Tankstellenüberfall vor Gericht  Tankstellen-Räuber wollte Geld für einen Autokauf

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 23.11.2023 18:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Vor dem Landgericht geht es derzeit darum, wie ein Tankstellenüberfall im Juni zu bewerten ist. Foto: Archiv/Ortgies
Vor dem Landgericht geht es derzeit darum, wie ein Tankstellenüberfall im Juni zu bewerten ist. Foto: Archiv/Ortgies
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Seit Donnerstag muss sich 26-Jähriger vor dem Landgericht wegen räuberischer Erpressung verantworten. Er soll im Juni in Warsingsfehn einen Mann niedergestochen haben.

Aurich/Warsingsfehn - „Überfall, Geld her!“ Mit diesem Befehl soll ein 26-Jähriger am Montag, 5. Juni, gegen 10 Uhr in einer Tankstelle in Warsingsfehn einen Kassierer unter Druck gesetzt haben. Weil der nicht sofort reagierte, soll der Mann einen anderen Kunden in seine Gewalt gebracht und mit einem Messer lebensgefährlich verletzt haben. Wegen dieser Tatvorwürfe muss er sich seit Donnerstag vor der Großen Strafkammer am Auricher Landgericht verantworten. Ihm wird besonders schwere räuberische Erpressung zur Last gelegt. Der 26-Jährige war offenbar bei den früheren Befragungen durch die Polizei sehr verschlossen, schwieg, machte einen apathischen Eindruck.

Geldmangel war Tatmotiv

Auch die Frage des Vorsitzenden Richters Malte Sanders, ob er jetzt aussagen wolle, verneinte der Angeklagte zunächst. Doch nach etwa einer Viertelstunde korrigierte der Mann seine Antwort. Er wolle nicht von sich aus reden. Wenn er aber gefragt werde, würde er reagieren, hieß es dann. Das Motiv für die Tat war nach seinen Angaben Geldmangel. Er habe sich ein Auto oder ein Motorrad kaufen wollen. Die 410 Euro, die er vom Landkreis Leer als monatliche Unterstützung erhalte, reichten dafür nicht aus. Zum Messer habe er gegriffen, weil er sich von dem Kassierer bedroht gefühlt habe. Auf Nachfrage des Richters hieß es, er habe ein Gewehr oder eine Pistole neben der Kasse gesehen. Im weiteren Verlauf der Verhandlung war immer wieder die Rede von Halluzinationen, die der Angeklagte gehabt haben soll.

Psychiaterin kommt zum Zug

Das Gericht steht jetzt vor der Aufgabe, herauszufinden, ob der mutmaßliche Räuber wegen einer möglichen Psychose nicht zurechnungsfähig sein könnte und deshalb die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet werden muss. Als Gutachterin begleitet Dr. Yvonne Perschke den Prozess. Ob er damit einverstanden sei, dass die Fachärztin für Psychiatrie ihn am Wochenende besuche, um ihm Fragen zu stellen, wollte das Gericht vom Angeklagten wissen. Der gebürtige Ivorer ließ über seinen Dolmetscher mitteilen, dass „sie das machen soll, wenn sie es möchte“. Nach der Auswertung dieser Aussagen wird sich das Gericht vermutlich einen besseren Eindruck von den bisherigen Lebensumständen des 26-Jährigen machen können. Daran ist auch Sandra Baumann interessiert. Die Rechtsanwältin vertritt den 73-Jährigen, der im Juni in der Tankstelle Opfer der Messerattacke geworden ist.

Messer verursachte zunächst nur einen „Pieks“

Der Mann aus Moormerland sagte am Donnerstag vor Gericht aus, dass ihm der Angeklagte sofort wegen dessen „leichter Nervosität“ aufgefallen sei. Seine tänzelnden Bewegungen und seine Mimik hätten ihn verraten. Die Messerattacke habe er aber nicht kommen sehen, sagte der Rentner. Instinktiv habe er versucht, die Hand des Angreifers abzuwehren. Vergebens. Als das Messer in seinen Oberschenkel eingedrungen sei, habe er zunächst nur „einen Pieks“ gespürt. Dass es eine schwerere Verletzung sein könnte, habe er geahnt, als die Tankstellenbetreiberin mit einem Handtuch zur Wunderstversorgung auf ihn zugestürzt sei. Rasch sei auch eine medizinische Fachangestellte von der Hausarztpraxis auf der gegenüberliegenden Straßenseite bei ihm gewesen und habe die Blutzufuhr abgebunden. Nach der Notoperation in der Klinik habe es geheißen, er habe großes Glück gehabt, dass nicht die Hauptvene getroffen worden sei. Mittlerweile sei die Wunde zwar gut verheilt, er spüre aber immer noch Beeinträchtigungen, sei nicht so schnell wie früher. Die Verhandlung wird am Donnerstag, 30. November, um 9 Uhr fortgesetzt.

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