Sydney Ausgebüxt: Australisches Känguru boxt kanadischen Polizisten ins Gesicht
In Kanada sollte ein Känguru in einen anderen Zoo transportiert werden. Doch das australische Beuteltier entwischte seinen Aufpassern. Als es nach tagelanger Flucht wieder eingefangen wurde, boxte das Känguru einen der Polizisten erst einmal kräftig ins Gesicht.
Kängurus sind gerne mal auf Abwegen. Auch in Deutschland machen die tierischen Profi-Ausreißer regelmäßig Schlagzeilen. So hüpfte Anfang des Jahres ein ausgebüxter australischer Beutler gleich mehrere Tage in der Umgebung von Hannover umher und hielt Polizei und Feuerwehr auf Trab. Auch seitdem meldeten die Behörden beispielsweise Känguru-Ausreißer in Brandenburg und an der Ostsee.
In Kanada ist einem der berühmten australischen Tiere nun ebenfalls die Flucht gelungen. Eigentlich sollte es in einen Zoo in Quebec gebracht werden, als es den Tierpflegern während eines Raststopps in Ontario entkam. Es sprang kurzerhand über seine Pfleger hinweg und ergriff die Flucht.
Am Wochenende war es in der Region unterwegs und wurde immer wieder gefilmt. Mehrere Kanadier luden Videoaufnahmen von dem hüpfenden Tier auf soziale Medien. Das Abenteuer in der kanadischen Wildnis kam schließlich zum Ende, als Beamte auf Patrouille das Tier am Montag gegen 3 Uhr morgens auf einem ländlichen Grundstück in der Nähe von Oshawa östlich von Toronto entdeckten.
Ein Video des Kängurus auf der Flucht
Der Polizist Chris Boileau sagte gegenüber dem kanadischen Sender CBC Toronto, dass die Beamten die Betreuer des Kängurus kontaktiert hätten und es – wie angewiesen – am Schwanz gepackt hätten, um es einzufangen. Dies schien dem weiblichen Tier aber gar nicht zu gefallen. Es boxte einem der Polizisten kräftig ins Gesicht. Dieser kam glücklicherweise mit dem Schrecken davon.
Die Prügelei scheint der Polizist alles in allem mit Humor genommen zu haben, denn Boileau sagte gegenüber dem Sender, dass sich sowohl der betroffene Polizist wie auch seine Kollegen „für den Rest ihrer Karriere“ an das Erlebnis erinnern würden. Das Känguru wurde nach seiner „Festnahme“ medizinisch behandelt und wird nun ein paar Ruhetage im Oshawa Zoo verbringen, damit es sich von seinem Abenteuer erholen kann.
In Kanada, wo es regelmäßig zu Vorfällen mit Elchen oder Bären kommt, war man über die Schlägerei zwischen dem tierischen Australier und dem Polizisten eher amüsiert. In Australien selbst kommt es jedoch immer wieder auch zu ernsthafteren Übergriffen der berühmten Wappentiere. Im vergangenen Jahr erst meldeten lokale australische Medien, wie ein Känguru einen Mann sechs Minuten lang verprügelte. Der Vorfall ereignete sich im Hinterland des Bundesstaates Victoria, in dem Melbourne liegt.
Beim australischen Fernsehsender Channel Nine erzählte das Opfer Cliff Des später, wie das große Tier auf ihn losgegangen sei, als er draußen nach dem Rechten schauen wollte, weil seine Hunde laut bellten. „Es war ein 1,80 Meter großer, ziemlich durchgedrehter Kerl, der versuchte, meine kleinen Hunde aus dem Hof zu scheuchen“, sagte er.
In einem Video war zu sehen, wie das massive Känguru auf den Mann eintrampelte, nachdem dieser beim Versuch zu fliehen zu Boden gefallen war. Der Mann setzte sich zur Wehr und rang das Känguru letztendlich zu Boden. Doch dieses ließ sich nicht einschüchtern, kratzte ihn im Gesicht, biss in seinen Finger und zerfetzte seine Hose. Über sechs Minuten lang dauerte die Attacke, bis das Känguru irgendwann die Lust verlor und unverletzt das Weite suchte. Auch Cliff Des hatte – ähnlich wie der kanadische Polizist – Glück im Unglück und kam mit kleineren Kratzern, blauen Flecken und der Bisswunde davon.
Karl Vernes, ein Zoologe an der University of New England, erklärte damals, dass die Männchen meist aggressiver als die Weibchen seien. „Sie können bis zu 85 Kilogramm wiegen und haben große Krallen“, berichtete der Forscher. Zudem seien die Männchen eher Einzelgänger und würden auch im Tierreich regelmäßig mit anderen männlichen Kängurus aneinander geraten, beispielsweise wenn es um die Paarung mit einem Weibchen gehe. „Wenn sie dann ein anderes großes Säugetier sehen, dann empfinden sie es oft als eine Bedrohung für ihre Dominanz“, erklärte der Zoologe das teils aggressive Verhalten der Tiere.
Doch er sagte auch – und dies erklärt vermutlich das Verhalten des weiblichen Tieres in Kanada – dass Kängurus angreifen würden, wenn sie einen Menschen als Gefahr ansehen und sich bedroht fühlen würden oder wenn sie keinen Fluchtweg mehr hätten und ein Angriff ihnen als letzter Ausweg erschiene.