Geflügel Was Ohrläppchen von Hühnern über ihre Eier verraten
Die Ausstellungssaison der Rassegeflügelzüchter bringt für manche ganz neue Erkenntnisse. Zum Beispiel soll man an den Ohrläppchen der Tiere die Eierfarbe erkennen können. Stimmt das?
Spetzerfehn/Aurich - Hühner, die geheimnisvollen Wesen. Die Herbst- und Wintermonate mit ihren Rassegeflügelausstellungen bringen für Laien so manches Geheimnis der gefiederten Nutztiere ans Tageslicht. Eines betrifft die Ohrläppchen der Hühner, an deren Farbe sich offenbar die Farbe der Eierschale ablesen lässt. „Hühner mit roten Ohrlappen legen braune Eier und Hühner mit weißen Ohrscheiben legen weiße Eier“, hatte Johann Siebels aus Ochtersum als Richter für Rassegeflügel bei der Bewertung der Tiere der Auricher Züchter am vergangenen Freitag erklärt. Die Gefiederfarbe der Tiere habe dagegen keinen Einfluss auf die Farbe der Eierschale. Eigentlich ein offenes Geheimnis, das in Züchterkreisen bekannt ist.
Was und warum
Darum geht es: In Züchterkreisen heißt es, die Farbe der Ohrläppchen von Hühnern zeigt die Farbe ihrer Eierschale. Stimmt das?
Vor allem interessant für: Eierfreunde, Züchter und Hühnerhalter
Deshalb berichten wir: Die Redaktion hatte bei einem Termin von der Theorie erfahren und wollte es genauer wissen.
Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de
Stimmt das wirklich? „Bei Rassegeflügel trifft das zu 99 Prozent zu“, erklärt Reinhard Rademacher, Vorsitzender des Geflügelzucht- und Vogelschutzvereins Spetzerfehn. Die Regel habe allerdings Grenzen, fügt er hinzu: Bei Kreuzungen verschiedener Rassen gelte sie nicht. Außerdem seien Braun und Weiß nicht die einzigen Farben, die diese Tiere zustande bringen. Vor allem alte Haustierrassen sind bekannt für die Farbvielfalt ihrer Eier. Es gibt sie in Türkis, Dunkelbraun, Rosa, Hell- und Dunkeltürkis oder Olive. Wer verschiedene Rassen besitzt, kann sich auch jenseits von Ostern über bunte Eier freuen. „Das Marans-Huhn, das bei uns am Wochenende auch in der Rassegeflügelausstellung zu sehen sein wird, legt sogar schokobraune Eier“, so Rademacher.
Wie kommt die Farbe in die Eier?
Bei Hühnern braucht das Ei etwa 24 Stunden, bis es gelegt werden kann. Allein 20 Stunden davon wird die Kalkschale gebildet. Die Farbe erhält sie in den letzten drei Stunden vor dem Legen. In dieser Zeit werden in einer speziellen Schalendrüse im Legedarm produzierte Farbpigmente in die Schale eingelagert. Rote Pigmente stammen aus dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin, gelbe aus der Galle, erklärt die Schweizer Forscherin Dr. Barbara Helm vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Andechs auf der Webseite wissenschaft-im-dialog.de. Beide Farbpigmente vermischen sich und dabei entsteht ein Braunton. Bei weißen Eiern werden keine Farbpigmente in die Schale eingelagert, so die Forscherin weiter.
Warum zeigen die Ohrläppchen die Farbe der Eierschale?
Ohren, wie wir Menschen, haben Hühner nicht. Sie hören mit den von Federn geschützten Öffnungen an beiden Seiten des Kopfes. Darunter sitzen der Ohrlappen oder die Ohrscheiben, die ebenfalls den Gehörgang schützen. Ursprünglich seien Hühnereier nicht weiß gewesen. Das erklärt Dr. Moritz Hertel vom Max-Planck-Institut für Ornithologie im Bayrischen Seewiesen in einem Beitrag des Bayrischen Rundfunks. Die fehlende Farbe der Tiere mit weißen Ohrscheiben und der von ihnen gelegten Eier sei beides auf das Fehlen eines Gens für die Farbgebung zurückzuführen, das im Laufe der Hühnerzüchtung bevorzugt wurde. In der Natur kämen weiße Eier vor allem bei Höhlenbrütern vor. So seien die Eier in der Dunkelheit leichter zu finden. Knallig bunte Eier legen laut Hertel vor allem Arten, bei denen die Männchen ebenfalls brüten. „Das könnte die Eier für sie attraktiver machen.“
Unterscheiden sich unterschiedlich gefärbte Eier im Geschmack?
Auch wenn sich die Eierschale der Tiere unterscheidet: Geschmacklich sind weiße von braunen Eiern nicht zu unterscheiden. Auch der Nährstoffgehalt ist nicht von der Farbe der Eierschale abhängig.
Mehr zum Geflügel: Wer mehr über Huhn und Ei wissen möchte, kann sich bei den Züchtern direkt informieren. Möglich ist das auch bei der großen Geflügelausstellung des Rassegeflügelzucht- und Vogelschutzverein Spetzerfehn am Wochenende, 4. und 5. November. Geöffnet ist an beiden Tagen in der Zeit von 9 bis 17 Uhr. Zu sehen sind insgesamt 222 Hühner, Zwerghühner und Tauben. 21 der Tiere präsentiert die Jugendabteilung des Vereins. Es handelt sich um 14 verschiedene Rassen in 21 Farbschlägen. Veranstaltungsort ist das Vereinsheim in Spetzerfehn, Börgtun 4.
Die Schönste ist eine echte Ostfriesin
Was steckt hinter dem Erfolg der Auricher Eier?
Gibt es bald keine braunen Eier mehr?