Osnabrück Ombudsmann, Ansprechpersonen, Beauftragte: An wen sollen sich Missbrauchsbetroffene wenden?
Im Bistum Osnabrück gibt es mittlerweile viele Menschen, die sich mit dem Umgang mit sexualisierter Gewalt auseinandersetzen. Welche Rolle spielt der neue Ombudsmann für Betroffene?
Für Betroffene sexualisierter Gewalt im Bistum Osnabrück gibt es einen weiteren Ansprechpartner: Ombudsmann Simon Kampe. Neben ihm kommen auch noch die sogenannten unabhängigen Ansprechpersonen in Frage, insgesamt drei Personen, sowie eine sogenannte unabhängige Beauftragte, deren Amt derzeit neu besetzt wird.
Welche Rolle also wird Simon Kampe einnehmen und was bedeutet das für Betroffene? Bei einer Pressekonferenz am Dienstagvormittag gingen Kampe und Heinz-Wilhelm Brockmann auf Kampes Befugnisse und Zuständigkeiten ein. Brockmann ist Sprecher der sogenannten Monitoring-Gruppe im Bistum Osnabrück, die sich mit der Aufarbeitung und dem Umgang von Fällen sexualisierter Gewalt beschäftigt. Die Gruppe ist das höchste Gremium, dass sich mit dem Thema beschäftigt und hat weitreichende Befugnisse.
Grundsätzlich, so betonten die Verantwortlichen, stehe es jedem Betroffenen frei, sich an einen beliebigen Ansprechpartner zu wenden – an die Ansprechpersonen ebenso wie an den Ombudsmann. Theoretisch auch an die sogenannte unabhängige Beauftragte. Allerdings hat diese eher den Auftrag, in die Institution hineinzuwirken und zu kontrollieren, dass die Kirche mit konkreten Fällen korrekt umgeht.
Kampe dagegen darf etwa auf einen Fonds zugreifen, den das Bistum ab dem nächsten Jahr mit 50.000 Euro ausstattet. Daraus sollen schnelle Hilfen für Betroffene finanziert werden, zum Beispiel Fahrt- und Unterbringungskosten, aber auch ein Erstgespräch beim Anwalt, wie Brockmann bestätigte. Mit Blick auf den Ombudsmann sagte er: „Er und er allein entscheidet, ob die Hilfe in diesem Fall gewährt wird.“ Darüber hinaus kann Kampe etwa psychologische Beratung vermitteln, aber auch Gesprächswünsche mit der Bistumsleitung.
Kampe wird vom Bistum bezahlt, weisungsbefugt ist ihm gegenüber aber die Monitoring-Gruppe, nicht die Bistumsleitung. Der Ombudsmann, der zuvor im Bistum Münster gearbeitet hatte, betonte: „Ich kenne hier niemanden. Ich schulde hier niemandem einen Gefallen.“ Der 38-Jährige ist Sexualpädagoge und Fachkraft in der Präventionsarbeit. Er sei „unerschrocken“ beim Thema sexualisierte Gewalt, erklärte Kampe und signalisierte: Wenn sich Interessen der Kirche und von Betroffenen gegenüberstünden, würde er sich auf die Seite der Betroffenen stellen.
Und an wen sollen sich die Betroffenen nun wenden? Kampe betonte, das stehe grundsätzlich jedem frei. Er könne aber auch an die unabhängigen Ansprechpersonen weiterleiten und umgekehrt – je nach Fragestellung. „Wichtig ist, dass die Betroffenen die Hoheit über ihren Fall haben“, sagte Kampe. Der Ombudsmann ist seit dem 10. November im Dienst. Seitdem haben sich laut Kampe bereits rund zehn Betroffene bei ihm gemeldet, mal für eine kurze Information, mal für längere Gespräche.