Osnabrück  Haushalt, Mahlzeiten, Betreuung: So organisieren Sie Ihre Pflege

Annette Jäger
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Von Annette Jäger
| 13.11.2023 07:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Eine Pflegekraft kümmert sich in einem Pflegeheim um eine ältere Dame und bringt ihr Kaffee und Kuchen. Foto: dpa/Christoph Schmidt
Eine Pflegekraft kümmert sich in einem Pflegeheim um eine ältere Dame und bringt ihr Kaffee und Kuchen. Foto: dpa/Christoph Schmidt
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Obwohl die meisten Menschen am liebsten zu Hause versorgt werden wollen, lohnt es sich, auch die Option Pflegeheim zu prüfen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie eine Pflege zu Hause organisieren und wie die Versorgung im Heim funktioniert.

Eine Pflege zu Hause setzt sich aus vielen Bausteinen zusammen. In erster Linie ist die körperliche Pflege sicherzustellen, aber auch der Haushalt muss weiter versorgt werden, Mahlzeiten sind zuzubereiten, ein Fahrdienst zum Arzt kann nötig sein, auch Geselligkeit und soziale Kontakte müssen gewährleistet sein. Vieles kann man im niedrigen Pflegegrad auch noch alleine bewerkstelligen. Aber man sollte vorbereitet sein, wenn man mit der Zeit mehr Unterstützungsleistungen benötigt.

Man sollte in der Familie offen sein: Sind Angehörige bereit, Hilfe zu leisten und wenn ja, in welchem Ausmaß? Und können Angehörige diese Hilfe noch leisten, wenn die Bedürftigkeit auf Dauer zunimmt? Sie sollten frühzeitig abklären, welche Hilfen die Familie übernehmen kann und welche Unterstützungsleistungen man über externe Angebote in Anspruch nimmt.

Tipp: Um Angehörige punktuell zu entlasten, kann man Tagespflegeangebote in Anspruch nehmen.

Die körperliche Pflege übernimmt in der Regel ein ambulanter Pflegedienst, der gegebenenfalls auch mehrmals am Tag kommt. Ein ambulanter Pflegedienst übernimmt die sogenannte medizinische Behandlungspflege, zum Beispiel Arzneimittelgabe, Verbandswechsel oder Injektionen. Er hilft aber auch bei der Körperpflege, bei der Nahrungsaufnahme oder unterstützt bei der Mobilität. Er kann auch bei der Haushaltsführung helfen und Betreuungsaufgaben übernehmen. Ambulante Pflegedienste bieten zum Teil auch Kurse für pflegende Angehörige an. Pflegedienste gibt es an jedem Wohnort, flächendeckend. Über den Pflegelotsen können Sie einen Dienst suchen.

Neben der körperlichen Pflege benötigt der Pflegebedürftige Mahlzeiten, der Haushalt ist zu führen, der Einkauf ist zu erledigen, Wäsche zu machen und er benötigt natürlich auch Geselligkeit. Um all dies zu gewährleisten, muss man in der Regel auf eine Vielzahl von Angeboten zurückgreifen.

In den meisten Kommunen gibt es das Angebot „Essen auf Rädern“ – ein sozialer Dienst bringt Mahlzeiten nach Hause. Wohlfahrtsverbände oder Nachbarschaftshilfen bieten häufig ehrenamtliche Besuchsdienste an: Ein Besucher kommt regelmäßig für Spaziergänge oder einfach zur Geselligkeit. Eine Haushaltshilfe kann sich um den Haushalt kümmern, gegebenenfalls auch einkaufen.

Haushaltshilfen aus Osteuropa in die Pflege zu Hause zu integrieren, ist seit vielen Jahren beliebt und die Nachfrage anhaltend. Die Helfer, die meist aus Polen oder Rumänien kommen, ziehen beim Pflegebedürftigen ein und erledigen alle Tätigkeiten im Haushalt: Einkaufen, Kochen, Aufräumen, Putzen und die Wäsche. Auch pflegerische Alltagshilfen sind erlaubt, also alles, wofür man keine pflegerische Ausbildung benötigt. Dazu gehören Hilfeleistungen beim An- und Auskleiden, Aufstehen und Zu-Bett-Gehen, Baden, Duschen, Essen, Fortbewegen. Haushaltshilfen ersetzen also keinen ambulanten Pflegedienst, können ihn aber ergänzen.

