Sylt  Eigenheim auf Sylt: So viel Geld brauchen Sie für ein Haus auf der Nordsee-Insel

Nils Leifeld
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Von Nils Leifeld
| 13.11.2023 15:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Ein Wohntraum für Viele: Eine Immobilie unter Reet in Kampen auf Sylt. Foto: IMAGO/Chris Emil Janßen
Ein Wohntraum für Viele: Eine Immobilie unter Reet in Kampen auf Sylt. Foto: IMAGO/Chris Emil Janßen
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Sylt gilt als einer der teuersten Orte Deutschlands. Aber kann man sich als Normalverdiener neben den teilweise Superreichen überhaupt noch ein Eigenheim auf Sylt leisten? Auf das Einkommen allein kommt es dabei nicht an, sagt ein Sylter Makler.

Sylt gilt als eine der teuersten Orte in Deutschland. Häuser, für die ein zweistelliger Millionenbetrag aufgerufen wird, sind hier keine Seltenheit. Der Hoboken-Weg in Kampen ist bekannt als teuerste Straße in der Bundesrepublik. Wer auf Sylt ein Haus besitzt, der hat es geschafft. Doch ist das auch für einen „Normalo“ möglich, oder nur für die Reichen und Schönen der High Society? Ab welchem Einkommen kann man sich ein Eigenheim auf Sylt leisten?

Der gebürtige Sylter Peter Peters arbeitet seit 1995 als Makler und verkauft Immobilien auf seiner Heimatinsel. Er überblickt den Sylter Immobilienmarkt seit knapp 30 Jahren und weiß, worauf es ankommt, wenn man sich ein Eigenheim auf der Insel zulegen will. „Nur auf das monatliche Einkommen zu schauen, wäre einfach zu ‚einfach‘. Es kommt auf das Eigenkapital und auf das monatliche zur Verfügung stehende Einkommen an.“

Um ein Eigenheim auf Sylt zu kaufen, so Peters, müsse man circa 40 Prozent der Summe an Eigenkapital aufbringen können (dieser Prozentsatz setzt sich laut Peters zusammen aus 30 Prozent Eigenanteil für die Immobilie plus die anstehenden Nebenkosten wie Grunderwerbssteuer von 6,5 Prozent, circa 1,5 Prozent Notar- und Gerichtskosten sowie eventuelle Maklercourtage von 3,57 Prozent inklusive Mehrwertsteuer).

„Bei den „bezahlbareren“ Objekten, die rund 500.000 Euro kosten, wären das immerhin gut 150.000 Euro an Eigenkapital, das vorhanden sein sollte. Und das wären die günstigsten Optionen, denn nach oben hin gibt es da kaum Grenzen“, sagt Peters. „Nicht jeder kann sich ein Eigenheim auf Sylt leisten, genauso wenig wie sich in der Schweiz jeder ein Haus in St. Moritz oder in Österreich in Kitzbühel leisten kann“, sagt der Makler. 

Die „bezahlbareren“ Immobilien auf Sylt, von denen Peters spricht, stehen unter anderem im Dünenpark in List. Dort kostet ein Reihenhaus mit 140 Quadratmetern Wohnfläche eben jene 500.000 Euro, beziehungsweise 520.000 Euro, wenn man zwei Stellplätze mit dazu kauft. 24 davon wurden gebaut, noch zu haben seien weniger als eine Hand voll, sagt Lists Bürgermeister Ronald Benck (CDU). „Wir haben ganz bewusst gesagt, dass wir auch junge Familien hier halten wollen und ein Preis von 500.000 Euro für ein Reihenhaus auf Sylt ist tatsächlich auch für manchen Normalverdiener erschwinglich.“

Der Dünenpark in List ist ein Projekt der BIG-BAU: Auf rund 18 Hektar Fläche entstehen rund 300 Wohneinheiten, „die ausschließlich Sylter Bewohnern, die ihren Hauptwohnsitz und Lebensmittelpunkt auf der Insel haben, vorbehalten sind“, wie die BIG-BAU auf ihrer Internetseite schreibt.

Eine eher grundsätzlichere Antwort auf die Frage, welches Einkommen man für ein Eigenheim auf Sylt braucht, liefert Birthe Thiel, Pressesprecherin der Nord-Ostsee-Sparkasse (Nospa): „Der Kauf eines Eigenheims ist von der Art des Eigenheims, dem Zustand des Eigenheims und der Lage abhängig. Eine Höhe des Einkommens sagt noch nichts über die Finanzkraft eines Käufers aus.“

Sylt gilt schon lange als Lieblingsinsel für Menschen aus ganz Deutschland – sowie teilweise auch aus anderen Ländern. Doch mit der Popularität Sylts sind in den vergangenen Jahrzehnten auch die Immobilienpreise immer weiter angestiegen. Inzwischen sind Objekte im zweistelligen Millionenbereich längst keine Ausnahme mehr. Doch das war nicht immer so.

Ein Blick in alte Ausgaben der Sylter Rundschau verdeutlicht, wie rasant sich die Immobilienpreise zugespitzt haben: Im Juli 1972 steht ein Reetdachhaus (Baujahr 1970) auf einem 1.800 Quadratmeter Hanggrundstück mit Meerblick in der Westerheide für 470.000 Mark zum Verkauf – laut Umrechnungskurs 240.307,18 Euro. Heute müssen Interessierte für ein ähnliches Objekt (Reetdachhaus in der Westerheide mit Wattblick, 120 Quadratmeter Wohnfläche und 2.996 Quadratmeter Grundstück, ebenfalls Baujahr 1970) 2,75 Millionen Euro bezahlen – mehr als zehnmal so viel.

Bereits im Mai 1982 sind die Preise schon kräftig gestiegen. Ein „sehr schönes großzügiges Walmdachhaus“ mit 200 Quadratmeter Wohnfläche auf einem 800 Quadratmeter Grundstück an der südöstlichen Ortsgrenze von Tinnum kostet 550.000 Mark, ein Reetdach-Landhaus in Rantum in Strandnähe mit 200 m² Fläche auf einem 1.400 Quadratmeter Grundstück 950.000 Mark. 40 Jahre und eine Währungsumstellung später kostet allein eine strandnahe Haushälfte in Rantum mit 152 Quadratmeter Wohnfläche und 1.057 Quadratmeter Grundstücksfläche 3,25 Millionen Euro (entspricht 6.356.447 Mark). Der Preis hat sich mehr als versechsfacht, die Fläche auf eine Haushälfte verkleinert.

Die teuersten Häuser auf Sylt stehen heute in Kampen. Mindestens 16 Millionen Euro werden dort für ein Einfamilienhaus auf einem Watt- und Dünengrundstück fällig. Das geht aus dem aktuellen „Wohnimmobilien Marktbericht“ der Hypovereinsbank für Sylt hervor. Doppelhäuser (4,4 bis 10 Millionen Euro) und Reihenhäuser sind laut dem Bericht etwas preiswerter.

Neben Kampen sind vor allem Keitum, Rantum und Braderup sowie die wassernahen Wohnstraßen in den Dünen von List sehr gefragt. Aber auch Morsum, Hörnum und Munkmarsch verfügen über Straßenzüge in den Dünen oder am Wattenmeer, die ebenfalls zu den Top-Lagen mit Spitzenpreisen zählen. Grundsätzlich am teuersten auf Sylt sind Anwesen mit Blick auf das offene Meer beziehungsweise das Watt oder Lagen in den Dünen. Entsprechend werden dabei „Liebhaberpreise“ erzielt, die auch aufgrund des knappen Angebots oft im zweistelligen Millionenbereich liegen. 

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