Protest gegen Ampel-Politik  Ostfriesische Zahnärzte schließen Praxen

Kristina Roispich
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Von Kristina Roispich
| 17.01.2024 15:42 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Am 1. Februar sollen viele Zahnarztpraxen in Ostfriesland geschlossen bleiben. Foto: Vennenbernd/DPA
Am 1. Februar sollen viele Zahnarztpraxen in Ostfriesland geschlossen bleiben. Foto: Vennenbernd/DPA
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Weil sie mit der Gesundheitspolitik der Bundesregierung unzufrieden sind, wollen viele Zahnärzte in Ostfriesland ihre Praxen schließen. Einen Termin für den Protesttag gibt es schon.

Ostfriesland/Emsland - Um auf die aus ihrer Sicht verfehlte Gesundheitspolitik der Bundesregierung aufmerksam zu machen, bleiben viele Zahnarztpraxen in Ostfriesland am Donnerstag, 1. Februar, geschlossen. Und es sollen weitere Protesttage folgen. „Die Zahnärzteschaft ist nicht dafür bekannt, bei Kleinigkeiten sofort aufzubegehren. Doch jetzt ist das Maß überschritten“, teilte die Bezirksgruppe Ostfriesland des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte (FVDZ) mit. Der FVDZ ist nach eigenen Angaben der größte unabhängige zahnärztliche Berufsverband in Deutschland.

Die Zahnärzte fordern, die erbrachten zahnärztlichen Leistungen vollständig zu vergüten, die Budgetierung abzuschaffen, die 35 Jahre alte Gebührenordnung „der Realität anzupassen“ und den bestehenden bürokratischen Aufwand sofort zu reduzieren. „Für eine völlig unzureichende zahnärztliche Finanzierung seitens der Primärkrankenkassen ist keine ausreichende Patientenversorgung leistbar“, so Dr. Stephan Gebelein, Zahnarzt aus Wittmund und Vorsitzender des FVDZ in Ostfriesland.

Mediziner beklagen zu viel Bürokratie im Praxisalltag

Die niedergelassenen Zahnärzte seien sauer und enttäuscht von der Gesundheitspolitik. „Die bürokratische Belastung für die Kollegenschaft und unser Fachpersonal ist zu hoch. Wir verbringen viel zu viel Zeit am PC. Anstatt uns um die Beschwerden der Patienten zu kümmern, verwalten wir den Mangel im Gesundheitssystem“, erläutert Dr. Michael Debbrecht. Er ist Zahnarzt in Papenburg und Vorsitzender der Bezirksstelle Ostfriesland der Zahnärztekammer Niedersachsen.

Der Zahnärztemangel in vielen ländlichen Regionen führe schon jetzt dazu, dass Patienten länger auf Termine warten müssen oder erst gar keinen Hauszahnarzt finden. Die zurzeit bestehende Planungsunsicherheit in den Zahnarztpraxen und die Verunsicherung über die weitere wirtschaftliche Entwicklung bei extrem gestiegenen Praxiskosten werde dazu führen, dass noch mehr Praxen ohne einen Nachfolger altersbedingt schließen.

In Aurich soll zentral ein Notdienst organisiert werden

Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, planen die Zahnärzte eine landesweite Protestaktion, die sich im Wesentlichen auf den Bereich Ostfriesland und Aschendorf-Hümmling konzentriert, wie Debbrecht sagte. So würden sich an der Aktion in Ostfriesland die Hälfte der Praxen und im Bereich Aschendorf-Hümmling sogar zwei Drittel beteiligen.

Ein Notdienst soll zentral in Aurich organisiert werden. Die Patienten sollen durch Aushänge auf die Schließung hingewiesen werden, teilweise seien bereits Termine seitens der Praxen abgesagt worden, so Debbrecht. Der Protest der Zahnärzte werde sich über vier Tage erstrecken: Nach dem 1. Februar sollen die teilnehmenden Praxen auch am 28. März, am 8. Mai und am 21. Mai geschlossen bleiben.

Zahnärztliche Versorgung liegt in Ostfriesland nur bei 70 Prozent

Henner Bunke, der Präsident der Zahnärztekammer Niedersachsen, forderte bereits im November grundlegende Änderungen in der Gesundheitspolitik, um die zahnärztliche Versorgung im Bundesland zu sichern. Die inhabergeführten Praxen müssten wieder „adäquate Honorare erhalten, unbudgetiert und verlässlich dynamisiert“, so Bunke. Nur so könne Fachpersonal gehalten und die Versorgung stabilisiert werden.

Die Zahnärzte kritisieren vor allem das im Jahr 2022 verabschiedete sogenannte GKV-Finanzstabilisierungsgesetz. Wegen der strengen Budgetierung fehlten die Mittel für die Prävention. Zudem stellten die Einsparungen eine Gefahr für die flächendeckende zahnärztliche Patientenversorgung vor allem in ländlichen und strukturschwachen Regionen in Deutschland dar. Nach Angaben der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Niedersachsen sind schon jetzt bestimmte Regionen des Landes unterversorgt mit Zahnärzten – in Ostfriesland etwa liege die Versorgung nur bei 70 Prozent.

Mit Material von DPA

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