Kampagne im Landkreis Aurich Mülldetektiv schaut immer noch in die Biotonnen
„Trenn Dich korrekt“: Mit dieser Kampagne geht der Landkreis Aurich gegen falsch sortierten Abfall vor. Sie zeigt Erfolg. Dennoch steigen die Gebühren für die Müllabfuhr.
Aurich - Im Landkreis Aurich ist immer noch ein Mülldetektiv im Einsatz. Er läuft neben dem Müllfahrzeug her und kontrolliert, ob die Leute ihre Biotonnen korrekt befüllt haben. Wenn zwischen Kartoffelschalen und Grünschnitt zu viel Plastik oder andere Störstoffe stecken, wird die Tonne nicht geleert. Seit 2020 läuft die Kampagne „Trenn Dich korrekt“. Im Februar 2021 kamen erstmals Kontrolleure zum Einsatz. Die Entfernung von Plastiktüten, Windeln oder Metall aus dem Biomüll kostet Zeit und Geld. Im Extremfall wird der Bioabfall unbrauchbar und muss verbrannt werden.
Die Kampagne zeigt Wirkung. Der Anteil der Störstoffe ist von sechs auf unter zwei Prozent gesunken. Diese Zahl nannte Hans-Hermann Dörnath, Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs, am Freitag in der Sitzung des Betriebsausschusses. Wie Dörnath im Gespräch mit der Redaktion erläuterte, ist mittlerweile nur noch einer von ursprünglich drei Detektiven im Einsatz. Der Kontrolleur werde gezielt auf denjenigen Touren eingesetzt, in denen der Verunreinigungsgrad beim Bioabfall hoch ist. Welche der 249 Touren im Kreisgebiet den größten Anteil an Störstoffen haben, verriet Dörnath nicht. „Das weiß ich jetzt auch gar nicht.“ Die Ausgaben für den Detektiv seien jedenfalls „gut investiertes Geld“, betonte der Betriebsleiter. „Dadurch haben wir deutlich weniger Kosten bei der Aufbereitung.“
Müllverbrennung wird teurer
Stichwort Kosten: Die Gebühren für die Müllabfuhr im Landkreis Aurich steigen im neuen Jahr um rund sieben Prozent. Ein durchschnittlicher Haushalt mit 120-Liter-Tonnen für Bio- und Restabfall zahlt dann 149 Euro pro Jahr (statt 139). Die Grundgebühr steigt von 80 auf 87 Euro, die Leerungsgebühr von 5,95 auf 6,60 Euro pro Tonne. Der Ausschuss hat dem Vorschlag der Verwaltung zugestimmt. Nun muss nur noch der Kreistag Ja sagen, was als Formsache gilt. Auch wer seinen Abfall bei einem der Wertstoffhöfe anliefert, zahlt künftig mehr.
Die Gebühren müssen angehoben werden, weil die Aufwendungen gestiegen und die Erträge gesunken sind. Hauptkostentreiber sei die Inflation, erklärte Dörnath. Für 2024 und die Folgejahre erwartet er aber auch deutlich steigende Kosten für die Müllverbrennung. Der Landkreis Aurich lässt nicht verwertbaren Abfall in Bremen verbrennen. Abfallverbrennungsanlagen werden in den Emissionshandel einbezogen. Das heißt: Für die fossilen Anteile im Abfall müssen CO2-Zertifikate erworben werden. 2024 steigt der CO2-Preis von 30 auf 40 Euro pro Tonne, in den Folgejahren geht er weiter rauf. Auch die steigenden Mautgebühren treiben die Kosten in die Höhe. Insgesamt steigen die Aufwendungen für die Müllverbrennung 2024 um 21,2 Prozent. „Das fängt man nicht ohne Weiteres auf“, so Dörnath.
Amazon wirkt auf die Altpapiertonne
Gesunkene Erlöse verzeichnet der Abfallwirtschaftsbetrieb beim Altpapier. Der Papierpreis schwanke sehr stark und sei nicht kalkulierbar, so Dörnath. Was auffällt: Beim Altpapier steigt das Volumen, aber die Masse geht zurück. Trotz sinkender Papiermenge bestellen die Leute immer mehr Tonnen. Wie kann das sein? Hier wirkt sich das Online-Shopping aus. Kartons nehmen in der Altpapiertonne deutlich mehr Platz ein als Zeitungen oder Briefpapier. „Amazon verdient sich eine goldene Nase“, sagte Dörnath.
Die Gebühr für die Fäkalschlammentsorgung bleibt 2024 stabil bei 44 Euro pro Kubikmeter. Das betrifft rund 1600 Haushalte im Brookmerland, in Dornum, Großheide, Hage, Hinte, Ihlow, der Krummhörn und Norden, die nicht ans öffentliche Kanalnetz angeschlossen sind. Der größte Kunde ist die Flüchtlingsunterkunft in Utlandshörn, die mit drei Fäkalienbehältern ausgestattet ist. Mehr als ein Drittel des gesamten Fäkalschlamms im Kreisgebiet kommt von dort. Die Sammelfahrzeuge sind quasi im Dauereinsatz. Die Flüchtlingsunterkunft erhält aber nun eine eigene Kläranlage. Die geht im März 2024 in Betrieb.
Müllabfuhr wird 2024 erneut teurer
Müllgebühren steigen um 14 Prozent
Falsch befüllte Biotonnen bleiben stehen
Ein Vorschlag ist, Mülltonnen seltener leeren
Eine gute Nachricht gibt es für alle, die sich an Müllsammelaktionen von Vereinen, Dorfgemeinschaften oder Schulen beteiligen: Sie bekommen mehr Geld. Der Landkreis verdoppelt den sogenannten Umweltgroschen von 15 auf 30 Cent pro Einwohner, also auf insgesamt rund 57.000 Euro, so hat es der Ausschuss empfohlen. Für dieses Jahr zeichne sich bei den Reinigungsaktionen eine Rekordbeteiligung mit bis zu 260 Gruppen ab, berichtete Dörnath. Damit sie wenigstens genug Geld für die Verpflegung bekommen könnten, müsse der Umweltgroschen erhöht werden. Bei den Ausschussmitgliedern rannte er mit dieser Forderung offene Türen ein. Dörnath hatte nur 25 Cent vorgeschlagen, sie wollen stattdessen 30. Wenn der Kreistag zustimmt, ist die Sache geritzt.