Fußgängerzone in Aurich Neue Lampen sorgen für Frust bei Kaufleuten
Mehr als 30 Lampen sollen die Fußgängerzone ausleuchten. An mehreren Stellen kommen die Stelen aber den Türen und Markisen an den Läden in die Quere. Die Stadt hat eine andere Sicht auf das Problem.
Aurich - Die Tür der Hubertus-Apotheke am Auricher Marktplatz geht derzeit unnötig oft auf. Der Grund steht davor: eine neue Leuchte.
In den vergangenen zwei Wochen sind insgesamt 37 Stelenleuchten in der neu gepflasterten Fußgängerzone aufgestellt worden. Seit eine dieser neuen Leuchten mit gut zwei Metern Abstand vor der automatischen Schiebetür der Apotheke steht, gehen Passanten, die sich zwischen Stele und Fassade hindurchschieben, offenbar näher an die Apotheke heran. Die Folge: Der Türöffner wird ausgelöst. „Das ist auf Dauer nicht gut für die Tür und bringt auch immer Kälte herein“, so Jörgen van Aken, der Leiter der Apotheke.
Noch schlimmer sei, dass alle Kunden mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen um die Stele herumkurven müssen. Dafür reiche der Platz zwar, so van Aken. Spannend werde es aber, wenn ein Elektromobil vorwärts in die Apotheke fahre und im Rückwärtssetzen um die Stele fahren müsse. „Die Leute, die die Mobile fahren, können sich oft auch nicht gut umgucken“, so van Aken. Etliche Kunden hätten über den Lampenstandort geschimpft. „Ich glaube, da hat bei der Stadt jemand nicht richtig nachgedacht. Das ist doch auf Papier geplant worden.“ Der Apotheker hatte eine Positionierung an Grundstücksgrenze viel plausibler gefunden.
Schmale Einfahrt an der Osterstraße: Lampe statt Strandkorb
Diesen Eindruck haben mehrere Anlieger der Fußgängerzone. Im „Eckhaus“ lässt sich die Markise auf einer Seite nicht mehr komplett ausfahren. Dort, wo sonst im Sommer Tische und ein Strandkorb standen, steht nun die Leuchtenstele mitten vor einem Fenster.
Dort, am Eingang zur Fußgängerzone – stehen einander gegenüber gleich zwei Lampen. Die Durchfahrt soll grundsätzlich möglich sein. Und es ist eng an der Stelle. Und: Das Ziel der Sanierung war es auch, die Osterstraße für Vorbeifahrende sichtbarer zu machen.
Ware kann nicht wie sonst präsentiert und vor Witterung geschützt werden
Der Rest der Leuchten verteilt sich abwechselnd links und rechts bis zum Hohen Wall. Der Blick bleibt am Modeladen „My Fashion“ (Anjum) hängen. Eine schmale Markise ist ausgefahren, die andere nicht, denn dort steht eine Leuchte. Der Laden ist gerammelt voll, weil einige Kleiderständer nun draußen keinen Platz mehr haben. Außerdem fehle der Regen-und Sonnenschutz für die Ware, heißt es im Geschäft. „Das ist geschäftsschädigend“, so das Fazit.
Dabei sei die Verwaltung nicht nur von den Ladeninhabern im Sommer auf die Beleuchtung angesprochen worden, sondern auch vom Vermieter, hieß es im Laden. Und dem sei zugesichert worden, dass es keine Konflikte geben werde. Umso größer sei der Schreck nun.
Platz für Schirme fehlt
Das gilt auch für das Café Philipp. Dort, wo nun links der Eingangstür die Stele steht, standen zuvor zwei bis drei Tische unter Schirmen. Es seien im Vorfeld Gespräche mit der Stadt geführt worden, hieß es im Café. Sogar über den Einbau von barrierefreien Schirmhülsen ins Pflaster sei gesprochen worden. Die habe vorher das Café selbst angeschafft gehabt, nun habe die Stadt den Einbau veranlassen wollen.
