Berlin/Bersenbrück  Bauern aus dem Osnabrücker Land demonstrieren in Berlin

Martin Schmitz
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Von Martin Schmitz
| 18.12.2023 11:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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An der Bauerndemo am Montag in Berlin nahmen auch Landwirte dem Landkreis Osnabrück teil. Die Streichung von Agrardiesel und Kfz-Steuerbefreiung seien „eine überproportionale Steuererhöhung für Landwirte“, erläutert der Neuenkirchener Johannes Schürbrock, Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbandes Bersenbrück.

Ab dem frühen Morgen füllte sich am Montag die Straße des 17. Juni mit Schleppern und Landwirten, berichtete der Vorsitzende des Kreisverbandes Bersenbrück im Hauptverband Osnabrücker Landvolk als Teilnehmer. Der Zug der Schlepper reichte weit über die Siegessäule hinaus bis zum Ernst-Reuter-Platz.

Landwirte, die am Vorabend noch Silage gemacht oder Weizen eingesät hätten, seien nach Berlin gekommen. Weil der vom Landvolk organisierte Bus aus dem Osnabrücker Land voll gewesen sei, stiegen etwa 30 Teilnehmer in den Zug, in Bünde stießen Kollegen aus Melle dazu. 15 Landwirte aus Melle waren mit dem Schlepper nach Berlin gefahren.

„Vor dem Brandenburger Tor gab es keinen freien Platz mehr“, erzählte Schürbrock. „Es ist irre“, freute er sich. „Das ist viel mehr Beteiligung, als wir gedacht hatten.“

Um die Mittagszeit fuhren am Montag auch 50 Schlepper aus dem Nord- und Südkreis die Stadt Osnabrück an und bremsten den Verkehr auf dem Wallring aus. Weitere Protestaktionen liefen seit Donnerstag bundesweit.

Die Demo in Berlin sei diszipliniert und ohne Zwischenfälle verlaufen, so Johannes Schürbrock. Die Bauern hätten ein starkes Zeichen gesetzt gegen Streichungspläne der Bundesregierung. Die will die 21,48 Cent Steuerrückerstattung abschaffen, die pro Liter Diesel fließen, den Trecker, Mähdrescher, aber auch Milchwagen der Molkereien verbrauchen. Hinzu kommt die Streichung der Kfz-Steuerbefreiung für diese Fahrzeuge, zu erkennen am grünen Kennzeichen.

„Im Grunde reden wir von einer überproportionalen Steuererhöhung für die Landwirtschaft“, sagt Schürbrock. Seine Überschlagsrechnung, dass auf diese Weise an die 10.000 Euro Mehrbelastung pro Betrieb zusammenkommen könnten, hätten Berufskollegen bestätigt. „Die 10.000 Euro haben wir nicht über.“

Es sei davon auszugehen, dass viele Betriebe aufgeben würden. Und es sei damit zu rechnen, dass die Kostensteigerung auf Dauer auch auf die Lebensmittelpreise durchschlagen dürfte und Verbraucher belaste.

Jürgen Beselbecke gehört zu denen, die sich mit dem Auto aus dem Osnabrücker Land nach Berlin aufgemacht hatten. Genau wie Schürbrock ist er beeindruckt von der Rede Joachim Rukwieds. Wenn die Streichungspläne bis zum 8. Januar nicht vom Tisch seien, würden die Proteste fortgesetzt, hatte der Präsidentdes Deutschen Bauernverbandes angekündigt.

Beselbecke, Inhaber einer Agrarberatung mit Sitz in Bersenbrück, bleibt misstrauisch. „Man kann der Politik nicht trauen“, sagt er.

Beselbecke war bereits am Freitag bei einer Protestaktion in Neuenkirchen-Vörden dabei. Wenn nötig, würden die Aktionen fortgesetzt, spontan und kurzfristig organisiert. Und er wird wieder dabei sein.

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