Verbindung Leer-Oldenburg  Neues Gesetz könnte mehr Züge möglich machen

Martin Alberts
|
Von Martin Alberts
| 30.10.2023 14:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Regio-S-Bahn, die bisher von Bremen über Oldenburg bis nach Bad Zwischenahn fährt, könnte in Zukunft bis nach Leer weiterfahren. Foto: Dittrich/DPA
Die Regio-S-Bahn, die bisher von Bremen über Oldenburg bis nach Bad Zwischenahn fährt, könnte in Zukunft bis nach Leer weiterfahren. Foto: Dittrich/DPA
Artikel teilen:

Mit einem Gesetz will die Ampel-Regierung den Klimaschutz stärken. Ostfriesen könnten aber auch durch Züge im Halbstundentakt zwischen Leer und Oldenburg profitieren. Wann wird es so weit sein?

Leer/Oldenburg/Berlin - Die Bundesregierung will den Bahnverkehr ausbauen – und das möglichst rasch. Profitieren könnten davon auch die Ostfriesen durch eine bessere Zuganbindung der Region an Oldenburg. Das geht aus dem sogenannten Genehmigungsbeschleunigungsgesetz hervor, das der Bundestag kürzlich beschlossen hat. Enthalten ist in dem vom Bundesverkehrsministerium vorgelegten Gesetz als neue Maßnahme unter anderem der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke zwischen Bad Zwischenahn und Westerstede-Ocholt.

Für Freude sorgt das Gesetz, das laut Bundesregierung einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Klimaschutzziele im Verkehr leisten soll, allen voran bei Grünen-Politikern aus der Region: Als „Meilenstein“ bezeichnete es Susanne Menge, Bundestagsabgeordnete aus Oldenburg und Mitglied im Verkehrsausschuss, laut Mitteilung. Durch das im Gesetz neu aufgenommene Bündel an Maßnahmen könnten zwischen Emden und Bremen mehr Züge auf die Strecke gelangen. Dazu beitragen werde auch der geplante Bau eines dritten Gleises am Bahnhof Stickhausen-Velde in der Gemeinde Detern, das laut Gesetzesentwurf für den Güterverkehr dienen soll, während gleichzeitig Personenzüge den Bahnhof durchfahren.

Zwei Ausbauabschnitte werden für einen Halbstundentakt benötigt

„Wichtig ist jetzt für eine zeitnahe Realisierung, dass Bund und Land weiter eng an einem Strang ziehen und die weiteren Schritte für den Ausbau auf der Strecke zügig angehen“, sagte die Grünen-Landtagsabgeordnete Meta Janssen-Kucz (Borkum) laut Mitteilung. Auch der verkehrspolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Stephan Christ (Cloppenburg), meint, dass Bund und Land gemeinsam agieren müssten. Zum zweigleisigen Ausbau zwischen Bad Zwischenahn und Westerstede-Ocholt komme der Ausbau der Strecke zwischen Stickhausen-Velde und Augustfehn, die im Rahmen des deutsch-niederländischen Projekts „Wunderline“ ebenfalls um ein zweites Gleis erweitert werden soll. „Der Angebotsausbau zwischen Oldenburg und Leer funktioniert nur mit beiden zweigleisigen Abschnitten“, sagte Christ laut Mitteilung. „Dadurch wird die jetzige Regio-S-Bahn zwischen Bad Zwischenahn und Bremen beschleunigt und ein schneller Halbstundentakt bis Leer ermöglicht.“

Das hätte für Ostfriesen große Vorteile, meint auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Julian Pahlke (Leer): „Die Ausbaumaßnahmen mit einem Halbstundentakt zwischen Bremen und Leer sind ein Meilenstein für die Region. Damit können mehr Menschen flexibel zur Arbeit pendeln und am Wochenende zum Konzert oder ins Kino mit der Bahn fahren“, sagte er laut Mitteilung.

Wann ist mit einer Umsetzung der Pläne zu rechnen?

Derzeit fahren die Züge zwischen Leer und Oldenburg nach Auskunft der Deutschen Bahn im Stundentakt, jeweils im Wechsel als Intercity oder als Regionalexpress. Einen Halbstundentakt hält auch Malte Diehl, Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn Niedersachsen/Bremen, für möglich: Der zweigleisige Ausbau zwischen Bad Zwischenahn und Westerstede-Ocholt sei besonders für den Güterverkehr wichtig, der zwischen Stickhausen-Velde und Augustfehn hingegen für den Personenverkehr. Letztendlich sei aber klar: „Wir brauchen beide“, sagte Diehl unserer Redaktion. „Ein Halbstundentakt wäre dann kein Problem.“ Die Regio-S-Bahn aus Bremen, die bisher nur bis Bad Zwischenahn fährt, könne dann bis nach Leer weiterfahren.

Aber wann könnte es tatsächlich so weit sein? „Da verzögert sich ja gerne mal was“, sagte Diehl, der auch auf die ab dem kommenden Jahr anstehende Generalsanierung des Schienennetzes der Bahn und den damit verbundenen Aufwand hinwies. Für Ostfriesland hänge vieles am Ausbau zwischen Stickhausen-Velde und Augustfehn. Nach den letzten Aussagen der „Wunderline“-Verantwortlichen sei hiermit ab 2030 zu rechnen. Bei Pro Bahn würde man sich natürlich freuen, wenn es mit dem Halbstundentakt zwischen Leer und Oldenburg schneller gehe, sagte Diehl.

Pahlke denkt hingegen bereits weiter: „Ich setze mich dafür ein, dass die Regio-S-Bahn bestenfalls auch bis Emden durchfährt, später dann auch bis Norden/Norddeich. Das wäre ein großer Gewinn für die Region: Mehr Züge, auch am späteren Abend und so etwas wie ein S-Bahn-Takt zwischen Emden und Leer wäre für uns vor Ort und auch Touristen eine große Erleichterung.“ Diehl sieht hierbei jedoch Probleme: Seiner Ansicht nach wäre es einfacher umsetzbar, die Regio-S-Bahn von Leer aus bis nach Papenburg weiterfahren zu lassen und so das Emsland besser an Oldenburg anzubinden.

Ähnliche Artikel