Osnabrück  Der Flughafen in Hamburg hat nicht nur ein Sicherheitsproblem

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 05.11.2023 14:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ein Polizeifahrzeug steht auf dem Flughafen in Hamburg vor einem Flugzeug, an dem ein Auto mit einem Geiselnehmer steht. Ein bewaffneter Mann hielt auf dem Airport seine vierjährige Tochter in seiner Gewalt. Hintergrund soll nach Polizeiangaben ein Sorgerechtsstreit sein. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Ein Polizeifahrzeug steht auf dem Flughafen in Hamburg vor einem Flugzeug, an dem ein Auto mit einem Geiselnehmer steht. Ein bewaffneter Mann hielt auf dem Airport seine vierjährige Tochter in seiner Gewalt. Hintergrund soll nach Polizeiangaben ein Sorgerechtsstreit sein. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
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Im Juli waren es Klimaaktivisten, die den Hamburger Flughafen lahmgelegt hatten. Am Samstagabend nun verschaffte sich ein Mann in seinem Auto Zugang zum Vorfeld. Der Flughafen Hamburg indes sieht keine Versäumnisse bei der Sicherung des Geländes. Ernsthaft?

Wer eine Lehrstunde in miserabler Krisenkommunikation erleben möchte, kann sich an die Pressestelle des Hamburger Flughafens wenden. Dort wird nach wie vor ernsthaft behauptet, dass es bei der Sicherung des Airports keine Versäumnisse gebe.

Mit Blick auf die gesetzlichen Regelungen mag das sogar stimmen. Vielleicht werden die Vorgaben, wie behauptet, in Teilen sogar übererfüllt. Fakt aber ist, dass erst im Juli Klimaaktivisten den Hamburger Flughafen lahmgelegt hatten. Zur Erinnerung: In ihrem Übereifer hatten sich einige selbst ernannte Klimaschützer durch den Außenzaun geschnitten und waren dann mit Fahrrädern auf das Rollfeld gelangt. Konsequenzen daraus? Fehlanzeige. Laut einer Flughafensprecherin hat die Analyse des Vorfalls mit den Aktivisten „keine neuen Erkenntnisse gebracht“.

Alles gut also? Mitnichten! Wie kann es angehen, dass ein Vater mit seinem Kind im Auto am Samstagabend nur Schranken durchbrechen muss, um auf das Rollfeld eines der wichtigsten Drehkreuze für den Flugverkehr in Deutschland zu gelangen? Diese elementare Frage wird in den nächsten Tagen zu beantworten sein.

Ja, womöglich müssen die gesetzlichen Vorgaben verschärft werden, um zu verhindern, dass ein einfacher Schrankenbruch reicht, um einen ganzen Flughafen lahmzulegen. In erster Linie aber liegt die Verantwortung bei den Airport-Betreibern. Wenn Klimaaktivisten nur einen Zaun durchknipsen müssen und ein Geiselnehmer mit seinem Auto nahezu ungehindert Zufahrt zum Rollfeld hat, kann etwas mit dem Sicherheitskonzept nicht stimmen.

Dass die Kommunikationsabteilung des Hamburger Flughafens dennoch so tut, als treffe den Airport keine Verantwortung, ist ein Skandal. Keine Selbstkritik, kein Wort davon, den Vorfall zum Anlass zu nehmen, die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal zu untersuchen und zu verschärfen. Besser und schneller lässt sich das Vertrauen von Fluggästen kaum verspielen. Kurzum: Der Flughafen in Hamburg hat nicht nur ein Sicherheits-, sondern auch ein Kommunikationsproblem.

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