Osnabrück Diese Animes und Mangas spielen in Deutschland
In Ostberlin arbeitet ein Spion aus dem Westen an einer geheimen Mission und muss dafür eine Scheinfamilie gründen. Klingt nach einem deutschen Spielfilm – ist aber eine der aktuell beliebtesten Manga- und Anime-Serien: „Spy x Family“.
Auf der ganzen Welt setzen sich Manga- und Anime-Fans seit einiger Zeit mit der Geschichte des geteilten Deutschlands auseinander – dank der Serie „Spy x Family“. Seitdem der erste Band 2019 in Japan erschienen ist, ist der von Deutschland inspirierte Manga von Tatsuya Endo einer der erfolgreichsten aller Zeiten geworden. Die deutsche Ausgabe folgte 2020, im vergangenen Jahr startete die Anime-Serie. In Japan ist die fiktive Familie Forger – besonders das Mädchen Anya mit den pinken Haaren – geradezu omnipräsent, sei es im Freizeitpark, im Kleidungsgeschäft oder im Supermarkt. Auch hierzulande ist sie auf Cosplay-Veranstaltungen oft anzutreffen.
Was die Serie so beliebt macht, dürfte zum einen die unterhaltsame Geschichte sein: Der Spion Loid Forger sucht sich für seine Scheinfamilie, ohne es zu wissen, die Auftragsmörderin Yor als Frau aus. Seine Adoptivtochter Anya wiederum kann Gedanken lesen, sein Schwager Yuri sucht als Stasi-Mitarbeiter einen Spion aus dem Westen – und dabei handelt es sich ausgerechnet um Loid Forger. So hat jeder in der Familie ein Geheimnis, das er für sich behält.
Zum anderen trifft die Serie den heutigen Zeitgeist. Zwar ist die Geschichte an das geteilte Deutschland angelehnt, doch die gegenwärtigen Spannungen zwischen dem Osten und dem Westen machen sie hochaktuell. So abgedreht die Geschichte auch ist, im Kern verbirgt sich etwas Realitätsnahes, was dem Ganzen Tiefe verleiht.
Inzwischen gibt es bei der Streaming-Plattform Crunchyroll die zweite Staffel zu sehen. Jeden Samstag erscheint eine neue Folge – um 17.30 Uhr im japanischen Original mit deutschen Untertiteln, um 21 Uhr auf Deutsch synchronisiert. Angekündigt sind zudem für 2024 der Kinofilm „Spy x Family Code: White“ und das Videospiel „Spy x Anya: Operation Memories“.
Doch nicht zum ersten Mal führt ein Anime nach Deutschland: Die Serie „Monster“ von Naoki Urasawa spielt im Düsseldorf der 1980er und 1990er Jahre. Auch hier trifft eine fiktive Geschichte auf historische Bezüge. Zunächst geht es um den Neurochirurgen Kenzo Tenma, der einem Jungen das Leben rettet, dann aber erfährt, dass es sich bei diesem um einen Mörder handelt. Doch auch das Thema Rechtsextremismus hat in dieser Welt Platz. Die Serie widmet sich den menschlichen Abgründen und zeigt unter anderem den Rassismus, den Einwanderer in Deutschland erfahren.
„Attack on Titan“, eine weitere beliebte Serie, hat Figuren die Nachnamen wie „Jäger“, „Ackermann“ oder „Braun“ tragen – und ein Intro-Lied mit der deutschsprachigen Zeile „Sie sind das Essen und wir sind die Jäger“. Als Vorlage für das Stadtbild gilt die bayrische Stadt Nördlingen. Der Bayerische Rundfunk berichtete von Manga-Fans aus der ganzen Welt, die für die Originalschauplätze angereist seien.
Mangas sind hierzulande in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden, Animes haben schon in den 1990er Jahren die deutschen Kinderzimmer erobert – vor allem „Sailor Moon“ und „Dragon Ball“. Serien wie „Spy x Family“ zeigen, wie nicht nur die Anime- und Manga-Welt in Deutschland funktionieren kann, sondern auch Deutschland in der Anime- und Manga-Welt.