Hannover Miriam Staudte: Von der Sozialarbeiterin zur Landwirtschaftsministerin
Schon als Kleinkind war Miriam Staudte politisch interessiert. Ein Porträt über Niedersachsens Landwirtschaftsministerin (Grüne), die über zwei besondere Berechtigungen verfügt und erst kürzlich mit einem Erlass zu Rindertransporten Schlagzeilen machte.
Es scheint, als sei Miriam Staudte als politischer Mensch auf die Welt gekommen. „Schon im Kindergarten habe ich die anderen Kinder gefragt, was ihre Eltern wählen“, erinnert sich die 48-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion und lächelt. Überhaupt ist die zweifache Mutter, die nach eigenen Worten „sehr ländlich“ aufgewachsen ist und schon früh Erfahrungen in der Landwirtschaft gesammelt hat, ein freundlicher Charakter.
Doch bei aller Freundlichkeit weiß Miriam Staudte, was sie will – und was sie nicht will: So hat ihr Ministerium erst Ende voriger Woche Rindertransporte in 17 EU-Drittstaaten untersagt, um den Tierschutz zu stärken.
Persönlich wollte Miriam Staudte Landwirtschaftsministerin von Niedersachsen werden. Hat geklappt. Nach der Landtagswahl im Oktober vorigen Jahres war es endlich soweit. Rot-Grün ging unter Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) eine Koalition ein. Da Staudte – seit 2008 als Agrarexpertin für die Grünen im Landtag – den landwirtschaftlichen Teil des Koalitionsvertrages für ihre Partei mitverhandelt hatte, lag es auf der Hand, dass sie Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz werden würde.
„Überrascht hat mich das nicht“, gibt sie offen zu, räumt aber auch ein, dass es sich zunächst ein „bisschen unwirklich“ angefühlt habe, ein Ministeramt zu bekleiden.
Nach dem Abitur in Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein) absolvierte Staudte zunächst eine Ausbildung zur Diplom-Sozialpädagogin/-Sozialarbeiterin, engagierte sich aber auch immer politisch, gründete einst mit einer Freundin eine Ortsgruppe der Grünen Jugend und schaffte schließlich über den Lüneburger Kreistag den Sprung in den Landtag, wo sie sich schnell als Spezialistin für Agrarthemen profilierte.
Während ihre Mutter als Lehrerin arbeitete, kümmerte ihr Vater sich vorrangig um sie und ihre elf Jahre jüngere Schwester, die mittlerweile als Politiklehrerin in Niedersachsen tätig, aber selbst nicht politisch engagiert ist. Heute lebt Staudte in einem kleinen Ort mit nicht einmal 30 Einwohnern im Landkreis Lüchow-Dannenberg.
Während sie die Woche in Hannover verbringt und dort ein kleines Appartement bewohnt, genießt sie die Wochenenden mit ihrer Patchwork-Familie auf einer Hofgemeinschaft. Dabei haben ihre 20 und 22 Jahre alten Kinder bislang keine Ambitionen, in die politischen Fußstapfen ihrer Mutter zu treten. Der Ältere studiert Kommunikationswissenschaften in Amsterdam, der Jüngere wird Zimmermann.
Bleibt noch Zeit für Hobbys? „Wenig“, gesteht die Ministerin. Wenngleich sie über einen Angel- und einen Jagschein verfüge, könne sie doch am besten bei einem ausgedehnten Waldspaziergang mit ihrem Hund abschalten.