Mammutprozess gegen sechs junge Männer Überfälle und Einbrüche aus Lust am Nervenkitzel?
Mehr als 40 Anklagepunkte listete die Staatsanwaltschaft auf: Die sechs 20 bis 22 Jahre alten Männer aus Werlte und Lindern sollen teilweise mehrmals pro Nacht zugeschlagen haben.
Oldenburg - Es ist ein Mammutverfahren um eine beispiellose Einbruchserie: Vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts Oldenburg müssen sich seit Dienstag sechs 20 bis 22 Jahre alte Männer aus Werlte und Lindern verantworten. Sie stehen für eine Vielzahl von Einbrüchen vor Gericht – begangen im Zeitraum von Oktober 2020 und Oktober 2022 in den Landkreisen Cloppenburg und Emsland.
Aufgrund der knappen Raumkapazität im Oldenburger Landgerichts-Gebäude findet das Mammutverfahren gegen die sechs Angeklagten im Festsaal der Oldenburger Weser-Ems-Halle statt. Allein die Verlesung der mehr als 40 Anklagepunkte nahm gestern eine geraume Zeit in Anspruch. In den meisten Fällen hatte die Bande im Tatzeitraum Kioske und Tankstellen heimgesucht. Mit brachialer Gewalt waren die Angeklagten laut Staatsanwaltschaft in wechselnder Beteiligung in die Räumlichkeiten eingedrungen, um Bargeld und Zigaretten zu stehlen.
Start in Werlte
Die Serie startete in Werlte und setzte sich in Löningen, Lindern, Lastrup und Molbergen fort. Dann wechselte die Bande in den Norden des Landkreises Cloppenburg: Einbrüche in Tankstellen in Friesoythe und dem Saterland folgen. Dann war das Emsland dran. Dort suchte die Bande Kioske und Tankstellen in Esterwegen, Lorup und Surwold heim, stahlen Zigaretten und Geld.
Die Angeklagten sollen auch für zahlreiche Diesel-Diebstähle und Diebstähle von Baumaschinen verantwortlich sein. Damit nicht genug. Einige der Angeklagten sollen auch Baufahrzeuge angezündet haben. Schwerster Fall der Anklage: Der Überfall auf eine Tankstelle in Esterwegen im Juni vorigen Jahres. Dort soll eine Mitarbeiterin der Tankstelle mit einer Machete bedroht worden sein.
Motiv Nervenkitzel?
Warum das alles? Die Kammer unter Vorsitz von Richter Dr. Dirk Reuter will Antworten finden. Die Staatsanwaltschaft schließt einen „gruppendynamischen Nervenkitzel“ als Motiv für die unzähligen Taten (in nur einer Nacht gleich mehrere Einbrüche) nicht aus.
Die meisten der sechs Angeklagten sind noch in Ausbildung oder gehen einer geregelten Arbeit nach. Auf sie kommen nun hohe Schadensersatzansprüche zu. Das Mammutverfahren wird fortgesetzt.