Hamburg Die CDU und die K-Frage: Kann es Merz?
Eine Bundestagswahl ist zwar nicht in Sicht, aber in der CDU geht es schon wieder um die Kanzlerkandidatur. Mit einem idealen Schwiegersohn hat sie zuletzt schlechte Erfahrungen gemacht – setzt sie nun doch auf Krawall?
Alle Jahre wieder: Die nächste Bundestagswahl liegt noch in weiter Ferne, aber die K-Frage, sie ist schon da. Kann Friedrich Merz Kanzler? Die Antwort ist kurz, sie lautet: Warum nicht.
Er verfügt über Wirtschaftskompetenz, ist lange im Geschäft und hat seine Partei nach den zuletzt als lähmend empfundenen Merkel-Jahren erfolgreich neu aufgestellt. Von gelegentlichen Stammtisch-Aussetzern mal abgesehen, macht Merz als Oppositionsführer im Bundestag derzeit keinen schlechten Eindruck. Dabei machen es ihm aber auch die Ampelparteien leicht, die als Regierung einfach nicht zusammenfinden wollen und deren vorläufige Regierungsbilanz eher düster aussieht. Merz dürfte deshalb mit seinem an Olaf Scholz gerichteten „Sie können es nicht!“ so manchem Deutschen aus der Seele gesprochen haben.
Ob Merz es wirklich besser als Scholz kann, wird sich allerdings erst zeigen, wenn es so weit ist. Beziehungsweise: Wenn es überhaupt dazu kommt. Denn zum einen liegen Neuwahlen nicht so nah, wie Friedrich Merz und Markus Söder es gerne hätten. Bundeskanzler Olaf Scholz müsste dazu im Bundestag die Vertrauensfrage stellen – nur gibt es einfach keinen plausiblen Grund für den Kanzler einer 14-Prozent-Partei, das ausgerechnet jetzt zu tun. Der Mann mag ja verschwiegen sein, wahnsinnig ist er vermutlich nicht.
Und dann gibt es auch noch den Rest der CDU. Merz ist parteiintern alles andere als unumstritten, wichtige CDU-Ministerpräsidenten wie Daniel Günther aus Schleswig-Holstein und Hendrik Wüst aus NRW sehen den Parteivorsitzenden kritisch. Dem wandlungsfähigen Wüst wiederum werden außerdem selbst Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur zugeschrieben. Der 48-Jährige gilt als extrem gut vernetzt in seiner Partei. Ob er Merz in der K-Frage gefährlich werden kann, entscheidet der Zeitpunkt: Sollte es doch zeitnah zu Neuwahlen kommen, dürfte klar sein, dass die CDU mit Merz ins Rennen geht. Je mehr Zeit bis zur nächsten Wahl aber noch bleibt, um so stärker steigen die Chancen für Hendrik Wüst.
Ob sich die Union allerdings einen Gefallen tut, nach dem Laschet-Debakel erneut mit einem zwar sympathischen, aber etwas langweilig wirkenden idealen Schwiegersohn ins Rennen zu gehen? Bei Merz immerhin weiß man, was man bekommt: Ein wenig Krawall, das ein oder andere Fettnäpfchen. Aber auch eine ziemlich klare Kante.