Höhepunkt vor 30 Jahren  Als 1300 Ostfriesinnen Völkerball spielten

| | 01.11.2023 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Normalerweise ist Völkerball eine Hallensportart. Um die Sportart populärer zu machen, wurden auch Beach-Turniere organisiert. Hier ein Bild aus dem Jahre 2009. Archivfoto: Privat
Normalerweise ist Völkerball eine Hallensportart. Um die Sportart populärer zu machen, wurden auch Beach-Turniere organisiert. Hier ein Bild aus dem Jahre 2009. Archivfoto: Privat
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Völkerball war einst in Ostfriesland eine richtig populäre Sportart, 52 Frauen-Mannschaften nahmen am Ligenspielbetrieb teil. Marlies Grimjes von der VG Freepsum erinnert sich gerne zurück.

Emden - In früheren Jahren war Völkerball ein ganz fester Bestandteil im Schulsport. Zwei Mannschaften stehen sich in zwei Feldern gegenüber und versuchen durch geschickte Körpertreffer mit dem Ball die gegnerische Mannschaft zu dezimieren. In Ostfriesland erlebte die Frauensportart vor 30 Jahren ihren Höhepunkt. Was viele gar nicht mehr wissen, gab es damals sogar einen Ligenspielbetrieb.

Marlies Grimjes aus Emden spielte fast 30 Jahre lang begeistert Völkerball. Foto: Herzog
Marlies Grimjes aus Emden spielte fast 30 Jahre lang begeistert Völkerball. Foto: Herzog

Marlies Grimjes spielte damals für den FC Loquard und in der VG Freepsum und bekommt jetzt noch glänzende Augen, wenn sie an die sportlichen Höhepunkte zurückdenkt. 1980 begann sie als 26-Jährige mit der Sportart in Loquard und blieb rund 30 Jahre dabei. „Völkerball war eine richtig populäre Sportart. Für mich war es ein wichtiger Schritt, um in der Dorfgemeinschaft Fuß zu fassen“, erzählt die rüstige 69-Jährige. Damals sei sie nach Rysum in das südliche Dorf in der Krummhörn gezogen und fand im Sportverein eine interessante Abwechslung zum stressigen Beruf als Hotelfachfrau.

So war die Verteilung in Ostfriesland

Alleine in Ostfriesland gab es damals insgesamt 52 Frauen-Mannschaften (Krummhörn 15, Emden 10, Aurich 12 und Leer 15), hinzu kamen noch rund 25 Jugendmannschaften, insgesamt waren es damit 1300 Ostfriesinnen, die Völkerball spielten. In Niedersachsen betrieben vor allem noch etliche Vereine im Emsland die Sportart. Johannes Voss, jahrelang Landessportwart und im nächsten Jahr seit 40 Jahren für den Völkerballsport aktiv, konnte in Hochzeiten 2200 Spielerinnen in Niedersachsen zählen.

So war es keine Überraschung, dass bei den Landesmeisterschaften auch häufig ostfriesische Teams ganz weit vorne standen. Alleine die VG Freepsum konnte sich sechs niedersächsische Landesmeistertitel sichern. „Jede Spielerin hatte ihre eigene Taktik. Ich konnte ganz gut antäuschen und hatte mir einen speziellen Drehwurf antrainiert“, erzählt Grimjes. Einmal die Woche wurde trainiert, oft auch in Form des früher mal beliebten Indiacas. Das volleyball-ähnliche Rückschlagspiel sei sehr gut für eine gute Koordination gewesen, erinnert sich Grimjes.

Teams in Loppersum, Hage und Georgsheil

Oft hat es für Freepsum zum Sieg gereicht, aber einmal gab es für sie auch eine bittere Niederlage. In einem Bezirks-Finalspiel bekam sie es, als nur noch zwei Spielerinnen auf dem Feld waren, mit der Emderin Karin Lauterbach zu tun. Die ehemalige Torfrau von Kickers Emden konnte das Endspiel letztlich knapp für sich gewinnen. Mittlerweile gibt es in Ostfriesland nur noch drei Vereine, in denen Völkerball gespielt wird, nämlich beim Wandertrupp Loppersum, der auch jetzt noch regelmäßig an Deutschen Meisterschaften teilnimmt, dem SV Hage und dem SV Georgsheil.

Marlies Grimjes (hintere Reihe, Zweite von links) mit der erfolgreichen Mannschaft der VG Freepsum aus den 90er Jahren. Insgesamt konnte das Team sechsmal den Landesmeistertitel gewinnen. ArchivFoto: Privat
Marlies Grimjes (hintere Reihe, Zweite von links) mit der erfolgreichen Mannschaft der VG Freepsum aus den 90er Jahren. Insgesamt konnte das Team sechsmal den Landesmeistertitel gewinnen. ArchivFoto: Privat

Völkerball hatte sich im Ligenspielbetrieb damals als reine Frauensportart entwickelt. Eine Ausnahme gab es, an die sich Marlies Grimjes noch gerne erinnert: Beach-Völkerball. Um die Sportart bekannter zu machen, wurde am Strand in Upleward ein Mixed-Turnier ausgetragen, das sich großer Beliebtheit erfreute.

Studie mit Kritik am Völkerball

Mit einer Kritik, die vor einigen Jahren aufkam, kann Marlies Grimjes gar nichts anfangen. Die Sportart Völkerball würde das Mobbing fördern, so eine kanadische Studie. „Für uns ging es immer darum, mit viel Geschick und Wendigkeit ein Spiel zu gewinnen. Natürlich hat man sich gefreut, wenn eine Gegnerin durch einen Abwurf aus dem Spiel ging, aber das hat mit Mobbing ja nichts zu tun.“

Bis zur Saison 2022/2023 gab es in Ostfriesland noch eine gemeinsame Völkerball-Staffel mit Mannschaften aus den Kreisen Emden und Aurich, aktuell treffen sich die übrig gebliebenen drei Vereine mehrmals im Jahr zu Freundschaftsspielen oder gemeinsamen Übungsabenden in Ostfriesland.

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