Und das sei wohl auch geschehen – aber an der anderen Seite der Burgstraße. Dort gebe es jedenfalls diese Hülsen. Auf der Seite des Cafés stehe hingegen nun die Leuchte. Damit sei der Bereich vor dem linken Fenster kaum mehr bestuhlbar, denn im Sommer wolle dort ohne Schirm niemand in der Sonne sitzen. Da dem Café wegen eines breiteren Rettungsweges nun ohnehin etwas weniger Platz zur Verfügung stehe, sei die Stele ein besonderes Ärgernis.
Gesprächsthema auch bei Passanten
Der Tenor mehrerer Kaufleute entlang der Straßen: „Wir bringen doch Leben in die Stadt. Und nun werden wir wirtschaftlich geschädigt.“
An mehreren Stellen der Fußgängerzone waren die neuen Leuchten am Sonnabendmittag Gesprächsthema. Ein Passant klagte, dass das Postkartenmotiv „Lambertiturm vom Burgtor aus“ zerstört sei. Andere finden die Lampen überdimensioniert für die schnuckelige und gemütliche Altstadt. Wieder andere halten die Leuchten gerade neben historischen Fassaden für unästhetisch.
Im Rathaus ist die Kritik angekommen. Stadtmarketing-Chef Johann Stromann schaut auf viele Berufsjahre zurück und erinnert sich: „Bei der Einführung der Fußgängerzone war der Aufschrei groß. Beim Bau der Tiefgarage ebenso. Und nun bei den Leuchten. Nach einer kurzen Gewöhnungsphase wird sich das hoffentlich eingespielt haben.“
Verwaltung: Positionen hängen von Beleuchtungskonzept und Leitungen ab
Tiefbauamtsleiter Bernd Ewerth argumentiert mit den technischen Notwendigkeiten. Einen Meter tief reichen die Leuchtenfundamente in den Boden. Angesichts der vielen Leitungen, die dort verliefen, seien die gewählten Standorte meist alternativlos. Zum Teil hätten die Maststelen gegenüber der Planung um etwa einen Meter versetzt werden müssen, um keine Leitungen zu treffen. „Zum Teil hat das vielleicht zu Ärger geführt“, so Ewerth. Aber an diesen technischen Notwendigkeiten sei nicht zu rütteln. Es sei an den kritisierten Stellen geprüft worden, ob es auch anders gehe. „Aber das ist der einzig mögliche Standort.“
Der Aufstellung der Lampen liege ein Beleuchtungskonzept zugrunde, das von der Politik und Kaufmannsvertretern auch ausgiebig diskutiert worden sei. Vor der Sanierung habe es immer wieder Stimmen gegeben, dass die Fußgängerzone unzureichend ausgeleuchtet sei, berichtet Ewerth. Deshalb seien die Leuchten nun so gesetzt worden, dass alle Bereiche gleichmäßig und hinreichend hell seien.
Im November kommen Blumenkübel und Bäume
Er habe mit dem Bauleiter zusammen selbst an einigen Stellen nachgemessen. Bei der Hubertus-Apotheke stehe die Stele in so großem Abstand zur Tür, dass diese beispielsweise auch für Rollstuhlfahrer ohne Probleme zu erreichen sei. „Und beim Café Philipp erkenne ich nicht, dass etwas nicht passen soll“, so Ewerth.
Die Stadt könne nun an den Laternen direkt die Weihnachtsbeleuchtung anschließen. Und in einigen der Leuchten sei auch die Technik für flächendeckendes freies WLAN verbaut.
Laut Ewerth geht es nun so weiter: Im Laufe der Weihnachtszeit werden die Leuchten angeschlossen. Ab dann wird man sehen können, wie sie im Dunkeln wirken.
Im November werden die bepflanzten Blumenkübel aufgestellt und zudem die Bäume in der Burgstraße gepflanzt.