Osnabrück  Münster-Tatort: Stirbt Hauptkommissar Frank Thiel?

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 08.12.2023 10:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Sorge um Stan Gold (Detlef Buck, M): Prof. Boerne (Jan Josef Liefers, r) kommt im letzten Moment zur Hilfe, als Gold nach offenbar Opfer eines Anschlags wird. Partnerin Sabina Kupfer (Eva Verena Müller, l) und Silke Haller (ChrisTine Urspruch, Mitte hinten) sind bei dem Moment dabei. „Tatort: Der Mann, der in den Dschungel fiel“. Foto: WDR/Frank Dicks
Sorge um Stan Gold (Detlef Buck, M): Prof. Boerne (Jan Josef Liefers, r) kommt im letzten Moment zur Hilfe, als Gold nach offenbar Opfer eines Anschlags wird. Partnerin Sabina Kupfer (Eva Verena Müller, l) und Silke Haller (ChrisTine Urspruch, Mitte hinten) sind bei dem Moment dabei. „Tatort: Der Mann, der in den Dschungel fiel“. Foto: WDR/Frank Dicks
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Münster mal anders: Während Detlev Buck im ungewöhnlichen Münster-„Tatort: Der Mann, der in den Dschungel fiel“ als abenteuerliche Figur brilliert, die Lust auf mehr macht, schwebt Kommissar Thiel in Lebensgefahr. Und noch etwas ist am neuen Fall ungewöhnlich.

Kein „Tatort“ ohne Leiche. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Natürlich muss die erste Leiche in aller Regel gleich zu Beginn auftauchen. Da macht auch der neueste „Tatort“ aus Münster keine Ausnahme. Aber diese Episode sorgt dann doch gleich am Anfang für anhaltende Spannung und Dramatik, die vor allen Dingen von einer Frage bestimmt wird. Stirbt Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl)?

Die Art und Weise, wie Thiel nach nur zwei Minuten angeschossen in den Armen seines alten Schulfreundes Hotte darnieder sinkt und mit den letzten Worten „es tut mir leid“ offenbar sein Leben aushaucht, erinnert schon sehr an den überraschenden Abgang von Anna Schudt aus dem Dortmunder „Tatort“ vor beinahe zwei Jahren. Und jetzt Prahl? Das wäre das Ende des Münsteraner Erfolgsduos Jan Josef Liefers und Axel Prahl. Aber lassen wir uns überraschen, was die restlichen 88 Minuten aus der Rückblende erzählen.

Dieser Münster-„Tatort“ ist definitiv anders als gewohnt. Drehbuchautor Thorsten Wettcke gelingt ein rätselhafter, wendungsreicher Fall, den er selber als „echte Räuberpistole“ bezeichnet. Dabei, und das dürfte auch viele Gegner der Münsteraner „Tatort“-Folgen vor den Bildschirmen versöhnen, verzichtet Wettcke weitgehend auf strapaziösen Klamauk. Wobei der mitunter makabre Humor trotzdem nicht zu kurz kommt. Aber im Wesentlichen lebt dieser Fall unter der Regie von Till Franzen vom brillanten Auftritt des Episodenhauptdarstellers Detlev Buck.

Buck spielt hier jenen Hotte, der unter dem Künstlernamen Stan Gold einen Bestseller verfasst hat und nun in seiner alten Heimatstadt Münster als Stadtschreiber sein zweites Buch schreiben soll. 15 Jahre war er im südamerikanischen Dschungel verschollen. Wurde nach einem Flugzeugabsturz von einem unbekannten Stamm jenseits der Zivilisation aufgenommen und hat seine Erlebnisse in dem Buch „Der Mann, der in den Dschungel fiel“ zusammengefasst.

Die Ereignisse nehmen ihren eigenartigen Verlauf, als Hotte alias Gold von einer Biene gestochen wird und beinahe an einer allergischen Reaktion stirbt. Parallelen zur zehn Jahre zurückliegenden Episode „Summ, Summ, Summ“ sind nicht ganz zufällig. Schnell verdichten sich die Hinweise, dass dies ein Mordversuch gewesen sein muss. Will da etwa jemand Hotte an den Kragen, weil er in seinem neuen Buch die Vorgeschichte des Absturzes öffentlich machen will? Auf was für krumme Dinger hatte sich Thiels Schulkumpel da einst eingelassen? Und wer ist jener ominöse Pablo, vor dem Hotte in ehrfürchtiger Angst erstarrt?

Selten hat man in einem Münsteraner „Tatort“ ein spielfreudigeres Ensemble erlebt als hier. Wobei Thiel und Boerne in der Episode „Der Mann, der in den Dschungel fiel“ streckenweise zu Nebenfiguren geraten. Die Handlung wird dominiert von Buck, der seine schillernde Figur Hotte nicht nur spielt, sondern in ihr mit Haut und Haaren aufgeht.

Eine mitreißend faszinierende Figur, mit Begeisterung und viel Liebe zum Detail entworfen von Drehbuchautor Wettcke. Der hatte „zuerst [...] eine Geschichte am Start, die der abenteuerlichen Figur des Stan Gold gerecht wurde – dann aber gemerkt, dass das kein Münster-Tatort war“. Also musste er das ursprüngliche Drehbuch umschreiben. Aber vielleicht haben wir ja Glück und Wettcke überrascht uns demnächst doch noch mit einem echten Hotte-Dschungelabenteuer?

„Tatort: Der Mann, der in den Dschungel fiel“. Das Erste, Sonntag, 10. Dezember, 20.15 Uhr und in der ARD-Mediathek.

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