Osnabrück Oliver Pocher in Osnabrück: Flache Witze und Verhalten eines bockigen Jungen
Mit flachem Witz und fehlendem Feingefühl begeistert Oliver Pocher sein euphorisches Publikum in der Osnabrückhalle. In seinem neuen Programm will er die schmerzhafte Trennung von seiner Noch-Ehefrau Amira verarbeiten. Dass er damit andere schmerzlich verletzen könnte, scheint ihm egal zu sein.
Eine innige Umarmung auf der Bühne. Dann wandern Oliver Pochers Hände nach unten, auf den Hintern der jungen Frau aus dem Publikum. Was andernorts eine kritische Me-Too-Debatte ausgelöst hätte, findet bei Pochers neuer Comedy-Show „Der Liebeskasper“ in der Osnabrückhalle Beifall. Viele lachen oder klatschen. „So is‘ er halt, der Olli“, kommentiert einer der Besucher. Die 22-Jährige in den Armen des Komikers stört sein Verhalten anscheinend auch nicht.
Der Olli-Fanclub amüsiert sich köstlich über den wenig originellen Humor des Komikers, der an ein bockiges verlassenes Schulkind erinnert. Der Saal ist schon um 19 Uhr, eine Stunde vor Beginn, gut gefüllt. Freie Platzwahl. Flink wird so mancher Wintermantel zum Platzhalter-Handtuch. Wie passend, denn die Stimmung erinnert ebenfalls an Ballermann.
Es geht an dem Abend um Liebe, Sex und Herzschmerz. Dabei bezieht sich der Promi auf seine Trennung von Amira Pocher im August. Pocher unterstellt seiner Noch-Ehefrau seitdem eine Affäre mit Motivationstrainer Biyon Kattilathu. Den er mit seinem Alter-Ego Dalai Karma parodiert. Als Dalai Karma tritt der Komiker natürlich auch an diesem Abend auf und beantwortet Publikumsfragen im Guru-Stil.
Pocher bestätigt an dem Abend seinen Ruf, sich nicht an die allgemeingültigen Regeln des Umgangs zu halten. Dessen scheint er sich auch durchaus bewusst zu sein. Seine Regel des Abends: Keine Videoaufnahmen. Die könnten im Internet falsch interpretiert werden, sagt er und lacht. Wem der Humor nicht gefalle, der solle „draußen weiter gendern“. Die Anfrage unserer Redaktion für eine Berichterstattung zur Show lehnte er ab. Seine überspitzte Trennungsverarbeitung wollten wir uns trotzdem nicht entgehen lassen.
Überraschend viele junge Frauen zwischen 20 und 30 sitzen im Publikum. Obwohl „Olli“ mit seinen Witzen, mehrheitlich gegen Frauen, konstant unter der Gürtellinie bleibt. Er gibt die „Triggerwarnung“, er werde viele dreckige Begriffe in den Mund nehmen. Als er besagte Begriffe aufzählt, dürfen am Ende natürlich „Amira und Biyon“ nicht fehlen. Laute Pfiffe und schallende Klatscher erfüllen die Halle.
Niemand ist vor Pochers selten schmeichelhaften Bemerkungen sicher. Auch nicht sein Publikum. Denn der 45-Jährige scherzt im Dialog mit Zuschauern über Namen, Kleidung, Körper und Beziehungen. Keine Schublade scheint ihm zu tief; er lobt zum Beispiel das Instagram-Profil einer Zuschauerin als „perfekt, um meine Morgenlatte loszuwerden“. Politikerin Ricarda Lang beschreibt er als die „Fette von den Grünen“. Pocher selbst tritt aber bauchfrei auf und präsentiert seinen Bierbauch mit ironischem Stolz. Gilt Body Positivity, ein positives körperliches Selbstbild, folglich nur für Männer?
Auch seine Noch-Ehefrau Amira bleibt nicht verschont. Auf den Bildern, die er von ihr zeigt, ist sie hauptsächlich in Unterwäsche zu sehen. Immer wieder redet er über ihre angebliche Affäre und macht sich ausgiebig über sie lustig. Und das, obwohl er stets betont, dass es am wichtigsten ist, trotz der Trennung als Eltern gut zusammenzuarbeiten, zum Wohl der gemeinsamen Kinder.
Seine vielen vorher gedrehten Videos, zum Beispiel ein Trennungstanz-Workshop, begeistern das Publikum ebenso wie ein wilder Live-Tanz als Britney Spears, mit kurzem Rock, verkleidet. Bis zum Schluss hält sich die hohe Energie, beim Abschied steht fast der ganze Saal – Standing Ovations für respektlose Scherze auf Kosten anderer. Derartige Witze sind zur Genüge aus dem Internet und Fernsehen bekannt. Pocher unterläuft sogar dieses Niveau bewusst breitbeinig und genau so gefällt es dem Publikum auch.