„Klinik-Skandal“ in Oldenburg? Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdacht der fahrlässigen Tötung
Die Behandlung von zwei Patienten im Evangelischen Krankenhaus Oldenburg wird von der Oldenburger Staatsanwaltschaft untersucht. Beide sind gestorben. Die Klinik-Führung bezog am Freitagabend Stellung.
Oldenburg - Gab es im Evangelischen Krankenhaus Oldenburg Behandlungsfehler, die zwei Patienten das Leben gekostet haben? Das prüft die Staatsanwaltschaft Oldenburg in einem Ermittlungsverfahren, wie ein Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte. Die Patienten-Unterlagen des Krankenhauses seien „zur Auswertung auf etwaige Behandlungsfehler an ein Institut für Rechtsmedizin übermittelt“ worden. Ergebnisse stünden noch aus.
Der Staatsanwaltschaft liegen demnach zwei anonyme Anzeigen vor, wovon zumindest die erste im Juli eingegangen sei. Die Polizei habe zwischenzeitlich Unterlagen beschlagnahmt, so der Presse-Staatsanwalt. Die Klinikleitung habe sich „kooperativ“ verhalten, eine Durchsuchung auf Grundlage eines Durchsuchungsbeschlusses sei daher nicht erforderlich gewesen. Ermittelt werde „wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung“.
Hatte eine Operation für einen Rentner tödliche Folgen?
Weitere Informationen konnte der Pressesprecher am Freitagnachmittag nicht geben, da der sachbearbeitende Staatsanwalt nicht mehr erreichbar war, wie er sagte. Unsere Redaktion hatte bei der Ermittlungsbehörde angefragt, nachdem die „Bild“-Zeitung kurz nach 14 Uhr einen Bericht ins Internet gestellt hatte, in dem es um einen angeblichen „Klinik-Skandal in Oldenburg“ geht.
Laut „Bild“ soll ein Mann mit einer „schweren Rücken-Verletzung“ in das Evangelische Krankenhaus gekommen sein. Eine Operation sei „dringend“ gewesen, aber die Klinik habe keine Kapazitäten gehabt. Nach sieben Tagen soll der Rentner operiert worden sein. Der chirurgische Eingriff ist laut „Bild“ aber nicht lebensrettend gewesen, sondern tödlich.
Krankenhausführung dementiert Vorwürfe
Abgesehen davon will „Bild“ mit einem „Insider“ gesprochen haben, der von überbelegten Stationen und Personalmangel im Evangelischen Krankenhaus Oldenburg berichtet haben soll. Und von einer Gehirn-OP im März, bei der „die Schädeldecke des Patienten auf den Boden gefallen“ sei.
Laut „Bild“ hat sich die Klinikleitung auf Anfrage auf die ärztliche Schweigepflicht berufen und einen Personalmangel sowie eine Überplanung der OP-Säle dementiert. Die Zeitung zitiert die Krankenhausführung wie folgt: „Wir weisen auch mit aller Entschiedenheit die Vermutung zurück, dass wir aus ökonomischen Gründen die Sorgfaltspflicht bei der Behandlung der uns anvertrauten Patientinnen und Patienten missachten.“
Am Abend traten die Klinik-Vorstände vor die Presse
Das Evangelische Krankenhaus Oldenburg hat noch am Freitagabend eine Pressekonferenz einberufen: Dr. Alexander Poppinga (Medizinischer Vorstand) und Kristina Minder (Vorstand Management) nahmen ohne vorgefertigte Pressemitteilung und ohne Redemanuskript zu den Vorwürfen Stellung. Anschließend stellten sie sich den Fragen der Journalisten.
Dr. Poppinga, der übrigens aus Ostfriesland kommt, hat als Arzt 20 Jahre Notfallmedizin gemacht, wie er sagte. Er bezog wie folgt Position: „Wir stehen komplett hinter unserem Team und hier ist nichts, aber auch gar nichts inhaltlich, was die Versorgung von Patienten angeht, falschgelaufen.“ Die Volljuristin Minder ergänzte, dass „aus unserer Sicht keinerlei Behandlungsfehler vorliegt“.