Düsseldorf  Unternehmen fordern vermehrt KI-Kenntnisse – was das für den Arbeitsmarkt bedeutet

Lara Schmidt
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Von Lara Schmidt
| 09.01.2024 13:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Künstliche Intelligenz kann mittlerweile ein entscheidendes Kriterium beim Bewerbungsgespräch sein. Foto: imago images/Westend61
Künstliche Intelligenz kann mittlerweile ein entscheidendes Kriterium beim Bewerbungsgespräch sein. Foto: imago images/Westend61
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Bereichert Künstliche Intelligenz (KI) den Arbeitsmarkt oder bedroht sie ihn? Eine neue Jobmarkt-Analyse ergab nun, dass immer mehr deutsche Unternehmen in Bewerbungsprozessen nach Kandidaten mit KI-Fähigkeiten suchen. Was bedeutet das für Arbeitsuchende?

Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) durchdringt mittlerweile zahlreiche Bereiche des alltäglichen Lebens, auch den Arbeitsmarkt. Laut einer aktuellen Untersuchung der Stepstone Group lässt sich beobachten, dass deutsche Unternehmen sowohl vermehrt KI-Jobs ausschreiben als auch deutlich stärker nach Bewerbern mit KI-Fähigkeiten suchen.

Bereits 2021, ein Jahr vor dem Durchbruch von ChatGPT, wurden laut der Untersuchung 85 Prozent mehr Menschen mit Fähigkeiten im Bereich KI gesucht als zwei Jahre zuvor. Zudem wurde nur ein Jahr später ein Höchststand an KI-Jobs erreicht (+117 Prozent im Vergleich zu 2019).

Im Jahr 2023 war der Anteil an Stellenanzeigen, die Mitarbeiter mit KI-Fähigkeiten suchen oder Begriffe mit KI-Bezug nutzten, um 46 Prozent höher als 2019. Nach Arbeitsmarktexperte Tobias Zimmermann von The Stepstone Group pendele sich der Wert seit 2023 auf einem konstanten Niveau ein.

Immer wieder wird diskutiert, wie sich KI auf den Arbeitsmarkt und die menschliche Arbeitskraft auswirkt. Laut einer gemeinsamen Umfrage von YouGov und Statista befürchten 28 Prozent aller Teilnehmenden, dass KI menschliche Arbeitskraft ersetzen wird. Bei der Frage, ob KI Chance oder Bedrohung ist, gehen die Meinungen nach Altersgruppen dagegen stark auseinander. Sehen Sie dazu untenstehende Statista-Grafik:

Nicht nur die Anforderungen an Bewerber hinsichtlich KI-Fähigkeiten steigen. Die Jobmarkt-Analyse ergebe außerdem, dass Fähigkeiten, die nicht automatisiert werden können, stark an Bedeutung gewonnen haben. Demnach hätte sich der Anteil der Stellenanzeigen, die Soft Skills wie Kreativität und Kommunikationsfähigkeit hervorheben, im Vergleich zu 2019 im Jahr 2023 verdreifacht. Den größten Zuwachs verzeichnen dabei folgende Fähigkeiten: Flexibilität (+38 Prozent), Kommunikationsfähigkeit (+35 Prozent), Lernbereitschaft (+34 Prozent) und Kreativität (+27 Prozent).

Zimmermann gibt eine klare Einschätzung zur Rolle von KI und Mensch im Arbeitsmarkt: „Keine KI wird jemals ganz ohne Menschen auskommen. Technologien müssen von Personen trainiert, bedient und weiterentwickelt werden.“

Entsprechend schätzt der Experte, dass soziale Kompetenzen und andere Soft Skills weiter an Relevanz für den Arbeitsmarkt gewinnen würden: „Weil es die Fähigkeiten sind, die Menschen den Maschinen immer voraus haben werden.“

Zu der Frage, wie sich der Arbeitsmarkt durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz verändern wird, gibt es einige widersprüchliche Studien, die KI mal als Bereicherung und mal als Bedrohung titulieren. Zimmermann erläutert dazu: „Das Arbeitsmarktumfeld ist derzeit so dynamisch wie nie zuvor, und in den nächsten Jahren werden Jobs entstehen, die wir aktuell noch gar nicht kennen.“

Gleichzeitig betont er: „Umso wichtiger ist es, dass wir die Aufgaben, die sich nicht automatisieren lassen und immer von Menschen ausgeübt werden, gesamtgesellschaftlich stärker wertschätzen und honorieren – und das heißt auch, sie fair zu entlohnen.“

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