Osnabrück  Fasson - nur ein Haarschnitt? Was das Wort sonst noch meint

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 08.12.2023 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Haar, schick in Form gebracht: Wie modern ist der Fassonschnitt? Foto: IMAGO/Panthermedia
Haar, schick in Form gebracht: Wie modern ist der Fassonschnitt? Foto: IMAGO/Panthermedia
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Nach diesem Wort heißt ein Haarschnitt: Fasson. Aber was bedeutet dieses Wort wirklich? Und wie hat Friedrich der Große die Bedeutung des Begriffs geprägt?

An den Seiten und im Nacken kürzer, ansonsten etwas voller: Beim Friseur formuliere ich immer den gleichen Wunsch. Klingt nach Routine, etwa so langweilig wie das Wort, das diesen Frisurentyp bezeichnet: Fassonschnitt. Das Wort klang nach dem neuesten Trend, als Friseure noch Kittel trugen. Inzwischen ist der Begriff Fassonschnitt so aus der Mode gekommen wie eine Werbung für Haarwasser aus den Siebzigern.

Aber was ist die Fasson am Fassonschnitt? Wer etwas in Fasson bringt, gibt einer Sache Form und Kontur. Im Gegenzug gilt: Besser nicht aus der Fasson geraten. Wer das tut, verliert sein Gleichgewicht. Oder legt an Körpergewicht zu und verliert so die als angenehm empfundene Silhouette. Fasson hat etwas mit Regel und Gleichgewicht zu tun. Kommt das Wort deshalb in einer Zeit aus der Mode, in der nur Aufmerksamkeit hat, wer extrem, laut, exaltiert ist?

Fasson schreibt sich eigentlich façon und kommt aus dem Französischen. Façon meint die Art und Weise, bisweilen auch die Machart oder Verarbeitung – und das Benehmen. Die französische Redewendung kennt jede Menge Redewendungen rund um die façon. Kein Wunder in einer Kultur, die so fein zu differenzieren weiß.

Wir Deutschen sind vor allem der Meinung, dass jeder nach seiner Fasson glücklich werden sollte – und zitieren damit nicht ganz korrekt. Friedrich der Große notierte wörtlich auf einer Eingabe: „Die Religionen Müsen alle Tolleriret werden und Mus der Fiscal nuhr das Auge darauf haben, das keine der andern abrug Tuhe, den hier mus ein jeder nach seiner Fasson Selich werden“. Die Fasson, die Art und Weise betrifft nicht das Glück, sondern die Seligkeit, also die religiöse Jenseitserwartung.

Das Deutsch Friedrichs des Großen liest sich wie eine Sprache, die etwas aus der Fasson geraten ist. Kein Wunder, dieser Lieblingsmonarch der Deutschen sagte ja auch lieber façon, schrieb und sprach vorzugsweise Französisch. Ich lasse ihn in seinem Sanssouci auf alle Zeiten nach seiner façon selig sein. Und gehe zum Friseur. Einmal Fassonschnitt, bitte. Damit ich zum Fest manierlich aussehe. Fasson muss sein, façon gerne auch.

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