Ehejubiläum in Emden Bei einer Tasse Tee ist jeder Streit schnell vergessen
Peter und Elfriede Fokken aus dem Emder Stadtteil Transvaal feiern an diesem Dienstag ein seltenes Jubiläum. Die beiden sind seit sieben Jahrzehnten verheiratet.
Emden - War es Liebe auf den ersten Blick? Elfriede und Peter Fokken sind sich nicht ganz einig. Die 91-Jährige sagt „Ja“ und dieses Wort kommt wie aus der Pistole geschossen. Ihr zwei Jahre älterer Mann zögert hingegen etwas. Im Rückblick spielt das kaum noch eine Rolle. Denn die Ehe der beiden hält schon seit 70 Jahren. An diesem Dienstag feiert das Paar aus dem Emder Stadtteil Transvaal seine Gnadenhochzeit.
Kennengelernt haben sich die Ehejubilare 1951 in Oedingen, einem Dorf im Sauerland. Elfriede Fokken half damals auf einem Bauernhof im Haushalt. Peter Fokken war damals aus Emden mit dem Bus in diesen Ort gekommen. Er und ein Freund suchten Arbeit - Arbeit, die es in Emden zu dieser Zeit kaum gab.
Als 15-Jähriger Trümmer beseitigt
Nach der schwierigen Schulzeit während des Zweiten Weltkrieges hatte er zuvor schon als 15-Jähriger die Trümmer beseitigt, die nach den Bombenangriffen der Alliierten von seiner Heimatstadt Emden übrig geblieben waren. „Wir haben damals auch den Brauersgraben damit zugeschüttet“, erinnert sich der Senior mit ernster Miene.
Auch an Elfriede Fokken, geborene Kirsten, gingen die Folgen des Krieges nicht spurlos vorbei. Nachdem ihr Vater 1944 an Tuberkulose gestorben war und ihre Mutter kaum Geld für sich und ihre drei Kinder hatte, entschloss sie sich im Alter von 17 Jahren zur Flucht aus ihrer sächsischen Heimatstadt Grimma. Sie machte sich damals allein im Herbst per Anhalter auf den Weg in den Westen. Sie folgte dem Ruf ihres Bruders, der schon vorher geflüchtet war. „Aber ich bin durchgekommen“, sagte die 91-Jährige über dieses prägende Ereignis.
Sie begegneten sich im Sauerland
In Oedingen begegnete sie Peter Fokken. „Wir stellten uns vor, er drückte mir die Hand und es war wie ein Stich, den ich spürte“, erinnert sie sich - eben Liebe auf den ersten Blick. Ihr Mann mag davon aber nicht so gern sprechen, obwohl es auch bei ihm wohl gleich gefunkt haben muss. „Wir trafen uns heimlich“, erzählt die 91-Jährige.
Später gingen beide gemeinsam nach Emden. Es gab anfangs nur ein Problem. „Ich verstand kein Wort“, sagt die Elfriede Fokken. Denn in der Familie ihres späteren Mannes wurde nur Plattdeutsch gesprochen. Aber sie sei herzlich aufgenommen worden und in die Familie hineingewachsen. „Ich gehörte schnell dazu“, so die 91-Jährige.
Jubilar baute das VW-Werk mit
Weil er in den Wirren der Nachkriegszeit keinen Beruf erlernt hatte, schlug sich Peter Fokken mit mehreren Jobs durch. Er baute in den 1960er Jahren unter anderem das Emder Volkswagenwerk mit auf. Die letzten 25 Jahre seines Berufslebens war er bei der Bahn beschäftigt, bevor er 1993 in den Ruhestand ging.
Das Paar lebt seit 1963 im eigenen Reihenhäuschen an der Althusiusstraße. Sie gehörten zu den ersten in dieser Siedlung - und sind die letzten ihrer Generation. Aus ihrer Ehe gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor. Der älteste Sohn Peter und dessen Frau Monika, die ein paar Häuser weiter wohnen, kümmern sich heute täglich um die beiden Senioren, versorgen sie mit Essen, erledigen Einkäufe und schmeißen den Haushalt.
Paar ist „glücklich und zufrieden“
Selbst kommen die Ehejubilare kaum noch aus dem Haus. „Wir sind froh, dass wir hier bleiben können und dankbar für die Hilfe unserer Kinder“, sagt Elfriede Fokken. Sie und ihr Mann seien „glücklich und zufrieden“. Und: „Wir genießen jeden Tag, den wir noch haben“.
Natürlich hing in 70 Ehejahren der Haussegen auch mal schief. „Wir sind nicht immer eins“, gesteht die Jubilarin. Anders würde eine so lange Partnerschaft aber gar nicht funktionieren. Schließlich müsse „man auch mal Dampf ablassen“ können. In solchen Situationen zog sich Peter Fokken oft in seinen Schrebergarten an der Larrelter Straße zurück. Meist folgte ihm seine Frau später. Bei einer gemeinsamen Tasse Tee glätteten sich die Wogen stets schnell wieder. Ohne das ostfriesische Nationalgetränk geht bei den Fokkens ohnehin wenig: „Tee ist unser Leben“.
Erst der Schrebergarten, jetzt die Kamera
Die große Parzelle in der Anlage des Kleingartenbauvereins von 1931, zu dessen Gründern der Vater von Peter Fokken gehörte, bewirtschaftetet das Paar schon lange nicht mehr. In ihrem Garten steht noch ein kleines Gewächshaus, in dem Peter Fokken noch Gurken und Tomaten anbaut. Aber er hat noch ein weiteres Hobby: Seit langem filmt er gerne - mittlerweile auch mit dem Handy. Die Aufnahmen von der der Familie, von Feiern und Urlauben bearbeitet er heute am Laptop.
Vermutlich wird er mit der Kamera auch die eigene Gnadenhochzeit festhalten, die im Familienkreis begangen wird. Zu den Gratulanten gehören auch die drei Enkelkinder des Jubelpaares.