Die Haushaltshilfen entlasten in erster Linie die Angehörigen. Wenn sich der oder die Pflegebedürftige und die Haushaltshilfe gut verstehen, dann ist das natürlich ein Mehrgewinn in puncto Geselligkeit. Allerdings muss man auch so viel Platz haben, dass die Haushaltshilfe ein eigenes Zimmer hat. Weil die Helfer meist auch noch eine eigene Familie in ihrer Heimat zu versorgen haben, sollte man sich darauf vorbereiten, dass sich oft mehrere Helfer in einem Haushalt abwechseln.

Eines muss einem klar sein: Eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung wie in einem Pflegeheim ist zu Hause nur mit größtem Aufwand möglich. Wenn es so weit ist, dass man tags und auch nachts gar nicht mehr alleine bleiben kann, steht doch der Umzug in ein Heim an. Denn die Betreuung zu Hause erfordert den Einsatz mehrerer Betreuungspersonen.

Zwar werben viele Vermittlungsagenturen, die Haushaltshilfen aus Osteuropa vermitteln, mit einer 24-Stunden-Betreuung. Doch das ist ein Versprechen, das nicht zu halten ist. Das Arbeitszeitgesetz erlaubt es nicht, dass jemand rund um die Uhr arbeitet. Dazu gehört auch eine 24-Stunden-Verfügbarkeit. Eine Haushaltshilfe darf nicht länger als acht Stunden pro Tag unter Einhaltung von Ruhezeiten und freien Sonntagen arbeiten.

Tipp: Für Menschen mit einer Demenzerkrankung bietet sich oft das Leben in einer Wohngemeinschaft an. Lesen Sie mehr dazu im Biallo-Ratgeber zum Thema Betreute Wohngruppen.

Wir haben in einem anderen Text schon erwähnt, dass Wohnberatungsstellen dabei helfen, ein Wohnumfeld barrierefrei und pflegegerecht zu gestalten. In sehr vielen Fällen lassen sich tatsächlich technische Lösungen finden. Dafür gibt es Zuschüsse aus der Pflegekasse, aber auch die Krankenkasse gewährt Hilfsmittel. Für einen Umbau müssen Sie übrigens nicht Eigentümer sein, auch eine Wohnung zur Miete dürfen Sie umgestalten, sofern Sie sich mit dem Vermieter vorher absprechen. Möglicherweise müssen bei Auszug Umbauten rückgängig gemacht werden. Vielleicht schätzt der Vermieter es aber auch, wenn er auf diesem Wege zu einer barrierefreien Wohnung gelangt.

Um Angehörige zu entlasten, gibt es die Möglichkeit einer Tagespflege. Diese steht Pflegebedürftigen der Grade 2 bis 5 zu. Der oder die Pflegebedürftige verbringt den Tag in einer Gruppe in einer Einrichtung, die oftmals einem Pflegeheim angegliedert ist, und geht abends wieder nach Hause. Eine Tagespflege ist teilweise auch am Wochenende möglich. Auch eine Nachtpflege ist möglich. Es gibt allerdings kaum Angebote der Nachtpflege.

Tipp: Angebote der Tagespflege werden noch viel zu wenig angenommen, erfährt Pflegeexpertin Felizitas Bellendorf immer wieder. Dabei sei es für Angehörige eine gute Chance, Entlastung zu erfahren, wenn beispielsweise der Demenzkranke Vater dreimal pro Woche in eine Tagespflegeeinrichtung geht. Auch Pflegebedürftige profitieren davon: Sie verlassen ihre vier Wände, erleben Geselligkeit und werden entsprechend ihrer Einschränkungen gefördert.

