Osnabrück  Kita-Notstand: Die Bundesregierung hat nichts dazu gelernt

Marion Trimborn
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Von Marion Trimborn
| 28.11.2023 13:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
In Deutschland fehlen rund 400 000 Kita-Plätze. Eltern protestieren gegen massive Kita-Ausfälle Foto: dpa/Carmen Jaspersen
In Deutschland fehlen rund 400 000 Kita-Plätze. Eltern protestieren gegen massive Kita-Ausfälle Foto: dpa/Carmen Jaspersen
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Trotz Rechtsanspruch fehlen noch hunderttausende Kita-Plätze in Deutschland, wie eine Bertelsmann-Studie zeigt. Die Politik muss dringend umsteuern.

Es ist ein Armutszeugnis: Deutschland, eines der reichsten Industrieländer der Welt, schafft es nicht, ausreichend Kita-Plätze für seine kleinsten Bürger bereit zu stellen. Obwohl es seit fast 30 Jahren - seit 1996 - den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Drei- bis Sechsjährige gibt, fehlen einer Bertelsmann-Studie zufolge derzeit rund 430 000 Kita-Plätze im Land. Das ist eine Bildungs-Katastrophe.

Die Folgen liegen auf der Hand: Vielen Kindern, vor allem aus sozial schwachen Familien, werden Bildungschancen vorenthalten. Migranten-Kinder können nicht die deutsche Sprache lernen, ihre Integration wird verzögert. Mütter, die gerne wieder in ihren Job einsteigen würden, bleiben wegen fehlender Betreuung dem Arbeitsmarkt fern. Das kann sich die Bundesrepublik, die unter Fachkräftemangel leidet, gar nicht leisten.

Dabei zeigen alle Studien: Was in den ersten sechs Jahren nicht an Grundlagen gelegt wird, können die Kinder nur sehr schwer aufholen. Für jeden Euro, der in Kitas investiert wird, spart die Gesellschaft etwa vier Euro an Folgekosten.

Wie kann die Politik da bloß wegschauen? Seit Jahren dauern Genehmigungsverfahren zu lange, seit Jahren werden Prioritäten falsch gesetzt. Was Deutschland braucht, ist eine kinderfreundliche Politik, die die Kleinsten in den Fokus rückt. 

Um die Kita-Misere zu beseitigen, brauchen wir vor allem mehr Erzieher und Erzieherinnen. Und ja - das wird Geld kosten, um mehr Berufsanfänger zum Einstieg zu bewegen. Die aktuelle Forderung der  Gewerkschaften GEW und Verdi mit 10 Prozent mehr Gehalt ist dazu wohl unumgänglich, auch wenn das gerade nicht in die aktuelle Haushaltslage passt. 

Unsere Kinder sind unsere Zukunft. Wer hier sparen will, spart dann eben auch an der Zukunft der Republik und muss dann später die horrenden Folgekosten tragen, so einfach ist das. Politiker, die jetzt einfach kürzere Öffnungszeiten für Kitas fordern, haben diese Zusammenhänge nicht verstanden. 

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