Sterben Restaurants aus?  Traditionslokal „Sipan“ in Weener hat für immer geschlossen

| | 15.01.2024 12:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sukri Kemal Acar war mit seinem Restaurant „Sipan“ seit 1998 eine Institution in Weener. Jetzt hat er das Lokal geschlossen und sucht einen Nachfolger. Foto: Gettkowski
Sukri Kemal Acar war mit seinem Restaurant „Sipan“ seit 1998 eine Institution in Weener. Jetzt hat er das Lokal geschlossen und sucht einen Nachfolger. Foto: Gettkowski
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Sukri Kemal Acar war mit seinem Lokal „Sipan“ in Weener eine Institution. Nach 25 Jahren hat der aus Syrien stammende Gastronom sein Lokal für immer geschlossen. Er hat uns erzählt, warum.

Weener - Seit den 90er Jahren zählte „Sipan“ gastronomisch zu den ersten Adressen in Weener. Gruppen trafen sich dort zum Kegeln, Vereine und Parteien hielten dort ihre Versammlungen ab, Touristen genossen auf der liebevoll bepflanzten Terrasse ein Radler oder Bier unterm Sonnenschirm. 25 Jahre lang hat der Vollblut-Gastronom Sukri Kemal Acar das Lokal mit seiner Familie betrieben, jetzt hat er sein Restaurant geschlossen. „Zu vermieten“ steht auf dem Schild einer Fensterscheibe.

„Der Umsatz stimmte einfach nicht mehr“, sagt der 65-Jährige. Die Energiekosten seien immens gestiegen, durch die Anhebung der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent hätte er nun die Preise für die Gerichte erhöhen müssen. „Dann wäre die Zahl der Gäste noch weiter zurückgegangen“, erzählt Acar, der gebürtig aus Syrien stammt. Das liegt wohl auch an der Konkurrenz, den Döner-Läden, die wie überall auch in Weener wie Pilze aus dem Boden sprießen. „Heutzutage wollen die jungen Leute Döner, Pizza und Salat per Lieferservice oder zum Selbstabholen“, zieht er nüchtern Bilanz. Er wolle mit dem Restaurant in Weener jedenfalls keine Schulden machen und sucht nun einen Nachfolger. Das Gebäude zu Wohnungen umzubauen, sei für ihn die letzte Lösung.

Ziel ist gastronomische Nachfolge

„Es wird nicht einfach, hier wieder eine Gastronomie reinzukriegen“, weiß er. Anfragen von Interessenten gebe es zwar. „Aber das Konzept muss auch passen. Wenn Pächter nach einem Jahr gleich wieder alles hinschmeißen, bringt das auch nichts.“ Um Geld gehe es ihm dabei nicht, sondern eher um ein langfristiges neues Gastronomieangebot für Weener. „Die Miete kann man staffeln, bis der Nachfolger sich stabilisiert hat.“

Für das Restaurant wird ein Nachfolger gesucht. Nur wenn das nicht gelingen sollte, will Acar das Haus zu Wohnungen umbauen. Foto: Gettkowski
Für das Restaurant wird ein Nachfolger gesucht. Nur wenn das nicht gelingen sollte, will Acar das Haus zu Wohnungen umbauen. Foto: Gettkowski

Sukri Kemal Acar will seine Zeit an anderer Stelle investieren. „Eigentlich bin ich ab Mai 2024 offiziell Rentner“, sagt Acar, der schon lange die deutsche Staatsangehörigkeit hat. Eigentlich könnte er ja dann seinen Ruhestand genießen. „Ich bin Ruhe aber nicht gewohnt“, sagt er. Solange Gesundheit und Power ausreichen, werde er seine Kinder unterstützen. Bis auf seine Tochter, die in Stuttgart einen Frisörsalon betreibt, sind alle in der Gastronomie. „Dafür muss man geboren sein“, findet der Gastronom. Er selbst habe nach eigenen Worten zwar lieber im Service gearbeitet. „Aber ich gehe da hin, wo ich gebraucht werde. Auch die Arbeit in der Küche hat mir super Spaß gemacht.“

Öffnungszeiten angepasst

Seine Familie betreibt nicht nur die Pizza-Stübchen in Weener, Bunde und Leer, sondern seit sieben Jahren auch die beiden Leeraner Szene-Restaurants „Havnbar“ und „360 Grad“. In der Innenstadt von Leer sei mehr los. Den Einkaufsbummel in der Stadt schließen viele mit einem Restaurantbesuch ab. Mitarbeiter der Betriebe und Behörden in der Stadt treffen sich dort zum Mittagessen oder nach Feierabend. „In Weener ist das stark zurückgegangen.“ Zu Anfang hatte „Sipan“ auch mittags geöffnet, als die Gästezahlen zurückgingen, wurden die Öffnungszeiten angepasst. Zuletzt war nur noch freitags bis sonntags geöffnet. Der Erfolg des Restaurants war anfangs wohl auch auf die „internationale“ Speisekarte zurückzuführen. Gyros und Lammkoteletts waren dort ebenso vertreten wie Pizza, Pasta, Burger und Fischgerichte. Auf der Karte standen aber auch Jäger- und Zigeunerschnitzel. Typisch deutsch eben. „Ich fühle mich auch als Deutscher“, sagt Acar.

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„Ich bin hier zwar nicht geboren, aber Weener ist für mich meine Heimat, meine Stadt“, sagt der 65-Jährige, der gerne reist. Die Menschen seien sich nicht bewusst, in was für einem guten Land sie leben. Er sei Deutschland dankbar für die Möglichkeiten, die er seinerzeit bekommen habe. Diese Dankbarkeit fehle seiner Meinung nach vielen. „Deutschland erzieht die Leute falsch. Die Menschen bekommen Geld vom Staat, müssen aber nichts dafür tun“, sagt Acar. Vor allem Rentnern gegenüber sei das unfair. „Nach dem Krieg haben sie Deutschland wieder aufgebaut. Normalerweise müssten sie dafür heute belohnt werden und nicht die, die nichts tun.“ Er sei kein Politiker, aber ein politischer Mensch: „Ich habe keine Bedenken, meine Meinung zu sagen.“ Um Geld gehe es ihm dabei nicht. Mit seinen Kindern und Enkeln gemeinsam am Tisch zu sitzen, das sei für ihn Reichtum und Glück. „Geld beruhigt, aber es gibt Dinge, die kann man für Geld nicht kaufen.“