Ebenso bietet die sogenannte Verhinderungspflege Entlastung für Angehörige. Ist die übliche Pflegeperson verhindert, etwa durch Urlaub oder Krankheit, kommt Verhinderungspflege für einen Zeitraum von maximal sechs Wochen im Jahr infrage. Die Verhinderungspflege kann auch stundenweise erbracht werden.

Tipp: Wenden Sie sich an die Pflegeberatung in Ihrem Umfeld, dort werden Sie über Angebote der Tagespflege informiert. Es gibt auch spezielle Tagespflegeeinrichtungen. Manche Kranken- beziehungsweise Pflegekassen bieten Hilfe bei der Suche an, die AOK beispielsweise mit einem Suchportal.

Auch Pflegeheime entwickeln sich weiter und bieten inzwischen unter einem Dach verschiedene Wohnformen an. Etwa das Betreute Wohnen für rüstige Senioren in autarken Wohnungen, bei dem man sich diverse Hilfeleistungen dazu buchen kann. Ist man stärker hilfebedürftig, gibt es je nach Einschränkung auch die Möglichkeit, in kleineren stationär betreuten Wohngruppen zu leben. Der Trend geht zu kleineren Häusern mit mehr Übersichtlichkeit und einer Einbindung der Umgebung. Modernste Heime sind derzeit jene der sogenannten fünften Generation.

Hier ist die Erkenntnis umgesetzt, dass sich Menschen am wohlsten fühlen, wenn sie in kleinen Gemeinschaften leben, aber dennoch private Rückzugsmöglichkeiten – etwa in Mikroappartements – haben und obendrein auch ein Austausch mit Menschen im Quartier möglich ist. Solche Einrichtungen haben oft Cafés, die für die Öffentlichkeit geöffnet sind oder auch Veranstaltungsräume, die externe Besucher nutzen können. Längst leben Menschen in Pflegeheimen nicht mehr abgeschieden hinter Mauern, wie man das früher mal angenommen hat und es sicher auch war. Schauen Sie sich einige Heime an und lassen Sie die Atmosphäre auf sich wirken. Sie werden ein Gefühl dafür entwickeln, wo Sie sich wohlfühlen.

Je nach Pflegegrad werden Sie vom Heimpersonal versorgt. Wie in einer stationären Einrichtung üblich, erfolgt die Versorgung nach Dienst- und Zeitplänen – es bleibt wenig Möglichkeit der individuellen Gestaltung. Die Mahlzeitenversorgung erfolgt je nach Wohnform. Kleinere Wohngruppen essen gemeinsam in ihrer Station. Manchmal gibt es auch einen großen Speisesaal, in dem alle zusammenkommen. Es ist oft der gesellige Treffpunkt.

Man muss wissen, dass es überall Personalknappheit im Pflegebereich gibt, und die Pfleger vielfach einer hohen Arbeitsbelastung und einem straffen Zeitplan ausgesetzt sind. Oft bleibt wenig Zeit für individuelle Zuwendung.

Bei der Auswahl des richtigen Pflegeheims geht es im ersten Schritt um die Entscheidung, ob das Heim nahe am bisherigen Wohnort oder ob es lieber in der Nähe der vielleicht weiter entfernt lebenden Familie sein soll. Wenn diese Entscheidung gefallen ist, schauen Sie sich die Heime in der Umgebung an, machen Sie Hausbesuche, trinken Sie einen Kaffee, lernen Sie die Heimleitung kennen – es wird bei der Entscheidungsfindung helfen. Auch hier ist die Datenbank des Pflegelotsen, mit der Sie nach Heimen in ganz Deutschland suchen können, eine gute Hilfe.

Tipp: Pflegeheime haben oft eine lange Warteliste. Sie können sich unverbindlich vormerken lassen. Wird ein Platz frei, können Sie sich entscheiden, ob es jetzt der richtige Zeitpunkt für Sie ist, umzuziehen.

Weiterlesen: Pflege zu Hause oder im Heim? Das sollten Sie beachten

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