Wie die Stars der Szene  Mit seinem Rennrad über die Pyrenäen

Lukas Münch
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Von Lukas Münch
| 13.11.2023 16:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Posieren für ein Foto auf dem Col d‘Aspin. Foto: Kisch
Posieren für ein Foto auf dem Col d‘Aspin. Foto: Kisch
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Der in Westoverledingen aufgewachsene Wenzel Kisch hat auf dem Fahrrad die Pyrenäen überquert. Dabei hat er die Etappen der Tour de France hautnah erleben dürfen – und hat so einige Abenteuer erlebt.

Ostfriesland/Frankreich - Vom Mittelmeer in Frankreich bis auf die andere Seite des Landes an die Atlantikküste radeln – das hat Wenzel Kisch einfach mal gemacht. Und dabei liegt dazwischen – an der südlichen Grenze zu Spanien – noch ein Gebirge, nämlich die Pyrenäen. Über 600 Kilometer hat der gebürtige Ostfriese auf seinem Rennrad samt Gepäck zurückgelegt!

Aber was reitet jemanden, so etwas zu machen? Ist das nicht fürchterlich anstrengend? „Ich wollte einmal Strecken der Tour de France selbst befahren“, sagt der 26-Jährige.

Bedeutsamstes Radrennen der Welt

Die Tour de France (gesprochen: Tur dö Frongs) ist eine alljährliche Radrundfahrt durch Frankreich – manchmal macht sie auch Abstecher in andere Länder. Sie endet auf der berühmten Pariser Champs Élysées (gesprochen: Schomp Seelisee). Einzig im nächsten Jahr wird die Tour zum ersten Mal überhaupt nicht in Paris enden, sondern in der Stadt Nizza. Das liegt daran, dass in Paris in dem Jahr die Olympischen Spiele ausgetragen werden.

Eine Cola in der Pause darf nicht fehlen – genau das richtige für den Blutzuckerspiegel nach einer langen Etappe. Foto: Kisch
Eine Cola in der Pause darf nicht fehlen – genau das richtige für den Blutzuckerspiegel nach einer langen Etappe. Foto: Kisch

Die einzelnen Streckenabschnitte, die gefahren werden, nennt man Etappen. Die ändern sich jedes Jahr, führen aber häufig auch an Orten und Strecken vorbei, die schon einmal befahren wurden. Der Col du Tourmalet (gesprochen: Koll dü Turmalee) beispielsweise wurde schon ganze 85-mal im Verlauf des Wettbewerbs, den es seit 1903 gibt, befahren – auch von Wenzel Kisch, der den 2115 Meter hohen Gipfel mit dem Rad erklomm.

Schon immer hat er diese berühmte Sportveranstaltung zu Hause vorm Fernseher verfolgt. Sein großer Traum war, da, wo sich schon die größten Legenden des Sports spannende Duelle lieferten, auch zu fahren.

Der Traum war, wie die Profis zu fahren

Die Strecken, die die Radfahrprofis fahren, ist Wenzel Kisch auch ganz alleine gefahren – und das kann nicht jeder. Er ist sehr trainiert und fährt in seinem Wohnort Osnabrück in Niedersachsen viele Rad-Touren, sodass er starke Beine hat. In einem Monat legt er mit dem Rad meist über 100 Kilometer zurück. „Sonst hätte ich das vermutlich auch nicht so gut geschafft“, gibt er zu.

An so manch einem Gipfel begrüßen einen dann auch einfach mal Pferde. Foto: Kisch
An so manch einem Gipfel begrüßen einen dann auch einfach mal Pferde. Foto: Kisch

In Ostfriesland gibt es keine wirklichen Berge, die einen auf so eine Tour vorbereiten könnten. Dafür hat er einen besonderen Tipp: „Wenn man die Strecken am Deich entlangfährt, dann kommen immer wieder Stellen, an denen man den Deich hoch muss und dann wieder runterfährt“, sagt er. So lasse sich auch im hohen Norden das Bergfahren trainieren.

Die Berge auf seinen Etappen hingegen waren sehr hoch. „Das war unglaublich anstrengend, aber die Natur drumherum entschädigt einen total dafür“, sagt Wenzel Kisch.

Etappen brachten ihn an seine Grenzen

Die Pyrenäen können einen regelrecht an die eigenen Grenzen bringen. „Am ersten Tag bin ich einfach ohne Frühstück los, weil ich einfach so loswollte.“ Das sei ein Fehler gewesen, weil er beim Berghochfahren irgendwann keine Energie mehr hatte. Das nennt man dann Hungerast.

Der Körper hat so einen Durchhänger, dass einem teils schwarz vor Augen wird und man fast umkippt. „Ich hatte zum Glück noch Nudeln, die ich mir dann gekocht und ohne Soße gegessen habe“. Da ist es auch wichtig, darauf zu achten, nicht zu viel Gepäck im Schlepptau zu haben. Nur das Allernötigste hat Kisch mitgenommen. Befestigt unter seinem Sattel in einer kleinen, extra für den Zweck angefertigten Tasche. Inhalt war unter anderem: ein Gaskocher, ein Kochtopf, Flickzeug und ein paar, aber bloß nicht zu viele Klamotten. Man müsse immer bedenken: Alles, das man mitnimmt, müsse man auch mit den Beinen den Berg hochstrampeln, sagt Kisch.

Am berühmt berüchtigten Col du Tourmalet lieferten sich schon die größten Radportlegenden erbitterte Duelle – Wenzel Kisch war auch da. Foto: Kisch
Am berühmt berüchtigten Col du Tourmalet lieferten sich schon die größten Radportlegenden erbitterte Duelle – Wenzel Kisch war auch da. Foto: Kisch

Alleine auf so einer Tour passiert auch allerhand Unerwartetes. Zum Beispiel begegneten ihm auf einmal auf einem Gipfel Pferde. „Die liefen einfach frei rum, eins kam volle Kanne auf mich zugerannt. Da hat man für einen Moment richtig Schiss“, sagt er.

Die nächste Reise ist schon in Planung

Genug hat er von solchen Momenten aber noch lange nicht: „Ich mache das für die Eindrücke von der Natur und auch für diese Grenzerfahrung.“ Seine nächste Tour plant er auch schon: Sie soll an der portugiesischen Atlantikküste entlang führen.

Menschen, die sich in Ostfriesland für das Rennradfahren interessieren, empfiehlt er: „Fahrt längere Strecken. Euer Lieblingsbadesee? Den kann man auch mit dem Rad erreichen. Und wenn euch das Spaß macht, dann kann man darüber nachdenken, ein Rennrad anzuschaffen.“ Denn ein Rennrad ist schon eine ziemliche Investition. Die kosten nämlich meist mehrere Hundert und ab und an auch mehr als 1000 Euro.

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