Umweltpolitik und Logistik Kommende Lkw-Maut sorgt für Frust bei lokalen Unternehmen
Transportunternehmer Christian Siebels aus Walle sieht das Ziel der Maut verfehlt. Diese soll eigentlich für mehr umweltfreundliche Lkw sorgen. Andere Auricher Firmen äußern sich ebenfalls kritisch.
Aurich - Transportunternehmer Christian Siebels aus Aurich ist frustriert. Der Grund: Mit dem neuen CO2-Aufschlag auf die Lkw-Maut ab dem 1. Dezember belastet die Bundesregierung seiner Ansicht nach Unternehmen und Verbraucher unverhältnismäßig. Das Ziel der Maut, für mehr emissionsfreie Lastwagen zu sorgen, sei derzeit nicht umsetzbar. Davon sind Siebels und andere Auricher Firmen überzeugt.
Als emissionsfrei gelten beispielsweise Lastwagen mit Elektroantrieb. Diese seien aber derzeit nicht ausreichend verfügbar, sagt Siebels. Nach seinem Kenntnisstand plane MAN, für den deutschen Markt lediglich 300 solcher Fahrzeuge im nächsten Jahr herzustellen. Auch die Produktionen anderer Hersteller würden den Bedarf für die etwa 14.500 Speditionen in Deutschland nicht abdecken können. Fraglich sei ohnehin, ob diese Neufahrzeuge Abnehmer finden. Selbst mit staatlichen Zuschüssen seien diese zu teuer, so Siebels. Ein weiteres Problem sei die Zuverlässigkeit elektrobetriebener Lkw. Darauf weist Felix Rehwald, Sprecher für Enercon, hin. Die Fahrzeuge seien „im Fernverkehr generell nur beschränkt einsetzbar aufgrund von begrenzten Reichweiten und langen Ladezeiten“.
Transportunternehmer Siebels: „Wir bräuchten für unseren Bedarf einen eigenen Windpark“
Ein Fuhrpark mit E-Lkw benötigt außerdem eine ausreichende Lade-Infrastruktur. „Wir bräuchten für unseren Bedarf einen eigenen Windpark“, sagt Siebels.
Durch den größeren Stromverbrauch entsteht ein weiteres Problem, erklärt Theo Bohlen, Kunststofflieferant aus Schirum. Ein zusätzlicher Kostenfaktor seien in diesem Zusammenhang die aktuell gestiegenen Strompreise. Bohlen schlägt daher vor, den C02-Aufschlag für mindestens ein Jahr zu verschieben. Für die Einführung der neuen Mautkosten zum geplanten Zeitpunkt habe er „kein Verständnis“.
Unternehmen wollen gestiegene Kosten auf Kunden umlegen
Mit der neuen Maut fallen für jede ausgestoßene Tonne C02 eines Lkw ab dem 1. Dezember 200 Euro an. Siebels rechnet daher mit 83 Prozent höheren Transportkosten im nächsten Jahr. Spediteure und Firmen könnten das nicht allein auffangen. Würde er seine Kosten auf die Kunden umlegen, habe das deutliche Folgen. Er müsse dann die Preise um etwa 15 Prozent erhöhen.
Das Unternehmen von Siebels liefert Baustoffe wie Kies oder Sand. Eine Branche, die ohnehin derzeit von gestiegenen Preisen belastet ist. Doch von der neuen Maut sind alle Waren betroffen, die mit Lastwagen transportiert werden. Auch die Molkerei Rücker nimmt an, dass ihre Produkte teurer werden. Das teilte die Pressesprecherin Insa Rücker auf Nachfrage der Redaktion mit.
Alternative Vorschläge an die Politik
Siebels sieht den Fehler aufseiten der Politik, die „rein ideologiegetrieben“ sei. Er engagiere sich im Bundesverband für Güterkraftverkehr und Logistik, um die Bundesregierung zum Umdenken zu bewegen. Ein Lösungsvorschlag des Verbandes sei die Zulassung alternativer Kraftstoffe wie sogenannte Hydrotreated Vegetable Oils (HVO). Dabei handelt es sich um Pflanzenöle, die mit Wasserstoff versetzt werden. Dieser Kraftstoff besitzt vergleichbare Eigenschaften wie fossiler Diesel. Damit sei es laut Siebels möglich, dass gesamte Transportgewerbe zu 85 Prozent klimaneutral werden zu lassen.
Findet keine Veränderung statt, mahnt Siebels vor den drastischen Folgen: „Das ist existenzgefährdend, was da passiert.“ Er nimmt an, dass auch in Ostfriesland durch die Kosten des CO2-Aufschlags kleinere Unternehmen pleitegehen. Er selbst mache sich um seinen Betrieb mit 15 Mitarbeitern jedoch keine Sorgen.