Zweite Chance Von Gassigehern und Katzenkraulern
Von süßen Pudelwelpen bis zum meterlangen Leguan, im Emder Tierheim wird alles aufgenommen. Wie finden schwer vermittelbare Tiere einen neuen Besitzer und warum lesen Kinder Katzen vor?
Emden - Gefundene Katzen, beschlagnahmte Vögel und ausgesetzte Hunde, ausgebrochene Schlangen, entlaufene Schildkröten und ein eingeschiffter Leguan – alle Tiere finden im Emder Tierheim ein Zuhause. „Hoffentlich nur vorübergehend“, sagt Jantke Tjaden, Leiterin des Tierheims. Seit Anfang dieses Jahres kommen nicht nur Tiere aus Emden und Hinte hierher, sondern auch Fundtiere aus der Krummhörn – bis Mitte Januar 2024 waren das schon 9 Katzen. Im Gegensatz zu dem meterlangen Leguan, der schnell eine neue Heimat in einem speziellen Reptilienhaus in Weidenfeld fand, bleiben Katzen und auch Hunde aber oft länger im Tierheim.
Die Langinsassen seien ein Problem bei vielen Heimen, sagtTjaden. „Schwer vermittelbar sind über 90 Prozent der Fälle“, so zum Beispiel Hunde wie Abby, Socke und Spickey. Schon seit Jahren leben sie in der Einrichtung. Mithilfe von einigen Projekten probieren die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen die Tiere wieder „in die Mitte der Gesellschaft zu bringen.“
Kinder lesen Katzen vor
Dafür gibt es Projekte, wie die Gassigeher und das „Team Trotzdem“. Zum Beispiel war sie in der Weihnachtszeit mit drei Personen und jeweils zwei Hunden auf dem Weihnachtsmarkt – zu Zeiten, zu denen sehr wenig los war. Es gehe darum, dass „die Hunde die Situation kennenlernen sollten. Das haben die alle gut gemeistert“, so Tjaden. Auch trainiert werden beispielsweise Stadtspaziergänge und Fahrstuhlfahren.
Auch für Katzen gibt es Möglichkeiten in dem Tierheim, sich besser an Menschen zu gewöhnen – wie die Katzenkrauler. Bald beginnt auch das Projekt „Kinder lesen Katzen vor“. Kinder mit Leseschwäche bekommen eine ruhige Umgebung, um vorlesen zu üben und gleichzeitig könnten die Katzen sich in ihrem Tempo an die Kinder annähern, erklärt Tjaden.
Das Emder Tierheim in Zahlen
Adresse: Zum Buschplatz 6 Grundstück: 6000 Quadratmeter Aufnahmekapazität: 16-20 Hunde und 80 Katzen (20 Auffangstation, 60 im Katzenhaus „Mauki“ in 17 Gehegen), außerdem Platz für Kaninchen, Meerschweinchen und Vögel. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: 10 Ehrenamt: etwa 15 Gassigeher, 4 Katzenkrauler und 15 Kinder Hund, der am längsten hier wohnt: Spickey, seit 10 Jahren Tiervermittlung: freitags und sonntags zwischen 15 Uhr und 17 Uhr, oder nach Terminvereinbarung unter 04921 28676 und info@tierheim-emden.de
Taubenhaus von der Jugendgruppe gebaut
Neben Katzen und Hunden leben auch noch andere Tiere in den Gebäuden des Tierheims. Jedes Jahr gibt es mindestens zwei Griechische Landschildkröten, die entlaufen, meistens aber schnell von den Besitzern wieder abgeholt werden. Tjaden erinnert sich, dass einmal Geckos gefunden wurden, „in einer Tabakdose. Die haben es leider nicht geschafft: Tabakvergiftung“. Bartagamen und Pudelwelpen, „alles, was durch unsere Tür kommt, ist willkommen und behandeln wir mit Respekt“. Auch Stadttauben sind schon ins Heim gebracht worden. „Die haben wir wieder aufgepäppelt“, so Tjaden, „und dann sind sie bei uns geblieben“.
Für die Tauben hat die Jugendgruppe ein eigenes Taubenhaus gebaut, mitsamt Nest, Sitzstange und Futterstation mit Rattenprävention. Die Jugendarbeit und Zusammenarbeit mit Schulen, zum Beispiel der IGS Hinte/Krummhörn ist für Tjaden wichtig, „damit mehr Bewusstsein für Tierschutz entwickelt wird“.
„Irgendwann gibt es immer ein Happy End“
Tjaden zweifelt nicht daran, dass jeder ihrer Schützlinge mit der Zeit ein neues Zuhause findet. „Wir haben viele Hunde, die noch suchen, aber auch für die kommt der passende Mensch“, sagt sie. Bei der Vermittlung nehmen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer viel Zeit, damit es zwischen Tier und Besitzer auch wirklich passt. „Dank Social Media sehen wir inzwischen auch, was aus ihnen wird“, so Tjaden. Auch kommen die Tiere hin und wieder zu Besuch oder zur Weihnachtsfeier – dann selbstverständlich mit ihrem neuen Besitzer.