Landwirte empört  Spontan-Demo am Pferdemarkt in Aurich

| | 04.01.2024 16:09 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Einmündung in die Norderstraße wird von Treckern und Autos blockiert. Fotos: Luppen
Die Einmündung in die Norderstraße wird von Treckern und Autos blockiert. Fotos: Luppen
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Aus Ärger über Aussagen einer Grünen-Abgeordneten haben Landwirte am Donnerstag auf der Pferdemarkt-Kreuzung in Aurich demonstriert. Die Kundgebung war nicht angemeldet.

Aurich - Der Landwirt Jens Soeken aus Großefehn hat spontan eine Demo in Aurich organisiert. Anlass war ein Post der Grünen-Bundestagsabgeordneten Anne Monika Spallek aus Coesfeld (Nordrhein-Westfalen) auf X (ehemals Twitter), in dem diese Landwirte auffordert, sich von Ultrarechten zu distanzieren. Damit spielte sie auf die für Montag geplanten bundesweiten Kundgebungen an, die auch Extremisten anlocken.

Für wenige Minuten bleiben die Autos mitten auf der Kreuzung stehen.
Für wenige Minuten bleiben die Autos mitten auf der Kreuzung stehen.

Donnerstagnachmittag in Aurich: Um Punkt 14 Uhr kommt Soeken mit seinem Traktor auf die Pferdemarkt-Kreuzung zu und biegt links ab in Richtung Busbahnhof. Ihm folgen 14 weitere Fahrzeuge: Trecker, ein Laster und Autos von Pflegediensten. Normalerweise müssen Kundgebungen 48 Stunden vorher bei der Stadt angemeldet werden. Diese aber sei spontan zustande gekommen, sagt Soeken. Er habe am Vormittag einige Mitstreiter zusammengetrommelt. Die Polizei akzeptiert das. Sie muss nicht eingreifen, obwohl der Verkehr auf der meistbefahrenen Kreuzung Ostfrieslands kurzzeitig behindert wird. Nach wenigen Minuten konzentriert sich die Blockade auf die Einmündung zur Norderstraße, sodass der Verkehr auf der Kreuzung wieder weitgehend störungsfrei fließt.

Video
Aurich: Spontan-Demo auf dem Pferdemarkt
04.01.2024

„Wir wollen niemandem auf den Sack gehen“

„Wir wollen heute niemanden quälen, niemandem auf die Nerven gehen und bewusst nichts blockieren“, sagt Soeken. „Wir wollen niemandem auf den Sack gehen.“ Aber die Äußerungen der Abgeordneten Spallek könne er nicht so stehen lassen. „Ich bin alles andere als rechts. Das lasse ich mir nicht gefallen.“ Diese Politikerin trete die Demokratie mit Füßen, indem sie eine ganze Berufsgruppe in die rechte Ecke stelle, sagt der 43-Jährige. „Das ist kein demokratisches Verhalten.“ Viele Betriebe seien in ihrer Existenz bedroht. „Die Bundesregierung möchte uns Landwirte nicht“, sagt Soeken. Die geplanten Kürzungen beim Agrardiesel seien nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringe. Die Agrarpolitik müsse sich von Grund auf ändern. Zu diesem Zeitpunkt ist noch nicht durchgesickert, dass die Bundesregierung die Kürzungspläne überarbeitet.

Jens Soeken will sich nicht in die rechte Ecke stellen lassen.
Jens Soeken will sich nicht in die rechte Ecke stellen lassen.

Wie bereits bei der großen Demo in Aurich am Tag vor Silvester haben sich auch diesmal Vertreter weiterer Berufsgruppen den Landwirten angeschlossen: Handwerker, Fuhrunternehmer und Pflegekräfte. Ihr Erkennungszeichen ist rot-weißes Flatterband an den Fahrzeugen. „Viele andere Berufsgruppen kommen auf uns Landwirte zu“, sagt Soeken. Es entstehe eine ganz neue Gemeinschaft. Man helfe sich gegenseitig. „Die Kommunikation untereinander ist Wahnsinn.“

„Das Bauen ist nicht mehr finanzierbar“

Der Tischler Soenke Burmann aus Wiesmoor beispielsweise sieht durch gesetzliche Regelungen das Handwerk am Boden. „Das Bauen ist nicht mehr finanzierbar.“ Elke Heiß vom Pflegedienst Hilde Ubben findet die Verbindung zwischen Pflegedienst und Landwirtschaft logisch. Beides sei existenziell wichtig für die Menschen. Der Lohnunternehmer Dirk Busker aus Moormerland beklagt die Folgen der Mauterhöhung.

Nach gut 30 Minuten ist die Kundgebung vorbei. Die Teilnehmer machen sich auf den Rückweg. Die Polizei gibt Tipps, wie sie möglichst ohne Verkehrsbehinderungen über die Kreuzung kommen. Eines steht fest: Am Montag wollen sie alle wieder dabei sein.

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