„Flex“-Konsum in Niedersachsen Zerstörerische Droge auf dem Vormarsch – auch in Leer?
Die Droge „Flex“ breitet sich in einigen Städten Niedersachsens stark aus. Wir haben nachgefragt, was sie so gefährlich macht und ob sie auch in Leer ein Problem ist.
Leer - Sie macht extrem abhängig, soll einen höheren Suchtdruck haben als Heroin, Kokain und Meth – und kann mitunter durch Herzinfarkt oder Nierenversagen zum Tod führen: In Niedersachsen breitet sich aktuell die Droge „Flex“ aus. Das berichtete kürzlich der NDR. Gerade in Göttingen und Braunschweig werde „Flex“ aktuell vermehrt konsumiert, heißt es in dem Bericht weiter. Doch auch kleinere Städte im Umland seien betroffen. Zeit, nachzufragen, ob die gefährliche Droge auch in Leer angekommen ist.
Wird die Droge auch in Leer konsumiert?
Dass „Flex“ in Niedersachsen auf dem Vormarsch ist, bestätigt Klaus Weber. Er ist Bereichsleiter der Fachstellen für Sucht und Suchtprävention (Drobsen) in Leer, Emden, Aurich und Norden. „Die Droge ist nicht neu, spielt aber aktuell im Raum Braunschweig und Göttingen eine größere Rolle“, sagt er. In Leer sei die Droge allerdings seiner Erfahrung nach nur eine Randerscheinung. In den Gesprächen mit Drogenabhängigen, die zur Leeraner Beratungsstelle kommen, werde immer abgefragt, welche Substanzen konsumiert werden. „Flex“ werde nur sehr selten genannt, so Weber.
Was genau ist „Flex“?
Bei „Flex“ handele es sich um einen Szenenamen für eine synthetische Droge, erklärt der Suchtberater. Die Substanz dahinter: Methylendioxypyrovaleron (MDPV), ein Ableger von Methamphetamin – kurz: Meth. Dem Portal drugcom zufolge, einem Projekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), werde MDPV auf dem Markt als „Badesalz“ oder „Pflanzenreiniger“ angeboten, um den eigentlichen Inhalt, das Rauschgift, zu verschleiern.
Was macht die Droge so gefährlich?
Die Wirkung von „Flex“ sei extrem selbstzerstörerisch und könne zum Tod führen, betont Klaus Weber. „Der sogenannte Kick muss wohl sehr heftig und euphorisierend sein. Der Rausch setzt schon nach fünf bis 20 Minuten ein“, sagt er. Die Wirkung – zum Beispiel mehr Selbstbewusstsein – halte zwar mehrere Stunden an, das verursachte Hochgefühl lasse aber immer wieder nach. „Das verstärkt das ,Craving‘, also den Drang, nachzulegen“, so Weber. Daher mache MDPV besonders schnell abhängig.
Auf die Psyche wirke sich der Konsum auch über den Rausch hinaus aus, könne zu Psychosen führen, so der Suchtberater. „Konsumenten können durch die Droge den Bezug zur Realität verlieren. Gesteigerte Aggressivität, Verlust der Impulskontrolle, Verfolgungswahn oder Panikattacken können die Folge sein“, sagt er. Das sei allerdings nicht nur bei „Flex“ der Fall: „Auch bei anderen Hartdrogen wie Koks oder Meth kann das passieren“, so Weber.
Hinzu komme, dass „Flex“ nur sehr schwer zu dosieren sei. „Man kann es oral oder intravenös zu sich nehmen. Und es gibt bei solchen Drogen nunmal keinen Beipackzettel, der die Dosierung vorgibt“, sagt er.
Wer nimmt „Flex“? „Flex“ werde in der Regel von Menschen genommen, die auch schon mit anderen harten Drogen, beispielsweise Meth, Erfahrung haben, so Weber. „Wir klären die, die zu uns kommen, verstärkt darüber auf, wie gefährlich die Droge ist“, sagt er. Sein Eindruck: „Drogen-Konsumenten sind nicht automatisch unkritisch. Nicht wenige sagen bei ‚Flex‘: ,Davon lasse ich lieber die Finger‘.“