Berlin Sahra Wagenknecht hilft keinem, nur weil sie der AfD schadet
Jetzt hat Sahra Wagenknechts ihre Partei offiziell gegründet. Auch manch einer ihrer Gegner hofft, dass sie der AfD Stimmen abnehmen könnte. Hilft das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW) der politischen Kultur? Eher nicht.
Wo Sahra Wagenknecht ist, wird’s laut. Bei Anne Will outet sie sich in der Pandemie als ungeimpft. Ihr Wort vom „Wirtschaftskrieg gegen Russland“ verteidigt sie bei Markus Lanz. Gegen die woke „Lifestyle-Linke“ schreibt sie einen Bestseller. Und ihre Parteigründung dementiert, erwägt und plant sie so lange, dass die „BILD“-Umfragen das „Wahl-Beben“ schon vorhersagen, als es die Partei noch gar nicht gibt.
Viele verbinden mit dieser Wahrnehmbarkeit eine Hoffnung. Wagenknechts Duz-Freundin Alice Schwarzer drückt sie so aus: „Nur noch Sahra Wagenknecht könnte den Aufstieg der AfD bremsen.“ Das dürfte auch manchen trösten, der keine einzige ihrer oft kontroversen Positionen teilt.
Stärkt es die moderaten Parteien, wenn die Extreme sich gegenseitig bekämpfen? Brauchen wir noch mehr Parteigründungen – so wie auch der CDU-Renegat Hans-Georg Maaßen sie gerade plant? Womöglich hilft es bei den anstehenden Landtagswahlen wirklich, wenn Wagenknechts BSW der AfD Stimmen abnimmt.
Die Parteigründung der BSW im Video:
Dass aber ausgerechnet eine Linke den Rechten das Wasser abgraben könnte, bleibt ein Problem. Ihr gemeinsamer Nenner ist schließlich kein Projekt, für das sie gemeinsam wären. Es ist viel eher das, was sie global ablehnen: die da oben.
Zu befürchten ist, dass Wagenknecht die Masse der Unzufriedenen nicht nur spaltet – sondern auch mehrt. Indem sie die Polarisierung vorantreibt, von der ihre Bewegung lebt. Gerade erst hat sie Robert Habecks Sorgen nach der Blockade seiner Fähre als weinerlich abgetan. In der Pressekonferenz zur BSW-Gründung wirft sie der Ampel „Unfähigkeit und Arroganz“ vor. Aufgepeitschter Zorn nutzt ihr mehr als der nüchterne Diskurs.
Dabei braucht es gerade jetzt, in der Krisenbewältigung zwischen Krieg und Klimawandel, versöhnende Kräfte. Die Zuversicht, wonach die Kinder es mal besser haben, bröckelt – und mit ihr das Vertrauen in demokratische Prozesse und Institutionen.
Wohin das führt, sieht man in den USA. Donald Trump scherzt offen über seine Lust an der Diktatur – und ist damit der aussichtsreichste Kandidat seiner Partei. Wenn die Demokratie nicht auch bei uns zum Witz werden soll, braucht es andere Stimmen als Sahra Wagenknecht.