Rechnung für Leeraner Senioren  Für fremden Sperrmüll zahlen? So sind die Regelungen in Ostfriesland

Rieke Heinig
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Von Rieke Heinig
| 28.12.2023 12:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Am Anfang stand vor dem Haus der Senioren nur ein Drittel hiervon an der Straße. Der Haufen war über Nacht gewachsen. Foto: privat
Am Anfang stand vor dem Haus der Senioren nur ein Drittel hiervon an der Straße. Der Haufen war über Nacht gewachsen. Foto: privat
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In Leer wurden einem Rentner-Ehepaar 140 Euro für fremden Sperrmüll in Rechnung gestellt. Das sorgte für Kritik am Landkreis. So werden solche Fälle im restlichen Ostfriesland gehandhabt.

Ostfriesland - Wer im Landkreis Leer seinen Sperrmüll abholen lassen möchte, erhält je nach angemeldeter Menge eine Rechnung und muss diese bezahlen. Der Unrat wird zum vereinbarten Termin von den Antragstellern an die Straße gestellt und dann von den Müllwerkern eingesammelt. So weit, so gut. Was aber, wenn über Nacht irgendwer einfach seinen eigenen Müll dazu stellt? Diese Erfahrung musste Anfang November 2023 ein Rentner-Ehepaar aus Leer machen. Der Müllberg vor dem Haus hatte sich über Nacht fast verdreifacht und wurde von der Abfuhr stehengelassen – im Wagen war kein Platz für die große Menge.

Der Sperrmüllhaufen wuchs und wuchs, bis er nach rund zwei Wochen und zwei Nachzahlungen von je 70 Euro endlich abgeholt wurde. Am Ende hatten die Senioren 175 statt 35 Euro zahlen müssen – also 140 Euro für den Sperrmüll fremder Leute. Denn: Wer die Abholung anmeldet, sei dafür verantwortlich, dass am Ende auch nur die vorher angegebene Menge an der Straße steht, hieß es dazu vom Landkreis Leer. Das hatte für reichlich Kritik an den Sperrmüll-Regelungen im Kreisgebiet gesorgt. Die Redaktion hat das zum Anlass genommen, nachzufragen, wie die Regelungen im restlichen Ostfriesland aussehen.

Wie teuer ist die Sperrmüll-Abfuhr in Ostfriesland im Vergleich?

In ganz Ostfriesland muss eine Gebühr bezahlt werden, wenn jemand seinen Sperrmüll abholen lassen möchte. Am günstigsten ist das im Landkreis Wittmund: 15 Euro für bis zu 5 Kubikmeter kostete die normale Abfuhr dort bisher. Zum 1. Januar 2024 wird die Gebühr allerdings auf 25 Euro erhöht, wie Landkreissprecher Ralf Klöker sagt. Im Mittelfeld bewegen sich der Landkreis Leer mit 35 Euro für bis zu fünf Kubikmeter und die Stadt Emden mit 38 Euro für bis zu vier Kubikmeter. Am teuersten ist die Sperrmüllabfuhr im Landkreis Aurich: Ganze 70 Euro werden dort für fünf Kubikmeter berechnet.

Wer zahlt, wenn mehr als verabredet an der Straße steht?

Der Landkreis Leer wurde dafür kritisiert, dass den Senioren der fremde Unrat in Rechnung gestellt worden war. Aber: Nicht nur dort sind die Antragsteller dafür zuständig, dass nur die angemeldete Menge bei Abholung an der Straße steht. Der gleiche Grundsatz gilt in Emden und den Landkreisen Aurich und Wittmund, wie deren Pressesprecher auf Nachfrage schreiben. „Die Anmelder*innen sind für die ordnungsgemäße Bereitstellung des Sperrguts verantwortlich. Wird eine Menge von vier Kubikmetern überschritten, hat der Sperrgut-Anmeldende für die Mehrkosten der Entsorgung aufzukommen“, heißt es dazu vom Emder Stadtsprecher Eduard Dinkela.

Auch im Landkreis Wittmund müsse der Anmelder der Sperrmüllabfuhr alles, was zu viel ist, auf eigene Kosten entsorgen, schreibt der dortige Kreissprecher Ralf Klöker. Gleiches gelte im Landkreis Aurich: „Sollte es einmal unerwartet zu Mehrmengen bei den Fraktionen holziger Sperrmüll und sonstiger Sperrmüll kommen, kann dies in der Regel nachgemeldet und zum Beispiel per Blitzüberweisung oder an den Wertstoffhöfen in Bar noch vor dem Abfuhrtermin nachgezahlt werden“, erklärt der Auricher Kreissprecher Rainer Müller-Gummels.

Wann wird zu viel Sperrmüll stehengelassen? Dreimal mehr Sperrmüll als von den Senioren angemeldet hatte am Abfuhrtag in Leer an der Straße gestanden. Es komme immer mal wieder vor, dass die Müllabfuhr vor Ort nicht das vorfindet, was angemeldet wurde, schrieb der Leeraner Kreissprecher Philipp Koenen damals auf Anfrage dieser Zeitung. „In diesem Fall war das keine geringe Überschreitung der Sperrmüllenge: Statt wie angegeben 5 Kubikmeter standen tatsächlich 14 Kubikmeter an der Straße – also fast das Dreifache“, so Koenen. Für die Müllwerker sei in solchen Fällen nicht erkennbar, ob dort unerlaubt von Dritten Sperrmüll dazugestellt wurde oder nicht. „Sie sind angehalten, den Müll dann stehen zu lassen – zumal sie ja auch ihre Touren nach den angegebenen Mengen planen“, erklärte er.

In Emden nähmen die Müllwerker grundsätzlich auch bei Mehrmengen den Sperrmüll mit, schreibt Stadtsprecher Dinkela. Aber: „Ausnahmen sind, wenn der Sperrmüll die entsprechende Menge wesentlich überschreitet oder nicht ordnungsgemäß sortiert und bereitgestellt wurde. Für zusätzliche, nicht angemeldete Mengen, die illegal dazugelegt wurden, sind die Anmelder*innen verantwortlich“, so Dinkela.

Im Landkreis Wittmund werden „alle Abfälle, die zum Sperrmüll gehören, bis zu einer Obergrenze von fünf Kubikmetern abgefahren. Darüber hinausgehende Mengen sind vom Anmelder der Sperrmüllabfuhr auf eigene Kosten zu entsorgen“, schreibt Ralf Klöker, Landkreissprecher in Wittmund.

Im Landkreis Aurich muss sich ebenfalls derjenige, der das Sperrgut angemeldet hat, um größere Mengen kümmern, schreibt Kreissprecher Rainer Müller-Gummels. Stelle sich erst bei Abholung durch die Müllwerker heraus, dass mehr als angemeldet an der Straße steht, könne der Antragsteller im Landkreis Aurich – sollte er vor Ort sein – per SEPA-Lastschriftmandat als letzte Möglichkeit noch nachzahlen. „Ansonsten bleiben die Mehrmengen liegen, genau wie falsch sortierter Sperrmüll oder falsch zugeordnete Abfälle“, so Müller-Gummels.

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