Drama in Ostrhauderfehn Kaninchen Flo ist tot – starb es durch Silvesterknaller?
Der im Netz bekannte Tierschützer Malte Zierden kritisierte in einem Video die Böllerei zum Jahreswechsel. Ein Kaninchen kam vermutlich sogar ums Leben. Das sagt ein Tierarzt dazu.
Ostrhauderfehn/Saterland - Der kleine Flo ist verstorben. „Er hat sich an Silvester so erschreckt, dass er aufgesprungen und sich das Genick gebrochen hat“, vermutet seine Halterin aus Ostrhauderfehn. Sie habe ihn tot im Stall entdeckt. Ihren Namen möchte die Ostrhauderfehnerin aufgrund der hitzigen Diskussion nicht in der Zeitung lesen, er ist der Redaktion aber bekannt.
Das Thema ist nicht neu – verängstigte Tiere sind eines der Hauptargumente der Feuerwerk-Kritiker. So startete auch Malte Zierden einen Aufruf in den Sozialen Netzwerken. Der gebürtige Ostfriese aus dem Oberledingerland setzt sich im Internet für den Tierschutz ein. Sein Video ging viral: Auf Instagram hat es über 23,8 Millionen Aufrufe. „Haustieren etwas antun, damit sie eine scheiß Todesangst bekommen, könnte niemand von uns, oder?“, fragt Zierden in dem Kurzvideo. „Und tun wir trotzdem. Ist halt Tradition zu Silvester, Raketen und Böller zu ballern, macht man halt so“, fährt der Influencer fort.
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Dass sein Video so viele Menschen erreicht, darüber war der Tierschützer im ersten Moment überrascht. „Es war so gut wie überall zu sehen“, so Zierden auf Nachfrage. „Sehr viele Menschen waren meiner Meinung und unterstützten meine Kernaussage: Unsere Gesellschaft stellt für ein paar Wochen ihre Menschlichkeit auf Kosten der Tiere und Natur zurück.“ Aber auch Gegenwind habe sein Video erhalten: „Das war meiner Meinung nach aber zu erwarten und wichtig.“ Das Gute sei, dass aus diesen verschiedenen Meinungen nun ein Diskurs entstehe und Menschen darüber reden.
Ein Tierarzt klärt auf
„Ich möchte Tiere schützen und wollte einfach nur aufklären. Es gibt nun mal sehr viele Menschen, denen die Auswirkungen von Silvestertraditionen nicht wirklich bewusst sind“, schreibt Malte Zierden unserer Redaktion. Über diese Auswirkungen haben wir mit einem Tierarzt gesprochen. Dr. Frank Altehans hat seine Praxis im Saterland. „Grundsätzlich können wir festhalten, dass Tiere nicht nur die Geräuschbelastung, sondern auch die optische Belastung wie Blitze nicht zuordnen können. Tiere, die sowieso ein wenig ängstlich sind, geraten in Panik. Das ist nicht nur Angst“, erklärt der 53-Jährige. Entweder die Tiere laufen weg oder sie verstecken sich. Pinkeln sich sogar ein. „Das sind Symptome von Panikattacken.“
Am ersten Öffnungstag nach Silvester habe es in seiner Praxis schon mehrere Fälle von verängstigten Hunden oder Katzen gegeben. „Das wird auch noch die nächsten Wochen anhalten. Das kennt man jedes Jahr“, so Altehans. Aber nicht nur Haustiere, sondern auch Wildtiere seien betroffen. „Ich habe selbst gesehen, wie Rehe völlig aufgeschreckt sind“, erzählt der 53-Jährige. „Deswegen ist der Ruf nach Ruhezonen, Schutzzonen, bis hin zum Verbot der sinnfreien Böllerei schon verständlich und nachvollziehbar“, so Frank Altehans.
In Panik geratene Tiere müssen Medikamente nehmen
In seiner Praxis gibt der Mediziner den Haltern seiner Patienten nicht nur Tipps im Umgang mit den Tieren um Silvester. Manche Tiere müsse man auch medikamentös behandeln. Homöopathisch oder mit Medikamenten. Die gebe es in verschiedenen Abstufungen, für leichte Angstzustände bis hin zu schweren Sedativa (Beruhigungsmittel) für Tiere, die kurz vor dem Kreislaufkollaps stehen.
„Das ist natürlich eine Ausnahme, dass Tiere vor Panik einen Kreislaufzusammenbruch kriegen“, erklärt der Tierarzt. Das schlimmste seien auch nicht die körperlichen Schäden, sondern die psychischen Schäden, die auch nicht nach Silvester vorbei gehen. „Hunde bleiben geräuschempfindlich und das über lange Zeit oder sogar lebenslang“, sagt Frank Altehans. Trotzdem: „Unfälle passieren – Tiere laufen weg, laufen vor Panik vors Auto oder sogar in die Ems.“
Flo ist durch einen Unfall gestorben
Ein Unfall, das war es bei Flo, dem Kaninchen der Osthrauderfehnerin, auch. Dass Flo sich durch den Schreck das Genick gebrochen hat, hält der Tierarzt Dr. Frank Altehans für „nicht unwahrscheinlich“. Flo ist nicht das erste Kaninchen der Ostrhauderfehnerin, das wegen der Knallerei um das Jahresende verstorben ist. Vor drei Jahren starb schon Flos Schwester, Ellie. „Das war beide Male auch noch nicht mal bei dem großen Feuerwerk, sondern bei der unnötigen Knallerei vorher – wenn der Knall plötzlich kommt“, sagt sie.
Flo sei kerngesund gewesen, habe gut gegessen und sich viel bewegt. Artgerechte Tierhaltung liegt der Kaninchenhalterin am Herzen: Ihre Tiere bekommen bekömmliches und nährreiches Futter, haben viel Auslauf und Platz und leben nicht allein. Flo aß anders als seine Stallgenossin Nora immer gerne Obst. Als erstes kam er angerannt und schnappte sich den liebevoll klein geschnittenen Apfel vom Teller, erzählt seine Halterin. Doch jetzt frisst keiner Nora mehr den Apfel weg. Denn Flo ist nicht mehr da.