Besuch im Altersheim  So wurde Weihnachten in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gefeiert

| | 24.12.2023 08:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Lisa Gerspacher (von links), Erna Riemann und Johanna Ubben haben sich für diese Zeitung an die Feiertage ihrer Kindheit zurückerinnert. Foto: Weiden
Lisa Gerspacher (von links), Erna Riemann und Johanna Ubben haben sich für diese Zeitung an die Feiertage ihrer Kindheit zurückerinnert. Foto: Weiden
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Wir haben ein Altenheim besucht und mit drei Bewohnerinnen über ihre Kindheit gesprochen. Sie alle haben schöne Erinnerungen an Weihnachten, obwohl die Zeit nach dem Krieg keine einfache war.

Suurhusen - In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Weihnachten noch ganz anders gefeiert als heute. Emden lag damals in Trümmern und auf dem Land herrschte oft bittere Armut. Doch trotz all der Probleme haben die Menschen zueinandergefunden und Weihnachten gefeiert. Erna Riemann, Lisa Gerspacher und Johanna Ubben haben diese Zeiten miterlebt. Die drei leben im Concordia-Wohnpark in Suurhusen und haben sich für diese Zeitung noch einmal an die Weihnachtsfeste ihrer Kindheit zurückerinnert.

Erna Riemann (82 Jahre) aus Loppersum

Erna Riemann ist 1941 während des Zweiten Weltkriegs geboren und in Loppersum aufgewachsen. „Das war keine leichte Zeit“, sagt die 82-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung. Als Kind der Nachkriegsjahre kann sie sich ganz besonders an ein Weihnachten erinnern: „Das muss 1947 oder 1948 gewesen sein.“ Ihre Familie hatte damals Kriegsflüchtlinge bei sich Zuhause aufgenommen und Erna Riemann sich mit der Tochter angefreundet. „Meine Eltern haben es geschafft, zwei Puppen für uns zu hamstern. Die Kleider haben sie selbst aus Schafswolle hergestellt.“

Als sie ihr die Puppe an Heilig Abend dann geschenkt haben, kamen ihr die Tränen: „Da waren wir so glücklich, dass wir weinen mussten.“ Mit einem Geschenk hatte sie in dieser Zeit nämlich nicht gerechnet. „Den Kontakt zu meiner Freundin habe ich heute noch immer, sie wohnt am Bodensee“, sagt Erna Riemann. „Sie sagt auch, dass sie sich daran immer gern zurückerinnert.“

Zu Essen gab es bei der Familie damals traditionell Kartoffelsalat mit Würstchen. „Nachmittags gingen wir alle zusammen zur Kirche. Wir Kinder mussten auch manchmal etwas aufführen mit dem Kindergottesdienst.“ Ein paar Jahre später hatte sie ein weiteres besonderes Weihnachtsfest: Am 25. Dezember 1964 brachte sie ihren zweiten Sohn zur Welt. „Da haben wir vorher aus Spaß noch gesungen ‚Ihr Kinderlein kommet‘.“ Weil sie und ihr Mann damals noch kein eigenes Auto hatten, ging es im Schneesturm mit dem Taxi zum Krankenhaus. „Das werde ich wohl auch nie vergessen.“

Lisa Gerspacher (89 Jahre) aus Emden

Lisa Gerspacher ist 1934 in Emden geboren. Ihre beiden Brüder mussten in den Krieg, ihr Vater war Lokführer. Dadurch ging es ihr und ihrer Mutter aber „ganz gut“, denn ihr Vater brachte ihnen gern mal ein Paket mit zum Beispiel Keksen mit. Die Kriegs- und Nachkriegsjahre im zerbombten Emden seien eine „wirklich böse Zeit“ gewesen. Trotzdem versuchte ihre Familie stets, das Beste daraus zu machen. Weil ihre Mutter Bäckerstochter war, gab es zum Beispiel immer allerlei Leckereien zu Weihnachten. „Wir haben alles selber gemacht. Sogar Marzipan und Pralinen. Gekaufte Sachen gab es nicht“, sagt die 89-Jährige. Das Hauptgericht am Heiligen Abend: Kotelett mit Kartoffeln.

Damals sei es zudem gang und gäbe gewesen, Weihnachtsbäume zu stehlen. „Mein Vater hat dann immer einen mitgebracht“ - meist von seiner Arbeit als Lokführer, wo er entlang der Bahnstrecke einen Tannenbaum mitgehen ließ. „An Weihnachten kam auch immer unsere Tante zu uns, denn ihr Mann war im Krieg geblieben.“ Generell sei Weihnachten damals familiärer und besinnlicher gewesen. Zur Kirche konnte die Familie an Weihnachten aber nicht gehen, denn die wurde durch die Bombenangriffe auf Emden zerstört. „Wir gingen an Weihnachten dann zur Notkirche.“

Johanna Ubben (80 Jahre) aus Grimersum

Johanna Ubben ist 1943 geboren und in Grimersum aufgewachsen. „Ich hatte vier Geschwister. Mein Vater ist im Krieg geblieben, den hab ich nicht gekannt“, sagt sie. Die Nachkriegsjahre seien nicht leicht gewesen, denn die Familie hatte nicht sonderlich viel Geld. „Im Winter war es manchmal so kalt, dass wir Eisblumen an den Fenstern hatten“, sagt Johanna Ubben. Der Winter 1947 war einer der kältesten seit Jahrzehnten. Daran kann sich Johanna Ubben noch gut erinnern. „Wir haben, wenn Sturm war, immer die Zweige unter den Bäumen aufgesammelt zum Heizen“, sagt sie. Trotz alldem hat ihre Mutter aber immer versucht, den Kindern ein tolles Fest zu bereiten. „Einmal hat der Weihnachtsmann sogar einen Puppenwagen für mich dagelassen.“ Zu Essen gab es bei der Familie an Weihnachten immer Kartoffelsalat mit Würstchen.

Besonders berührt hat sie damals eine Aktion ihrer Mitschüler: „Einmal war ich Weihnachten krank und hatte was mit der Lunge. Da haben sie mir aus der Schule ein großes Paket vorbeigebracht.“

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