Gestaltung der Fußgängerzone  Kauffrau ärgert sich über neue Blumenkübel in Aurich

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 16.11.2023 08:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bettina Rademaker ist mit dem Standort der Blumenkübel nicht einverstanden. Fotos: Boschbach
Bettina Rademaker ist mit dem Standort der Blumenkübel nicht einverstanden. Fotos: Boschbach
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Sie sollen Freude spenden und ein Blickfang sein: die XXL-Blumenkübel in der Fußgängerzone von Aurich. Doch bei einigen Geschäftsleuten lösen sie Vorbehalte aus.

Aurich - Rangierende Bagger vor ihrem Ladenlokal gehören für Bettina Rademaker seit mehr als einem Jahr zum Berufsalltag. Die Inhaberin des Wohnaccessoire-Geschäfts „Wohnkooje“ hat die Modernisierung der Fußgängerzone vor ihrer Haustür in der Auricher Burgstraße in einem Tagebuch dokumentiert. Eigentlich glaubte sie, dort vor einigen Tagen das letzte Kapitel aufgeschlagen zu haben, weil die Arbeiten so gut wie beendet sind. Doch die Kauffrau hatte die Rechnung ohne das Mobiliar gemacht.

Darunter versteht man Bänke, Abfalleimer, Leuchten und Spielgeräte, die aus der Fußgängerzone erst das machen, was sie sein soll: ein Boulevard zum Flanieren und Einkaufen. Zum Mobiliar gehören auch rund 80 Zentimeter hohe, zylindrische Pflanzgefäße aus Metall. Von denen hätten am Montag eigentlich zwei vor ihrem Geschäft in der Burgstraße 31 aufgestellt werden sollen. „Ich glaubte, meinen Augen nicht trauen zu können“, sagt die Geschäftsfrau.

„Die haben nicht mit sich reden lassen“

Sie sei weder von der Stadt noch von der mit der Modernisierung beauftragten Firma Strabag im Vorfeld gefragt worden, ob sie damit einverstanden sei. Sie habe gerade noch erreichen können, dass nur ein Pflanzgefäß aufgestellt wurde, und zwar exakt nach einem Plan, auf dem die Position eingezeichnet war.

„Die haben nicht mit sich reden lassen, ob der Kübel vielleicht etwas zur Seite gerückt wird“, ärgert sich Bettina Rademaker. So wie er jetzt dastehe, verdecke er von Weitem den Blick auf ihr Schaufenster. Das solle neugierig machen, es sei die Präsentationsfläche ihrer Waren. Ebenso wie das Areal vor ihrem Ladenlokal. Dort arrangiert sie bei gutem und trockenem Wetter einen Teil ihres Sortiments. Die Flächen, die hierfür erforderlich sind, hat sie von der Stadt gemietet und zahlt eine Sondernutzungsgebühr.

Das Geld ist nicht entscheidend

Diese liegt bei einer Pauschale von 25,50 Euro pro Jahr, soweit nur die ersten 2,50 Meter – von der Fassade aus betrachtet – in Anspruch genommen werden. Alles, was darüber hinausgeht, wird nach Quadratmetern und gestaffelten Beträgen abgerechnet. Die Anlage der Sondernutzungsverordnung der Stadt listet auf zwei DIN-A4-Seiten 29 unterschiedliche Arten der Nutzung auf. Sie reichen von freistehenden Werbetafeln über Vitrinen und Schaukästen bis hin zu Gerüsten. Kurz: Alles, was im städtischen, öffentlichen Raum steht, wird berechnet. Im Übrigen auch Gerüste für Arbeiten an Fassaden. Dafür fallen täglich Gebühren an.

Um das Geld geht es Bettina Rademaker weniger. Sie ärgert sich einfach darüber, dass durch die Kübel nur eine eingeschränkte Präsentation der Waren möglich ist. Außerdem fürchtet sie, dass die XXL-Pflanzgefäße künftig als Abstellplatz für Fahrräder dienen könnten. Die eigentlich dafür angeschafften Ständer fehlen nämlich in der Nähe ihres Geschäftes.

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„Über Geschmack lässt sich nicht streiten“

Das ist ein Punkt, der auch anderen Kaufleuten sauer aufstößt. „Viele von uns beschäftigt die Anordnung der Fahrradständer und anderer Mobiliarteile in Blöcken“, sagt Heida Haltermann. Die Inhaberin des Modehauses Silomon ist Mitglied im Vorstand des Kaufmännischen Vereins (KV). Sie könne nachvollziehen, dass die Stadt einzelne gestalterische Elemente aus optischen Gründen bündele. Das führe aber dazu, dass sich diese vor einigen Geschäften ballten und sehr massiv wirkten. So massiv, dass einige Läden unter Umständen nur schwer zu erreichen seien.

Besonders konzentriert sei dieses Prinzip im Bereich des Textilunternehmens H&M, der Drogerie Rossmann und dem bayerischen Imbiss Bazis Lederhosnsemmel. Heida Haltermann ist bemüht, ihre Worte vorsichtig zu setzen. Sie steht der Modernisierung grundsätzlich positiv gegenüber und sagt: „Über Geschmack lässt sich nicht streiten.“ Das bezieht die Einzelhändlerin auch auf die Pflanzgefäße. Nach ihrem Kenntnisstand werde keines vor ihrem Geschäft in der Burgstraße 2 platziert: „Dort ist auch kein Platz mehr.“ Eine Platane stehe dort, eine Bank, Papierkörbe. Kein Platz also für einen XXL-Blumenkübel.

Die Stadt sagte auf Anfrage, dass in der Innenstadt 16 kleine und zehn große Blumenkübel aufgestellt werden oder wurden. Gemeinsam mit einem Planungsbüro haben man den Wunsch der Bürger nach möglichst viel Grün in der Fußgängerzone umgesetzt. Wegen der vielen Versorgungsleitungen sei die Zahl der zu pflanzenden Bäume begrenzt. Als Ergänzung habe man sich für die Kübel entschieden. „Die gegenwärtigen Standorte stellen eine gleichmäßige und homogene Verteilung von Grünflächen dar“, sagt Bernd Ewerth vom Tiefbauamt der Stadt. Grundsätzlich habe die Verwaltung ein offenes Ohr für „geringfügige Anpassungswünsche“ der Kaufleute. Im Übrigen seien die Bürger durch Workshops und Planungsvorstellungen in den politischen Gremien beteiligt worden.