Badesee Tannenhausen Freibad oder Badestelle?
Die Stadt Aurich prüft die Abstufung des Badesees Tannenhausen zur Badestelle. Dahinter steckt eine Möglichkeit, Geld zu sparen.
Aurich - Am Badesee Tannenhausen weht die rote Fahne im Wind. Sie zeigt an, dass keine Badeaufsicht vor Ort ist. Im November ist das keine große Überraschung, der Ansturm an Schwimmer hält sich in Grenzen. Aber auch im kommenden Sommer kann es häufiger vorkommen, dass am Badesee Tannenhausen die rote Fahne weht. Denn die Stadt Aurich prüft derzeit, ob sie in der kommenden Saison mit weniger Rettungsschwimmern auskommen kann. Einer Ihlower Firma, die am Badesee aufpasste, wurde bereits gekündigt. Mit der DLRG Aurich sollen Gespräche geführt werden, wie künftig der Betrieb am Badesee organisiert werden kann.
Zuvor jedoch werden im Dezember Vertreter der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen den Badesee begutachten. Das sagt Aurichs Kämmerin Katja Lorenz auf Anfrage unserer Zeitung. Es soll festgestellt werden, ob es sich bei dem Angebot in Tannenhausen um ein Freibad oder um eine Badestelle handelt. Bei letzterer könnte man die Badeaufsicht herunterfahren, so die Kämmerin.
Neues Kassensystem für „De Baalje“
An heißen Tagen mit viel Betrieb ist die DLRG nach der derzeitigen Praxis mit fünf Rettungsschwimmern am Badesee im Einsatz. Ist im Sommer bei regnerischem Wetter weniger los, wird auch bei der DLRG das Personal reduziert. Dabei handelt es sich bei den Rettungsschwimmern in ihrer rot-gelben Kleidung nicht um Angestellte der Stadt Aurich. Es sind ehrenamtliche Rettungsschwimmer der DLRG Aurich, die in ihrer Freizeit am Badesee aufpassen, dass nichts passiert. Die Stadt zahlt den freiwilligen Helfern Aufwandsentschädigungen.
Gekündigt wurde auch der Firma, die bislang am Badesee für die Sicherheit zuständig war. Stattdessen wurde nun die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen beauftragt. Diese wird sich im Dezember auch das „De Baalje“ anschauen. Dort soll in den kommenden Wochen kräftig investiert werden. Rund 200.000 Euro, so Lorenz, werden für das neue Kassensystem ausgegeben. Auf den ersten Blick viel Geld. Aber die Kämmerin relativiert die Summe. „Über das System werden auch die Gastronomie und die Spinde abgerechnet.“ Für die Spinde müsse auf jeden Fall ein neues Schließsystem erworben werden, das mit dem neuen Kassensystem kompatibel sei. Wenn es schlecht laufe, so Lorenz, müssten die Spinde komplett ausgetauscht werden.
Tarifstruktur soll einfacher werden
Erst zehn Jahre alt ist das Kassensystem des „De Baalje“. Dennoch ist es nicht mehr möglich, neue Preise oder Tarife zu programmieren. Aurich war laut Lorenz eine der ersten Kommunen mit diesem System. Andere, die der Stadt Aurich als Referenz gedient hätten, hätten das Kassensystem bereits vor fünf Jahren ausgetauscht, weil es zu anfällig sei.
Wenn das neue System eingebaut ist, soll als erstes die Tarifstruktur überarbeitet werden. „Wir haben dort momentan 70 Tarife“, so Lorenz. Eine große Anhebung der Preise erwartet sie aber trotz der momentan eher desolaten Haushaltslage nicht.
Schwimmen auf eigenes Risiko
Weniger Rettungsschwimmer am Badesee Tannenhausen
Baywatch-Sommer am Ihler Meer
Rettungsschwimmer starten mit Verzögerung
Relative Kontinuität in der nächsten Saison am Badesee erwartet auch Björn Raap, Vorsitzender der DLRG Aurich. Voraussichtlich im Januar sollten Gespräche über die Feinheiten des neuen Badeaufsichtskonzepts der Stadt Aurich geführt werden. „Unser Einsatz wird erst mal so weitergehen wie bisher“, so Raap. Er werde sogar eher umfangreicher, denn nachdem die Stadt der Ihlower Sicherheitsfirma gekündigt habe, die bislang immer den Wachleiter am Badesee gestellt habe, übernehme die DLRG nun auch diese Aufgabe.
DLRG übernimmt eine weitere Aufgabe
Dazu müsse schon jetzt die Vorbereitung beginnen. Denn zum einen sei Nachwuchs bei den Rettungsschwimmern in jedem Jahr gesucht und müsse im Winter auf die Saison hin qualifiziert werden. Dazu zählt neben dem obligatorischen Erste-Hilfe-Nachweis auch mindestens ein Rettungsschwimmerabzeichen Bronze für die Nachwuchsaufsichtskräfte am Badesee. Zum anderen brauchen die Rettungsschwimmer, die dort in Zukunft die Wachleitung übernehmen, neben dem Erste-Hilfe-Schein mindestens den Rettungsschwimmer-Schein Silber sowie eine interne Fortbildung im Wasserrettungsdienst. Und sie müssen volljährig sein. Die DLRG sei immer auf der Suche nach Interessierten, die dann im Winter und Frühling die nötigen Qualifizierungen durchlaufen, sagte der Auricher DLRG-Vorsitzende.
DLRG reagierte hochflexibel auf Bedarf
Raap geht davon aus, dass die Aufsichtszeiten in der nächsten Saison bleiben wie bisher. Von Mitte Mai bis Mitte September dauerte die Saison für die DLRG, so sei es mit der Stadt vereinbart. Die Retter waren bisher – je nachdem, ob Feriensaison war oder nicht – von vormittags beziehungsweise mittags bis zum frühen Abend vor Ort, bei großem Andrang auch mal länger.
Wie viele Rettungskräfte gebraucht wurden, entschied von Tag zu Tag ein städtischer Mitarbeiter vor Ort, so Raap. Diese Zahl wurde dann – in der Regel für den Folgetag, selten auch kurzfristiger – an Julia Austen, die Koordinatorin der DLRG, weitergegeben, die die Schichten dann einteilte. Wenn sich vor Ort dann gezeigt habe, dass weniger Besucherandrang herrscht als erwartet, seien einige der DLRG-Retter durchaus auch mal nach einer Stunde wieder nach Hause gefahren. Insgesamt habe die DLRG in diesem Jahr einen Pool von 20 bis 25 Rettungsschwimmern gehabt, auf den sie habe zugreifen können.
„Es ist schon regelmäßig erforderlich, dass wir medizinisch unterstützen“
Und wie häufig werden die Rettungsschwimmer tätig? „Große Notfalleinsätze hielten sich nach meiner Kenntnis in dieser Saison in Grenzen“, so Raap. Lediglich im Mai habe es einen größeren Einsatz mit Rettungshubschrauber-Alarmierung nach einem Unfall gegeben. Ansonsten umfasse das Spektrum auch die Betreuung bei Kreislaufproblemen und die Versorgung mit Pflastern bei kleineren Verletzungen. „Aber es ist schon regelmäßig erforderlich, dass wir medizinisch unterstützen“, so Raap.