generalsekretär Matthias Ristau zu Besuch war.

Mit ihrer heutigen Tätigkeit hat Meenken genau den Beruf gefunden, den sie gesucht hat. In Panama fühlt sie sich am richtigen Ort und lebt dort heute zusammen mit ihrem Mann und ihrem zweijährigen Sohn Noah, den sie nach einem der berühmtesten Seefahrer in der Bibel benannten. Eng verbunden mit der Kirche sieht sie ihre Niederlassung in Panama fast als ein Wunder an: „Wenn das, was hier passiert ist, mit meinem Leben in den letzten Jahren, keine göttliche Fügung ist – meinen Mann treffen, mein Kind bekommen, die Station der Deutschen Seemannsmission – dann weiß ich auch nicht.“, so Meenken.

Wie viel Ostfriesland bringt sie mit nach Panama?

Wie viel Ostfriesland nimmt sie nach Panama?

Wie Andrea Meenken stammt auch ihre Familie aus dem Landkreis Aurich. Aufgewachsen ist sie aber in Emden, wo sie zur Schule ging und studierte.

Wie sie berichtet, bleibt sie ihrer Heimat und der Sprache treu: „Ich bin trotz der Entfernung immer noch sehr mit Ostfriesland verbunden und bin gerade erst vor ein paar Tagen auf einen anderen Ostfriesen gestoßen, mit dem ich gleich ins Plattdeutsche übergegangen bin.“

Mit ihrem Mann und ihrem Sohn fliegt sie einmal im Jahr für zwei Wochen nach Deutschland und verbringt dann so viel Zeit wie möglich in Ostfriesland. Zudem wolle sie versuchen auch ostfriesische Traditionen nach Panama bzw. in ihre Familie einzubringen: „In diesem Jahr werde ich zum ersten Mal Stutenkerle backen, die wir dann am Nikolaustag auch an Bord verteilen“, kündigt sie bereits jetzt an.

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