Energiespeicher in Ostfriesland In Etzel sollen bald neue Kavernen gebaut werden
Für die Energiewende wird andere und mehr Energie gebraucht. Und auch die muss unterirdisch gespeichert werden können, so wie Öl und Erdgas. Das hießt: Im Untergrund von Etzel wird wieder gebohrt.
Etzel - Auf dem Kavernengelände der Storag Etzel wird sich voraussichtlich in den kommenden Jahren einiges tun. Nicht nur oberirdisch, sondern auch tief unten, im Boden unter der Friedeburger Ortschaft. „Wir gehen davon aus, dass zwischen 2026 und 2030 neue Kavernen ausgesolt werden“, sagt Boris Richter, Geschäftsführer des Kavernenbetreibers in Etzel. Das hänge aber tatsächlich von der Nachfrage der Kunden ab, von den Energieunternehmen also, die ihre Rohstoffe auf dem Kavernengelände unterirdisch speichern. Noch jedenfalls laufe kein Solbetrieb, so Richter. Aussolen ist der Fachbegriff für das Ausspülen des Untergrunds mittels Sole, in diesem Fall Salzwasser aus der Nordsee. Nach jahrelangem steten Ausspülen entsteht auf diese Weise ein großer unterirdischer Hohlraum.
Im Grund unter Etzel und den umgebenden Ortschaften liegt ein Salzstock, in den schon jetzt 75 Kavernen gebaut sind, enorme längliche Hohlräume also, in denen Öl und Gas lagern. Zugelassen sind hier insgesamt 99 Kavernen. Tatsächlich gibt es nach Angaben der Storag im Nordfeld der Anlage – also nördlich der Horster Straße – bereits elf halbfertige Kavernen. Sollte die Nachfrage nach diesen Speicherplätzen kommen, so würde es etwa drei bis vier Jahre dauern, bis sie betriebsbereit sind, so Richter.
Platz für Wasserstoff
Diese elf halbfertigen Kavernen würden voraussichtlich zur Speicherung von Wassersoff dienen. Bei der Storag Etzel bereitet man sich auf die Wasserstoffwirtschaft vor, die aktuell noch im Entstehen ist. Denn zum einen sollen an der Küste große Elektrolyseure gebaut werden, um selbst Wasserstoff zu produzieren. Und zum anderen soll perspektivisch über Wilhelmshaven Wasserstoff per Schiff importiert weden. Um den Energieträger Wasserstoff aber auch zwischenlagern zu können, sollen unterirdische Kavernen umgenutzt oder auch neu gebaut werden. In zwei Testkavernen wird das Einspeichern von Wasserstoff auf dem Storag-Gelände bereits erprobt.
Das Kavernenfeld bei Etzel ist eines der größten in Nordwesteuropa. Hier lagern in 24 der unterirdischen Hohlräume große Mengen Öl. 51 Kavernen sind mit Erdgas gefüllt. Der Standort ist auch an das schwimmende LNG-Terminal in Wilhelmshaven angeschlossen. Die im vergangenen Jahr neu gebaute Leitung vom Terminal zu den Kavernenplätzen soll so gebaut sein, dass sie künftig auch Wasserstoff transportieren kann. Das wurde während der Bauphase von Politikern wie Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) immer wieder betont.
Was noch kommt
Neben den elf halbfertigen Kavernen kann der Kavernenbetreiber noch 13 weitere Kavernen in den Salzstock unter Etzel bauen – dann sind die bergrechtlich zugelassenen 99 Plätze voll. Die Storag hat allerdings schon Pläne, die darüber hinausgehen. So hat sie einen benachbarten Salzstock in den Blick genommen, er liegt etwas nördlicher, grob gesagt, zwischen den Städten Wittmund und Jever.
Das Unternehmen hatte Ende 2022 beim niedersächsischen Landesbergbauamt (LBEG) einen bergrechtlichen Bewilligungsantrag zur Sicherung der freien Bodenschätze für den Salzstock Jever-Berdum gestellt. Das ist der formale Weg, um sich überhaupt ein Recht zum Bau in diesem Salzstock zu sichern. Eine Entscheidung gibt es noch nicht, beim LBEG wartet man noch: „Wenn alle für die Entscheidung erforderlichen Unterlagen vorliegen, wird über den Antrag entschieden“, schreibt die Behörde auf Nachfrage. Wann das der Fall sei, könne man seriös noch nicht absehen, sagt LBEG-Sprecher Eike Bruns noch. Erstmal gehe es bei dieser Entscheidung auch nur um das grundsätzliche Recht, dort tätig zu werden. Gebaut wird dann nicht gleich. Dafür sind noch eine Reihe weiterer Verfahren und Genehmigungen nötig.