Mobilität im Landkreis Aurich Aurich stellt neue Weichen für eine Bahnanbindung
Kräftiger Schub für die Reaktivierung der stillgelegten Bahnstrecke von Aurich nach Emden: Der Auricher Stadtrat hat einstimmig eine Resolution unterzeichnet. Dabei soll es nicht bleiben.
Aurich - Applaus, Applaus, freudige Zustimmung zu einer Entscheidung der Politik. Wann gibt es das schon mal im Auricher Stadtrat? Am Donnerstag war es so weit. Gegen 18 Uhr hatte das Gremium einstimmig für eine Resolution an die Adresse der Landesregierung gestimmt, die Aurich näher an einen Bahnanschluss bringen könnte. Dafür kämpft Helmut Wendt seit Jahren. Der Auricher hatte die Debatte verfolgt und freute sich natürlich über die Entscheidung, die er, wie er auf Anfrage der Redaktion später sagte, „mit einsamem Applaus“ begrüßt habe. Eine einstimmige Entscheidung sei immer gut, es sei ein ganz besonderes Signal an die Öffentlichkeit. Helmut Wendt ist Vorsitzender des Vereins „Ran an die Bahn“ und in dieser Eigenschaft hatte er zu Beginn der Sitzung angeregt, eine „repräsentative Delegation aus Politik und Verwaltung“ möge eine Fahrt nach Hannover organisieren, um die dort residierende Landesnahverkehrsgesellschaft (LNG) zu besuchen. Die soll prüfen, ob Aurich wieder an den Personennahverkehr angeschlossen wird oder nicht. Die LNG untersucht dabei nach einem komplizierten Schlüssel Kosten und Nutzen der Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke, die in Aurich 1967 stillgelegt wurde, aber für den Güterverkehr nach wie vor freigegeben ist. Am Donnerstag wurde im Rat deutlich: Flagge zeigen ist das Gebot der Stunde.
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Nach Hannover zu fahren sei eine gute Strategie, sagte Gila Altmann (Grüne). Das habe man schließlich auch gemacht, als es um den Kampf gegen die Zentralklinik gegangen sei. Dieser Protest war allerdings letztlich nicht erfolgreich. Sie wünsche sich, so Altmann, dass man in der Landeshauptstadt mit „einer Stimme spreche“, alles andere sei in ihren Augen unredlich. Die Ratsfrau spielte damit darauf an, dass die Gemeinde Südbrookmerland sich immer skeptisch gegenüber einer Reaktivierung der Bahnstrecke gezeigt hatte, weil insbesondere die Moordorfer Beeinträchtigungen durch den veränderten Gleisbau und das erhöhte Verkehrsaufkommen fürchteten. Man müsse das Gespräch mit der Gemeinde suchen, so ihre Forderung.
Keine Gegner, sondern nur Skeptiker
Diesen Einwand versuchte Wiard Siebels abzuschwächen. Der SPD-Ratsherr und Landtagsabgeordnete sagte, die Südbrookmerlander seien keine Gegner der Bahnstrecke von Aurich nach Emden, sondern allenfalls Skeptiker. In seinen Augen sei die Resolution in jedem Fall zu begrüßen. Sie verstärke die Absicht der Auricher. Wiard Siebels gilt als Verfechter der Strecken-Reaktivierung. Deshalb sei er vor fast 30 Jahren in die Politik gegangen, hat er immer wieder bekundet. Bereits vor mehr als neun Jahren hatte die Stadt schon einmal gemeinsam mit dem Windkraftanlagenhersteller Enercon und der Firma Kerker ihre Fühler in diese Richtung ausgestreckt. Die Bahnstrecke sollte damals aus technischen Gründen verbreitert werden, damit Enercon größere Teile für Windenergieanlagen in den Emder Hafen transportieren kann. 2015 stellte Enercon dann fest, dass diese sogenannte Lademaßerweiterung doch nicht erforderlich ist. Das Projekt wurde für beendet erklärt – inklusive der Reaktivierung der Strecke Aurich-Abelitz für den Personenverkehr.
Neue Nahrung hat das Vorhaben erhalten, weil die rot-grüne Landesregierung die Reaktivierung stillgelegter Strecken plant und dafür ein vierstufiges Prüfverfahren aufgelegt hat. Mitte Oktober ist bekannt geworden, dass Aurich eine weitere Hürde genommen hat, in die zweite Prüfstufe aufgerückt und damit in den engeren Kreis von 14 Bewerbern gelangt ist. Ursprünglich waren es 54. Aurich muss jetzt in Stufe zwei eine Nutzwertanalyse durchlaufen. Ganz konkret: Inwiefern profitiert die Region von einer Reaktivierung? In Stufe 3 werden für die vorliegenden Strecken die langfristig anfallenden Betriebskosten ermittelt. Die aussichtsreichsten Strecken steigen in der letzten Stufe in die konkrete Planung ein. Es wird ein Förderantrag nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz vorbereitet. In der Ratssitzung wurde deutlich, dass die Politik mit Spannung in Richtung Landkreis blickt. Der will Ende des Jahres das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie zum Thema bekannt geben. Darin wird eine Kombination aus Straßen- und Eisenbahnbetrieb geprüft.