Für Demokratie und Freiheit Hunderte gehen in Emden gegen Rechts auf die Straße
Was als Mahnwache mit 20 Leuten geplant war, weitete sich am Sonnabend in der Emder Innenstadt zu einer eindrucksvollen Aktion aus. Die Veranstalterinnen zeigten sich überwältigt von der Resonanz.
Emden -Es sollte ursprünglich nur eine Mahnwache mit etwa 20 Leuten sein, aber die Veranstaltung weitete sich zu einer großen Protestaktion aus: Hunderte Menschen haben an diesem Sonnabend, 20. Januar 2024, in der Emder Innenstadt gegen Rechtsextremismus und für Demokratie demonstriert.
Sie versammelten sich am Vormittag mit Transparenten auf dem Platz zwischen der Fußgängerzone Zwischen Beiden Sielen und dem Neuen Markt, riefen in Sprechchören „Wir sind mehr!“ und sangen gemeinsam das Lied „Die Gedanken sind frei“. Die Polizei sprach von rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Organisatorinnen von etwa 600.
Aufruf gegen Hassund Hetze
Die Demonstrierenden standen dicht gedrängt zwischen der Fußgängerzone und der Westeremstonne. Teilweise gab es kein Durchkommen mehr. Organisiert hatten die Aktion Darinka Herrmann aus Emden und Sonja Gosch aus Suurhusen. Die beiden 35 und 43 Jahre alten Freundinnen hatten als Privatleute die Initiative ergriffen. „Wir haben beide drei Kinder, und die sollen in einer Demokratie aufwachsen – dafür muss man aufstehen“, so Gosch. Sie zeigte sich „überwältigt“ von der Resonanz.
Darinka Herrmann rief in ihrer Ansprache dazu auf, sich klar gegen Hass und Ausgrenzung sowie für Vielfalt, Integration, Individualität und Freiheit zu bekennen. „Denn wir Ostfriesen sind frei, offen und vielfältig“, sagte sie. Zugleich beklagte die Sprecherin, dass Rassismus, Antisemitismus, Diskriminierung sowie Queer- und Frauenfeindlichkeit in der Mitte der Gesellschaft angekommen seien.
Sie zog Parallelen zum Aufstieg der Nationalsozialisten vor etwa 100 Jahren. Heute reiche eine einfache Mehrheit im Parlament, um die Demokratie auszuhebeln. „Wir müssen jetzt dagegen halten, bevor es zu spät ist“, mahnte die Emderin. Es sei „5 vor 1933“. Ihr Appell: „Seid nicht still, wenn in der Kneipe, in der netten Whatsapp-Gruppe oder auf dem Schulhof rechtes Gedankengut verbreitet wird!“
Es gab keine größeren Zwischenfälle
Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren auch aus Emdens Nachbarstädten und -gemeinden nach Emden gekommen, auch eine Gruppe von der Insel Borkum war dabei. Die Veranstaltung ging nach gut 45 Minuten mit Beiträgen Emder Kneipenchors aus dem Café Einstein zu Ende. Er sang unter anderem den Anti-Neonazi-Song „Schrei nach Liebe“ der Punkrockband Die Ärzte
Zu größeren Zwischenfällen oder Störungen kam es nach übereinstimmenden Angaben von Veranstalterinnen und Polizei nicht. Ein Mann mit rechter Gesinnung, der ein Button der AfD trug, sei von der Versammlung ausgeschlossen worden, sagte ein Sprecher der Polizei dieser Zeitung. Der Betroffene habe sich aber friedlich verhalten. Außer ihm traten nur ganz vereinzelt Gegendemonstranten am Rand der Veranstaltung auf.
Große Kundgebungam 27. Januar
Für den kommenden Sonnabend, 27. Januar, hat ein breites Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Kirchen sowie zivilgesellschaftlichen Initiativen und Gruppen zu einer Kundgebung auf dem Emder Rathaushausplatz aufgerufen. Sie steht unter dem Motto: „Ostfriesland steht zusammen: Demokratie schützen!“ und beginnt um 13 Uhr. Zu den Rednern gehören der SPD-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Johann Saathoff (Pewsum), der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) sowie der Präsident der Ostfriesischen Landschaft, Rico Mecklenburg. Alle drei nahmen auch schon am Sonnabend an der Mahnwache teil.
Stimmen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern
Jana Kremmin kam mit ihrer Familie aus Freepsum zu der Veranstaltung nach Emden: „Wir sind hier, weil wir nicht wollen, dass es noch mal so wird, wie es damals war“, so die 32 Jahre alte Mutter von zwei Kindern.
Jonas Löwe, Schüler der IGS Emden, kam mit vielen aus seiner Schulklasse zu der Demo. „Ich bin gegen Rechtsextreme und gegen die Radikalisierung der AfD, die leider jetzt viel zu viel Aufmerksamkeit gewinnt“, meinte der 17-Jährige.
Gabriela Ochoa-Frenz gehört zur Initiative Omas gegen Rechts, die für die Kundgebung am nächsten Sonnabend mit aufgerufen hat. Die 59-Jährige: „Für mich als Oma ist ganz klar: Wir müssen für diese Demokratie aufstehen, damit sie auch für unsere Kinder und Enkelkinder erhalten bleibt.“
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