Aufmerksamkeit für Tabuthema  Gewalt kommt nicht in die Tüte

| | 24.11.2023 16:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein als Silhouette abgebildeter Mann droht einer Frau mit der Faust. Szenen wie diese spielen sich täglich überall auf der Welt ab. Darauf soll mit einem Aktionstag gegen Gewalt an Frauen aufmerksam gemacht werden. Foto: Archiv/Strobel/dpa
Ein als Silhouette abgebildeter Mann droht einer Frau mit der Faust. Szenen wie diese spielen sich täglich überall auf der Welt ab. Darauf soll mit einem Aktionstag gegen Gewalt an Frauen aufmerksam gemacht werden. Foto: Archiv/Strobel/dpa
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Der 25. November ist ein Aktionstag zur Bekämpfung von Gewalt in jeder Form gegenüber von Frauen und Mädchen. Ostfriesische Bäckereifilialen machen auf das Thema aufmerksam.

Wittmund/Ostfriesland - Wer sich am Sonnabend, 25. November, nach einem Besuch beim Bäcker über das Aussehen seiner Brötchentüte wundert, der hat möglicherweise in einer der vielen an einer besonderen Aktion teilnehmenden Filialen in Ostfriesland eingekauft. Mit dem Schriftzug „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ sowie einem QR-Code für weiterführende Informationen wie die Nummer des kostenlosen Hilfetelefons 116 016 wird ein internationaler Aktionstag sichtbar gemacht. Der Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen soll ein Tabuthema in die öffentliche Wahrnehmung rücken. „Es soll eine Signalwirkung haben“, wünscht sich Ilona Hennig. Allein 6000 Tüten sollen darum in mehr als 20 Filialen im Wittmunder Kreisgebiet über den Bäckertresen gehen.

Elke Eilts, Vorsitzende der Kreislandfrauen Wittmund, verpasst der orangefarbenen Bank den letzten Schliff. Am 25. November 2023 wird die im Combi in Wittmund Platz für Gespräche zum Aktionstag gegen Gewalt an Frauen bieten. Foto: Privat
Elke Eilts, Vorsitzende der Kreislandfrauen Wittmund, verpasst der orangefarbenen Bank den letzten Schliff. Am 25. November 2023 wird die im Combi in Wittmund Platz für Gespräche zum Aktionstag gegen Gewalt an Frauen bieten. Foto: Privat

Geschlechtsspezifische Gewalt, statistisch besonders oft ausgeübt in Partnerschaften, ist ein großes Thema, über das jedoch nur selten gesprochen wird, sagt die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Wittmund. „Es geht darum, die Augen nicht davor zu verschließen.“ Laut Zahlen des Bundeskriminalamtes ist in Deutschland jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Am Aktionstag sollen die Schicksale dieser Frauen gehört und gesehen werden: Hennig wird gemeinsam mit der Kreisarbeitsgemeinschaft der Landfrauen um die Vorsitzende Elke Eilts und Mitarbeitern des Präventionsrates Harlingerland im Combi-Verbrauchermarkt in Wittmund für Gespräche bereitstehen. Ein Organisationsteam des Landkreises Wittmund ist erstmals an der Gemeinschaftsaktion der Präventionsräte und Gleichstellungsbeauftragten des Nordwestens beteiligt.

Flächendeckende Aktionen zum Orange Day

Gleichzeitig ist der Aktionstag auch Auftakt der Orange Days: 16 Tage, die auf die Gewalt gegen Frauen und Mädchen hinweisen sollen. Flächendeckend werden am Sonnabend sichtbar Zeichen gesetzt: In Aurich beispielsweise werden orangefarbene Einkaufstaschen verteilt. Der Frauenrat Zelal lädt von 10 bis 18 Uhr an einem Gedenkstand für die unzähligen Frauen, die Opfer von Gewalt wurden oder aktuell sind, ein. Zu finden ist der vor der Oldenburgischen Landesbank in der Osterstraße 8 in Aurich.

Hennig ist gespannt auf die Gespräche, die sich in Wittmund im Umfeld der orangefarbenen Bank der Landfrauen ergeben könnten. Gespräche auch darüber, wie jeder Einzelne den Blick auf sein Umfeld schärfen kann. „Wir müssen sensibler werden. Es gibt viele verschiedene Themen. Es sind nicht nur die Schläge.“ Gewalt habe unzählige Facetten. Es gehe darum, diese auch wahrzunehmen. Als Opfer und als Freund, Nachbar oder Arbeitskollege gleichermaßen, erklärt sie. Denn: „Das eigene Umfeld merkt es am ehesten.“ Hennig meint, es sei wichtig, dass sich betroffene Frauen nicht allein fühlen. Wer informiert ist, könne gezielt Angebote machen – ohne zu verurteilen oder zu drängen.

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