Ulmenhof in Uttum  Krummhörner Tierheim will nicht mehr für Gemeinde arbeiten

| | 05.01.2024 16:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Esther und Thomas Huber haben sich 16 Jahre um die Fundtiere aus der Gemeinde Krummhörn gekümmert. Damit ist nun Schluss. Foto: Archiv
Esther und Thomas Huber haben sich 16 Jahre um die Fundtiere aus der Gemeinde Krummhörn gekümmert. Damit ist nun Schluss. Foto: Archiv
Artikel teilen:

Das Betreiberehepaar Esther und Thomas Huber will nichts mehr mit der Gemeinde Krummhörn zu tun haben und fühlt sich über den Tisch gezogen. Was sind die Hintergründe und wie geht es weiter?

Uttum - „Wir sind froh, wenn wir mit der Gemeinde nichts mehr zu tun haben müssen“, sagt Thomas Huber. Er betreibt gemeinsam mit seiner Frau, Esther Huber, den Ulmenhof in Uttum. Dabei handelt es sich um ein privates Tierheim, eine Auffangstation für Katzen, Hunde und Co. In den vergangenen 16 Jahren arbeitete der Ulmenhof mit der Gemeinde Krummhörn zusammen, hatte einen Vertrag über die Aufnahme von Fundtieren abgeschlossen. Damit ist nun Schluss. Zum Jahresende haben die Hubers ihren Vertrag mit der Gemeinde gekündigt.

Anlaufstelle in der Krummhörn: der Ulmenhof in Uttum. Foto: Archiv
Anlaufstelle in der Krummhörn: der Ulmenhof in Uttum. Foto: Archiv

Das bestätigt auf Nachfrage Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos). Details will sie aber nicht nennen und verweist zu den Hintergründen auf den Ulmenhof selbst. Nur so viel: „Die vertraglich vereinbarten Leistungen und Gegenleistungen wurden aus unserer Sicht von beiden Vertragspartnern, jeweils – wie vereinbart - erbracht“, so Looden.

Probleme in der Zusammenarbeit

Nach Informationen dieser Zeitung soll es aber durchaus Probleme in der Zusammenarbeit zwischen dem Ulmenhof und der Gemeinde gegeben haben. Darauf weisen unter anderem Unterlagen hin, die dieser Redaktion vorliegen. Auch Thomas Huber spricht von Problemen. „Wir sind 16 Jahre lang über den Tisch gezogen worden“, sagt er. Er zeigt sich enttäuscht und genervt darüber, wie mit ihm und seiner Frau umgegangen wurde. „Irgendwann hat man einfach keine Lust mehr“, sagt er.

Zu Beginn der Zusammenarbeit vor 16 Jahren hätten er und seine Frau eine Aufwandsentschädigung in Höhe von gerade einmal 250 Euro im Monat bekommen. Das sei dann zwar nach und nach auf zuletzt 1000 Euro angepasst worden. Auch die Tierarztkosten würden „seit kurzem“ übernommen - die vorherigen 16 Jahre habe das Ehepaar die selbst getragen.

Um diese Aussage zu prüfen, hatten wir die Gemeinde gebeten, uns die Vertragsdetails inklusive bezahlter Leistungen an den Ulmenhof mitzuteilen. Daraufhin schrieb Gemeindesprecher Oliver Janssen: „Wir sind der Überzeugung, dass vertragliche Details zwischen den Parteien vertraulich behandelt werden sollten, und es liegt nicht im Interesse beider Seiten, diese öffentlich zu kommunizieren.“ Auch Thomas Huber selbst wollte uns die vertraglichen Details nach erneuter Nachfrage nicht mitteilen.

Kastrationen selbst gezahlt

Laut den Unterlagen, die uns vorliegen, betreut der Ulmenhof derzeit 27 Fundkatzen. Die meisten Tiere, die das Ehepaar aufnimmt, müssen vom Tierarzt behandelt werden. Demnach hat der Ulmenhof diese Rechnungen zunächst selbst bezahlt und sich das Geld dann anschließend von der Gemeinde zurückgeholt. So wird jeder Fall einzeln abgerechnet. Aber: „Wir haben alle Kastrationen selbst gezahlt“, sagt Huber. Bei einer Katze fallen dafür um die 200, bei einem Kater um die 150 Euro an. Dass der Ulmenhof das selbst bezahlen muss, ist nach Auskunft von Thomas Huber vertraglich so geregelt. „Ich sehe nicht ein, dass wir für die Gemeinde 1500 Katzen kastrieren müssen“, sagt er. Gemeindesprecher Oliver Janssen schreibt hingegen, dass es für die Kastrationen durchaus einen vertraglich geregelten Zuschuss gegeben hat - die Summe wollte er aber nicht nennen.

Laut vorliegenden Unterlagen soll das Ehepaar für eine weitere Zusammenarbeit eine deutlich höhere Aufwandsentschädigung als zuvor gefordert haben. „Das stimmt nicht“, sagt Thomas Huber. Es sei ihm und seiner Frau nie ums Geld gegangen. All die Jahre hätten die beiden ehrenamtlich und mit viel Herzblut die Tiere betreut. „Wir helfen ja gern“, sagt er. Und das auch mit privaten Mitteln. Um den Betrieb am Laufen zu halten, hätten die Eheleute unter anderem Immobilien und Fahrzeuge verkauft. Auch in Zukunft will das Ehepaar den Ulmenhof demnach weiter betreiben, etwa Katzen verstorbener oder erkrankter Besitzer aufnehmen - nur eben nicht mehr mit der Gemeinde Krummhörn zusammenarbeiten.

Auch der Vertrag mit Hinte wurde gekündigt

Die muss sich derweilen einen neuen Partner für die Aufnahme von Fundtieren suchen. Laut Bürgermeisterin Hilke Looden wurden mehrere Varianten geprüft, darunter das Tierheim in Hage und in Emden. Unterschrieben sei aber noch nichts. „Sobald es hierzu eine vertraglich abgesicherte Alternative bezüglich der Aufnahme und Betreuung von Fundtieren gibt, werden wir darüber berichten“, schreibt sie. Nach Informationen dieser Zeitung ist eine Zusammenarbeit mit dem Tierheim Emden aber am wahrscheinlichsten.

Der Ulmenhof hatte 2017 schon die Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Hinte eingestellt, nachdem es dort Reibereien gegeben hatte. Die Fundtiere aus Hinte werden seitdem ebenfalls im Emder Tierheim untergebracht.

Ähnliche Artikel