Illegale Müllentsorgung Senioren aus Leer zahlen 140 Euro für fremden Sperrmüll
Eigentlich hätte das Leeraner Ehepaar 35 Euro für den angemeldeten Sperrmüll bezahlen sollen. Am Ende stellte der Landkreis fünfmal so viel in Rechnung. Wie kam es dazu?
Leer - Jahrelang hatte das Ehepaar Klaus und Greetje Drieschner in dem Haus in der Leeraner Straße „Am Bruchwald“ gelebt. Doch Ende Oktober mussten die Rentner dort ausziehen. Die Eigentümer hatten Eigenbedarf angemeldet. Wie so oft bei Umzügen, fiel beim Räumen des Hauses einiges an Sperrmüll an. Fünf Kubikmeter hatte das Ehepaar angemeldet – und bezahlt. Diese Menge kostet laut Internetseite des Landkreises Leer, der für die Abfuhr zuständig ist, 35 Euro. Bezahlt haben die Drieschners nun 175 Euro – für die Rentner eine extreme finanzielle Belastung.
Was und warum
Darum geht es: Ein Rentner-Ehepaar hatte wegen eines Umzugs in Leer Sperrmüll angemeldet. Über Nacht hatten Unbekannte ihren eigenen Abfall einfach dazu gestellt. Die Senioren bleiben nun auf den Kosten sitzen.
Vor allem interessant für: Leeranerinnen und Leeraner sowie alle, die schon Sperrmüll haben abholen lassen oder es noch vor haben
Deshalb berichten wir: Eine Anwohnerin hatte uns auf den Müllberg aufmerksam gemacht. Die Autorin erreichen Sie unter: r.heinig@zgo.de
„Wir haben den Müll am 26. Oktober abends rausgestellt, am 27. sollte er abgeholt werden. Wurde er aber nicht“, berichtet Klaus Drieschner. Der Grund: Über Nacht hatten Unbekannte so viel dazugestellt, dass inzwischen 14 Kubikmeter an der Straße standen – also fast das Dreifache. „Für die Müllwerker ist in solchen Fällen nicht erkennbar, ob dort unerlaubt von Dritten Sperrmüll dazugestellt wurde oder nicht. Sie sind angehalten, den Müll dann stehen zu lassen – zumal sie ja auch ihre Touren nach den angegebenen Mengen planen“, erklärt Philipp Koenen, Pressesprecher des Landkreises Leer, auf Anfrage dieser Zeitung.
Nachzahlungen für den Müll fremder Menschen
„Die Mitarbeiter von der Sperrmüllabfuhr sagten uns am Telefon, wir hätten nachts aufpassen oder eine Plane drüber machen sollen. Wir sind schon verzogen, wie soll man da in der Nacht aufpassen? Und eine Plane haben wir nicht, da hätten wir wieder investieren müssen“, so Drieschner. „Wir haben dann noch eine Rechnung über 70 Euro erhalten und bezahlt“, schildert er. Ein neuer Abfuhrtermin wurde vom Landkreis für eineinhalb Wochen später angesetzt, doch eingesammelt wurde der Sperrmüll auch dieses Mal nicht. „Noch vor dem neuen Abholtermin hat der Landkreis feststellen müssen, dass sich inzwischen 24 Kubikmeter angehäuft hatten – was wiederum eine Nachzahlung zur Folge hatte“, erklärt Koenen. „Deshalb haben wir am Donnerstag noch einmal 70 Euro bezahlt. Für den Abfall fremder Menschen“, ärgert sich Drieschner.
Neuer Termin für die Abholung sollte der kommende Montag sein. „Wir waren verzweifelt. Bis dahin hätte es ja wieder mehr sein können und noch einmal hätten wir nicht bezahlt“, sagt der 69-Jährige. Weil unerwartet Platz in einem der Müllfahrzeuge war, konnten die Mitarbeiter die Möbel jedoch schon am Freitag abholen. „Das ist eine große Erleichterung“, sagt der Rentner.
Finanziell eine riesige Belastung
Warum fremde Menschen einfach ihren Müll dazugestellt hatten, kann sich das Ehepaar nur schwer erklären. „Vielleicht ist denen nicht bewusst, dass andere dafür so viel Geld bezahlen müssen“, mutmaßt Greetje Drieschner. „Aber uns tut das finanziell sehr weh“, sagt die 68-Jährige. Insgesamt rund 1200 Euro Rente haben die beiden im Monat zur Verfügung. „Die 140 Euro hätten wir dringend gebraucht. Wir kommen ja so schon kaum über die Runden. Außerdem ist unsere Waschmaschine kaputt gegangen, eine neue können wir uns jetzt erstmal nicht leisten“, sagt sie. Ebenfalls nicht nachvollziehbar ist für die Rentner, warum der Landkreis den Sperrmüll überhaupt hat stehen lassen. „Es wäre doch besser gewesen, sie hätten es trotzdem mitgenommen und dann eine Rechnung geschickt“, findet Klaus Drieschner.
„In einem Fall, wie Sie ihn hier beschreiben, wird entsprechend eine Nachzahlung gefordert, bevor der Müllhaufen entsorgt werden kann“, so Philipp Koenen – und weiter: „Wenn wie im konkreten Fall eine Sofortabholung nicht gewünscht ist, wird darauf hingewiesen, den Sperrmüll zunächst wieder wegzuräumen oder zumindest mit einer Plane abzudecken, damit der Haufen sich nicht ungewollt noch vergrößert. Beides ist hier nicht erfolgt.“ Dabei sind die Drieschners wohl kein Einzelfall. Immer mal wieder komme es vor, dass die Müllabfuhr vor Ort nicht das vorfindet, was angemeldet wurde.
„Um solche Situationen zu vermeiden, können wir nur empfehlen, den Sperrmüll möglichst erst am Abfuhrtag selber oder am Vorabend bereitzustellen“, so Koenen. Das vermindere zumindest das Risiko, dass Dritte ihren Müll in großen Mengen dazustellen. „Wie zuvor schon dargestellt, können die Müllwerker vor Ort nicht beurteilen, welche Gegenstände von wem dort abgestellt worden sind. Sie müssen sich darauf verlassen, das vorzufinden, was angemeldet worden ist“, sagt der Kreissprecher.