Industriepolitik in Emden Erschließung des Rysumer Nackens rückt ein Stück näher
Die Stadt Emden und der Hafenbetreiber N-Ports haben vereinbart, gemeinsam die Verkehrsanbindung des Rysumer Nackens untersuchen zu lassen. Dabei gibt es einen Knackpunkt.
Emden - Bei der seit langem geplanten Entwicklung des Rysumer Nackens zu einem Industriegebiet ist die Stadt Emden einen Schritt vorangekommen. Wie Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) dieser Zeitung bei einem Rückblick auf das vergangene Jahr sagte, haben die Kommune und der landeseigene Hafenbetreiber Niedersachsen Ports (N-Ports) vereinbart, gemeinsam eine Machbarkeitsstudie zur Erschließung dieses Areals an der Emsmündung in Auftrag zu geben und auch zu finanzieren.
Laut Kruithoff soll unter anderem untersucht werden, ob der Rysumer Nacken über die benachbarte Gemeinde Krummhörn (Landkreis Aurich) verkehrlich angebunden werden kann. Der Knackpunkt: Die Trasse würde durch ein Vogelschutzgebiet führen. In der Machbarkeitsstudie sollen dafür die Rahmenbedinungen geprüft werden. Mit dem Landkreis habe es bereits Gespräche gegeben, sagte der Oberbürgermeister.
Netzbetreiber will Stromleitung ausbauen
Kruithoff begrüßte das gemeinsame Vorgehen mit N-Ports, zumal dem Hafenbetreiber die meisten Flächen in dem Gebiet gehörten. Man habe gehofft, auch die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr mit ins Boot zu holen. Das sei aber bislang nicht gelungen.
Erfolgreich seien hingegen Gespräche mit Tennet verlaufen. Der Netzbetreiber will den Ausbau der Stromversorgung des Rysumer Nackens in seine mittelfristige Planung aufnehmen. Geplant sei, so Kruithoff, die Höchstspannungsleitung, die vom Kraftwerk über den Hafen führt, bis zu dem Gebiet zu verlängern. Sie wird mit einer Spannung von 380 kV betrieben.
Oberbürgermeister sieht viel Potenzial
„Wir sind einen ganz großen Schritt weiter, weil wird jetzt tatsächlich über die Infrastruktur an dieser Stelle sprechen“, sagte der Oberbürgermeister. Er sieht die Erschließung des Areals als wichtige Voraussetzung, um innovativen Technologien für die Transformation von Industrie und Energiewirtschaft ansiedeln zu können.
Emden könne mit dem Hafen, freien Industrieflächen sowie einem großen Potenzial an erneuerbaren Energien eine Vorreiterrolle übernehmen. „Wir müssen deshalb dringend die Flächen am Rysumer Nacken für genau diese Technologien vorhalten und vorbereitet darauf sein“, so der Rathaus-Chef. „Irgendwann ist diese Tür wieder zu“, fügte er hinzu.
Stadt und N-Ports wollen Verlegung des Deiches
Überlegungen, den Rysumer Nacken industriell stärker zu nutzen, gibt es schon seit Jahrzehnten. Die Fläche an der Knock war in den 1930er Jahren durch die künstliche Verlagerung des Emsfahrwassers entstanden. Sie umfasst insgesamt etwa 750 Hektar und ist damit so groß wie mehr als 1000 Fußballfelder. Mitte der 1970er Jahre entstand dort die Erdgas-Anlandestation, die heute von dem norwegischen Staatskonzern Gassco betrieben wird.
Diskutiert und geprüft wird gegenwärtig, ob der Deich am Rysumer Nacken nur erhöht oder direkt an die Ems verlegt werden soll. Die Stadt Emden und N-Ports favorisieren die Eindeichung des gesamten Gebietes, wie bei jüngsten Gesprächen im November und Dezember deutlich wurde. Derzeit umgibt ein etwa 5,4 Kilometer langer Hauptdeich das Areal. Die mögliche neue Strecke wäre wohl ähnlich lang, würde aber größere Teile der Fläche schützen.
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Die Deichacht Krummhörn plädiert ebenfalls für diese Variante, weil ein neues Schutzwerk kostengünstiger in der Unterhaltung wäre. Hinzu komme, so der Tenor bei den Befürwortern dieser Variante, dass die Verlegung des Deiches dem Unternehmen Gassco und anderen Firmen, die sich dort noch ansiedeln könnten, mehr Sicherheit geben werde.