Wandel  Landwirtschaft in der Krummhörn und in Hinte – eine Bestandsaufnahme

| | 01.11.2023 10:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Rapsfeld in der Gemeinde Krummhörn. Im Hintergrund ist der Campener Leuchtturm zu sehen. Foto: Archiv/Wagenaar
Ein Rapsfeld in der Gemeinde Krummhörn. Im Hintergrund ist der Campener Leuchtturm zu sehen. Foto: Archiv/Wagenaar
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Der Strukturwandel der Landwirtschaft ist längst in Ostfriesland angekommen. Aber wie ist eigentlich der Ist-Zustand? Ein Blick auf die Gemeinden Hinte und Krummhörn.

Krummhörn/Hinte - Historisch gesehen waren die Gemeinden Krummhörn und Hinte schon immer landwirtschaftlich geprägt - zumindest, seit es Deiche gibt. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es aber einen großen Strukturwandel in der Region. Da gab es plötzlich Maschinen, die den Menschen die Arbeit erleichterten und ein VW-Werk in Emden, wo sich besseres und schnelleres Geld verdienen ließ. Das führte dazu, dass der Beschäftigungsanteil in der Landwirtschaft in der Krummhörn und in Hinte in diesen Jahren massiv in den Keller sank.

Heute machen wieder Nachrichten von Landwirten, die ihren Betrieb aufgeben wollen, die Runde. In der Krummhörn hatten zuletzt einige Milchbauern ihren Betrieb eingestellt - und nannten dafür gleich mehrere Gründe. Das ging von Nachwuchssorgen über zunehmende Bürokratie und in den Keller wandernde Milchpreise. Wir haben uns in diesem Zusammenhang gefragt, wie viele Landwirte es heute eigentlich noch in den Gemeinden gibt. Was bauen sie auf wie vielen Flächen an? Und welche Tiere werden in welcher Menge gehalten? Eine Übersicht.

Die Betriebe

Während es im Landkreis Aurich 2010 noch 1432 landwirtschaftliche Betriebe gegeben hat, waren es bei der letzten Landwirtschaftszählung des Landesamts für Statistik Niedersachsen im Jahr 2020 nur noch 1222. In der Gemeinde Krummhörn wurden 2010 129 und 2020 127 Betriebe gezählt. In der Gemeinde Hinte hat es in den letzten zehn Jahren einen deutlich stärkeren Rückgang von 48 auf nun 39 Betriebe gegeben.

In ganz Niedersachsen wurden 2020 35.348 Betriebe (2010: 41.730) gezählt und im Gebiet Weser-Ems, dem Ostfriesland angehört, waren es 15.300 Betriebe (2010: 18.316). In dieser Auswertung sind aktuelle Hofaufgaben entsprechend nicht einbezogen. Diese Zahlen wird es nach Auskunft der Landwirtschaftskammer im Frühjahr 2024 geben, wenn die Ergebnisse der Agrarstrukturerhebung 2023 für Niedersachsen und Bremen vorliegen. Diese wird in einem drei- bis vierjährigen Rhythmus in allen Bundesländern gleichzeitig durchgeführt und ergänzt die Landwirtschaftszählung der Landesämter für Statistik.

Die Größe der Betriebe

Von den insgesamt 177 Betrieben in den Gemeinden Krummhörn und Hinte haben die meisten eine Größe zwischen 50 und 200 Hektar. Im Detail teilt sich das folgendermaßen auf: Von den 39 Betrieben in Hinte haben neun eine Größe unter 50 Hektar. 18 Betriebe sind zwischen 50 und 100, elf zwischen 100 und 200 und ein Betrieb zwischen 200 und 500 Hektar groß. In der Gemeinde Krummhörn gibt es ein paar mehr kleinere Betriebe. Zwei sind unter fünf Hektar groß, 14 zwischen fünf und zehn, elf zwischen zehn und 20 und 14 zwischen 20 und 50 Hektar groß. 38 Betriebe haben eine Größe von 50 bis 100, 37 Betriebe eine Größe von 100 bis 200, neun eine Größe von 200 bis 500 und zwei Betriebe eine Größe zwischen 500 und 1000 Hektar.

Die Viehbestände

Das Landesamt für Statistik zählt die Viehbestände unter anderem in sogenannten „Großvieheinheiten“ (GV). Eine GV entspricht demnach etwa 500 Kilogramm - das ist in etwa das Gewicht eines ausgewachsenen Rindes. Eine ausgewachsene Milchkuh ist entsprechend eine GV, ein Mastschwein 0,16 GV. Es braucht 320 Legehennen für eine GV.

Der Viehbestand lag 2020 in der Gemeinde Krummhörn bei 11.592 GV (2010: 11.247) und in der Gemeinde Hinte bei 6501 GV (2010: 5340) - im gesamten Landkreis Aurich waren es im gleichen Jahr 99.920 GV (2010: 101.273), im Gebiet Weser-Ems 1.807.839 GV (2010: 1.704.033).

Den größten Anteil der Viehbestände machen in der Region die Milchkühe aus. In der Krummhörn gab es davon laut Statistikamt im Jahr 2020 genau 7219 (2010: 6093) und in der Gemeinde Hinte 3206 (2010: 2891). Die Anzahl der Milchkühe hat also trotz weniger werdender Betriebe in den letzten zehn Jahren zugenommen.

Die nächst große Viehgruppe machen in der Krummhörn die Schafe aus. Dort wurden 2020 1987 Tiere gezählt (2010: 2187). In der Gemeinde Hinte gab es 2010 111 Schafe und 2020 nur noch 13 Schafe.

Die Zahl der Hühner und Schweine geht aus der Statistik nicht hervor - in der Darstellung ist dieser Posten als „Zahlenwert unbekannt“ angegeben.

Flächennutzung und Anbaukulturen

Die Landwirtschaftliche Betriebsfläche in der Gemeinde Krummhörn lag 2020 insgesamt bei 12.548 Hektar. Davon gehen 7623 Hektar als Ackerland in die Statistik ein. Die stärkste Anbaufrucht war Getreide mit 4035 Hektar, gefolgt von Winterraps mit 2870 Hektar. Auf den Plätzen drei, vier und fünf lagen Silomais (1706 Hektar), Feldgras (404 Hektar) und Sommerraps (257 Hektar). Hinzu kommen über 4500 Hektar Weideland. Sowohl Feldgras als auch Silomais sind wichtige Bestandteile des Tierfutters.

In der Gemeinde Hinte lag die landwirtschaftliche Betriebsfläche 2020 bei 3558 Hektar, davon wurden aber nur 460 Hektar als Ackerland genutzt. Die stärkste Anbaufrucht war hier ebenfalls Getreide mit 199 Hektar. Es folgt Winterraps mit 89 Hektar und Silomais mit 87 Hektar. Auf Platz vier liegt Feldgras mit 50 Hektar. Einen Platz fünf lässt sich aus der Statistik nicht ausmachen. In der Gemeinde Hinte gibt es 3071 Hektar Weideland.

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