Osnabrück  Nach Geiselnahme in Hamburg: Wie sicher ist der Flughafen Münster/Osnabrück?

Jean-Charles Fays
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Von Jean-Charles Fays
| 07.11.2023 11:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der FMO hält es nicht für möglich, dass am Grevener Airport ein Auto die Zufahrt zum Rollfeld durchbrechen könnte, wie es am Hamburger Flughafen der Fall war. Foto: André Havergo
Der FMO hält es nicht für möglich, dass am Grevener Airport ein Auto die Zufahrt zum Rollfeld durchbrechen könnte, wie es am Hamburger Flughafen der Fall war. Foto: André Havergo
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Bereits im Sommer hatten Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ den Sicherheitszaun an den Flughäfen Hamburg und Düsseldorf durchtrennt und waren auf das Flughafengelände gelangt. Auf dem Hamburger Flughafen konnte am Wochenende zudem ein bewaffneter Geiselnehmer mit seinem Auto zu einem abflugbereiten Flugzeug vordringen. Wäre das auch am FMO möglich?

FMO-Sprecher Andrés Heinemann hält es nicht für möglich, dass ein Auto am FMO – wie in Hamburg geschehen – die Zufahrt zum Rollfeld durchbrechen könnte. Der Grevener Airport verfüge anders als der Hamburg Flughafen nicht über Schranken, sondern über ein robustes Schleusensystem. „Ein Fahrzeug muss zuvor stets angemeldet werden. Dann öffnet sich das erste Schleusentor, das erste Schleusentor wird wieder geschlossen, das Fahrzeug wird überprüft und der Fahrer muss durch die Sicherheitskontrolle. Erst dann öffne sich das zweite Schleusentor“, schildert Heinemann das Prozedere auf Anfrage unserer Redaktion.

Dieses massive Rolleisentor könne unmöglich mit einem Auto durchbrochen werden. Heinemann betont: Das am FMO verbaute Schleusensystem für den Zugang auf das Rollfeld gehe weit über die von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO formulierten Schutzmaßnahmen hinaus. „Auch die Intensität der durchgeführten Kontrollfahrten geht deutlich über das dort formulierte Maß hinaus“, erklärte der Flughafensprecher.

Kameras überwachen am FMO Heinemann zufolge alle sicherheitsrelevanten Bereiche. Darüber hinaus würden regelmäßige Fahrten entlang des Zauns dafür sorgen, dass ein Eindringen auffalle. Als Reaktion auf die Protestaktionen der Klimaaktivisten an anderen Flughäfen wie Hamburg und Düsseldorf war die Zahl der Zaun-Kontrollen erhöht worden. Zuvor hätten Sicherheitskräfte den Zaun etwa drei bis vier Mal am Tag abgefahren, sagte ein FMO-Sprecher unserer Redaktion im Juli. Danach sei der Kontrollrhythmus auf alle zwei bis drei Stunden erhöht worden.

Dennoch könnte der Zaun, der das Gelände des Grevener Airports auf einer Länge von sechs Kilometern umspannt, eine Schwachstelle des Sicherheitskonzepts sein. Im Sommer waren Klimaaktivisten in Hamburg und Düsseldorf auf das Flughafengelände gelangt, indem sie zuvor offenbar mit einem Bolzenschneider den Flughafenzaun durchtrennt hatten. Dabei half es nichts, dass der Sicherheitszaun sowohl den internationalen Vorgaben der ICAO als auch der aktuellen EU-Verordnung sowie den nationalen Auflagen entsprach. Auch am FMO entspricht der 2,44 Meter hohe Flughafenzaun diesen Standards.

Auch interessant: Erst Großübung, dann Ernstfall: Flugzeug muss am FMO notlanden

Die Zuständigkeiten auf beiden Seiten des Zauns sind gesetzlich klar geregelt. Der Außenbereich liegt nach Angaben des Flughafensprechers im Verantwortungsbereich der NRW-Landespolizei. Für die Sicherheit im Innenbereich sind demnach die für den FMO zuständige Aufsichtsbehörde – also das NRW-Verkehrsministerium – und der Flughafenbetreiber zuständig.

Der Zaun selbst ist aber alleinige Sache des Flughafenbetreibers. Heinemann stellt nun fest: „Solche Ereignisse wie in Hamburg müssen dazu führen, dass wir das eigene Konzept noch einmal kritisch beleuchten.“ Zusammen mit den Sicherheitsbehörden soll geprüft werden, ob weitere Schutzmaßnahmen erforderlich sind.

Unterdessen hat die Sprecherin des Hamburger Flughafens, Katja Bromm, am Montag bereits angekündigt: „Wir werden weitere bauliche Maßnahmen umsetzen, um mögliche Zugangspunkte zum Sicherheitsbereich zu verstärken.“ Sicherheitsexperten hatten zuvor im Boden versenkbare Sicherheitspoller ins Spiel gebracht, wie sie an öffentlichen Plätzen öfter zu finden sind. Darüber hinaus testet der Hamburger Flughafen neue Kamera- und Zaunsensorik-Systeme. Denkbar ist, dass so ein System mit einem automatischen Alarm ausgestattet wird, der ertönt, wenn der Zaun durchtrennt wird.

Am Samstagabend hatte ein 35-jähriger Geiselnehmer am Nordtor des Hamburger Flughafens mit einem Mittelklassewagen eine Schranke zum Rollfeld durchbrochen. Mit selbst gebauten Brandsätzen, einer Schusswaffe und seiner vierjährigen Tochter im Auto stoppte er auf dem Vorfeld neben einer voll besetzten und voll betankten Passagiermaschine der Turkish Airlines. Das Flugzeug wurde am Samstagabend geräumt, weitere auf dem Rollfeld stehende Maschinen evakuiert und der Flughafen weiträumig abgesperrt.

Der Hamburger Flughafen berichtet später davon, dass der Mann „keine Rücksicht darauf genommen hatte, ob er sich selbst, seine Insassin oder das Personal an der Sicherheitsschleuse verletzen oder gefährden könnte“.

Der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt sagte dem „Spiegel“: „Der Hamburger Flughafen ist nicht sicher – und andere Airports in Deutschland auch nicht.“ Er halte es für einen Skandal, dass ein Auto lediglich eine harmlose Schranke durchbrechen müsse, um aufs Rollfeld zu gelangen. Schließlich seien Flughäfen „seit Jahrzehnten als bevorzugte Angriffsziele für Terroristen bekannt“. Auf den Vorfeldern würden schließlich „Maschinen mit Zehntausenden Litern Kerosin im Bauch und Hunderten Passagieren an Bord“ stehen. Flughafenbetreiber und Behörden seien „unfassbar naiv“.

Auch die Polizeigewerkschaft forderte einen besseren Schutz von deutschen Flughäfen und wies darauf hin, dass selbst Weihnachtsmärkte mit Betonbarrikaden gesichert sind. Die CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft stellte fest, dass das aktuelle Sicherheitskonzept des Flughafens „nicht ausreichend ist“.

*Die Klimaaktivisten hatten bei einer Protestaktion im Sommer den Zaun an den Flughäfen Hamburg und Düsseldorf durchtrennt und waren auf das Flughafengelände vorgedrungen. Am FMO war dies nicht der Fall, wie es in einer ersten Version dieses Textes hieß. Unsere Redaktion hat den Text an dieser Stelle korrigiert.

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