Hamburg Jobportal für EU-Ausländer? Sozialverband Deutschland begrüßt Pläne aus Brüssel
Mit Plattformen wie „Xing“ und „LinkedIn“ finden Arbeitnehmer und Firmen bereits zusammen. Nun will die EU mit einem eigenen Angebot Ausländern den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern. Kann das in Deutschland der Pflegebranche helfen?
Fachkräftemangel ist längst kein alleiniges deutsches Problem. In der ganzen EU mangelt es in unterschiedlichen Sparten an qualifiziertem Personal. Einem Umstand, den die EU-Kommission nun tatkräftig entgegenwirken möchte. Mit einem „EU-Talentpool“ sollen „die Karten neu gemischt“ werden, wie es in einer Mittelung der Kommission diese Woche hieß.
Bislang sei es es noch teuer und kompliziert ausländische Fachkräfte anzuwerben. Angedacht ist nun eine Art Stellenbörse, explizit für Menschen aus sogenannten Drittstaaten. Hier sollen Fachkräfte aus allen Berufszweigen aus Nicht-EU-Ländern die Unternehmen finden, die sie suchen – und umgekehrt. Ein Prinzip, das grob vergleichbar mit Geschäftsnetzwerken wie „LinkedIn“ und „Xing“ sein dürfte.
Das Vorhaben dürfte in Deutschland vor allem im Pflegesektor für Aufmerksamkeit sorgen. Bereits seit 2012 versucht die Bundesregierung ausländische Fachkräfte für die Pflege zu gewinnen – etwa aus Vietnam, Tunesien, Mexiko und Brasilien.
Sprachbarrieren und vor allem auch die Anerkennung von Berufsabschlüssen stehen solchen Plänen immer wieder im Weg. Gerade letzteres solle nach Wunsch der EU-Kommission jetzt vereinfacht und beschleunigt werden.
„Der Vorstoß der Europäischen Kommission für einen neuen Talentpool, der die Arbeitsmigration und die Anerkennung von Abschlüssen erleichtern soll, kommt daher genau zur richtigen Zeit“, teilt Michaela Engelmeier unserer Redaktion mit.
Die Vorsitzende des Sozialverbandes Deutschland (SoVD) verweist auf die eklatante Lücke, die in Pflege derzeit prognostiziert wird. Nach Berechnungen des Institutes für Wirtschaft Köln werden bis 2035 knapp 500.000 Fachkräfte in den Heimen und bei den ambulanten Pflegediensten benötigt.
Für Engelmeier braucht es aber weit mehr als nur einen leichteren Zugang, um dem Pflegeproblem entgegenzutreten: „Nur wenn sich die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung sozialer Berufe endlich verbessern, können wir nachhaltig Fachkräfte sichern – nämlich sowohl von inländischen als auch von ausländischen Fachkräften“, so die SoVD-Vorsitzende.
Vor einem Jahr startete die EU bereits ein Pilotprojekt, explizit für Ukraine-Flüchtlinge. Schon da war klar, dass man die Plattform gerne im großen Stil ausweiten möchte.
Die EU-Kommission will darüber hinaus Druck auf die Länder machen, entsprechende Reformen auf den Weg zu bringen. Sie selbst kann nur empfehlen und beraten. Die einzelnen Staaten sollen Ausländern den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern. Bis 2030 werde die Zahl der Erwerbstätigen EU-weit auf 258 Millionen Menschen absinken, hieß es in der Mitteilung weiter.
Wie wirkungsvoll diese Aktion sein wird, an der die Mitgliedsstatten freiwillig teilnehmen können, bleibt abzuwarten. Zunächst müssen EU-Parlament und EU-Rat über die Vorschläge beraten. Bis zur Europawahl 2024 dürfte eine Umsetzung allerdings schwierig werden.